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Zuzahlungsbefreiung
  bei der Behandlung

Zuzahlungsbefreiung bei der Behandlung

Zuzahlungen können kostspielig werden. Muss ich alle Kosten selbst tragen? Ab wann bekomme ich eine Zuzahlungsbefreiung?

Wir geben Dir hier ein paar wich­tige Informationen und Hinweise zum The­ma Zu­zah­lun­gen und Zu­zah­lungs­be­frei­ung.

Im Rahmen Deiner Behandlung musst Du Zuzahlungen bei Medikamenten, Kran­ken­haus­auf­ent­hal­ten oder für Hilfsmittel leis­ten. Vor allem bei Medikamenten kom­men durch die Zuzahlungen von 5,- oder 10,- € über die Monate schnell ein paar Hun­dert Euro zusammen.

Wie läuft das mit den Zuzahlungen und ab wann bekomme ich eine Zu­zah­lungs­be­frei­ung?

Grundlage der Zuzahlung ist eine gesetzliche Regelung im Sozialgesetzbuch V (§61 ff. SGB V), in der festgelegt ist, dass Versicherte Zu­zah­lun­gen leisten müssen. Damit Menschen mit schwe­ren und chronischen Erkrankungen nicht finanziell benachteiligt werden, wird ei­ne so­ge­nan­nte Belastungsgrenze ermittelt, ab der keine Zuzahlungen mehr erforderlich sind. Das heißt also, Du musst solange Zu­zah­lun­gen leisten bis diese finanzielle Grenze erreicht ist.

Sie beträgt 2% bzw. bei chronisch kranken Menschen 1% des Familien-Brut­to­ein­kom­mens.

Was kann ich tun, um von der Zuzahlung befreit zu werden?

Erreichst Du diese Grenze aufgrund der Zu­zah­lun­gen innerhalb eines Kalenderjahres, so kannst Du bei Deiner Krankenkasse eine Bescheinigung zur Zuzahlungsbefreiung beantragen. Mit die­ser Bescheinigung brauchst Du für den Rest des Jahres keine weiteren Zuzahlungen mehr zu leisten.

Daher ist es wichtig, dass Du alle Be­schei­ni­gun­gen über Zuzahlungen für Medikamente, Fahrt­kos­ten, Kranken­haus­auf­ent­hal­te, Hilfsmittel oder ähnliches im Rahmen Deiner Behandlung sammelst und aufhebst. Denn diese musst Du beim Nachweis Deiner Belastungsgrenze bei Dei­ner Krankenkasse einreichen, damit Du eine Zuzahlungsbefreiung beantragen kannst.

Ebenso ist es möglich am Ende des Jahres die Bescheinigungen über die Zuzahlungen bei der Krankenkasse einzureichen und eine Rückerstattung zu beantragen.

Man kann bei der Krankenkasse also auf drei Arten eine Belastungsgrenze feststellen las­sen bzw. eine Zuzahlungsbefreiung erhalten:

  1. Während der Behandlung/ im laufenden Kalenderjahr: Wenn die eigene Be­las­tungs­gren­ze auf­grund der Zuzahlungen erreicht ist, um eine Befreiung zu erhalten –> Antrag auf Be­frei­ung von Zuzahlungen

  2. Nach Ablauf des Kalenderjahres: Du kannst durch das Einreichen Deiner Zu­zah­lungs­be­le­ge eine Rückerstattung bei Deiner Krankenkasse beantragen -> An­trag auf Erstattung von Zu­zah­lungen

  3. Am Anfang des Jahres: Wenn nach­weis­bar ist, dass die Zuzahlungen aufgrund einer an­dau­ern­den Be­hand­lung zu einer Überschreitung der Belastungsgrenze führen. In diesem Fall kannst Du die Zuzahlungen bei der Krankenkasse am Anfang des Jahres einzahlen und erhält eine Befreiungskarte. Diese muss dann beispielsweise beim Kauf von Me­di­ka­men­ten vorgezeigt werden -> An­trag auf Vorauszahlung der gesetzlichen Zu­zah­lun­gen

Was heißt das jetzt praktisch? Wie viel muss ich zuzahlen bevor ich von der Zu­zah­lung be­freit werde?

Für die Belastungsgrenze wird 2% der jährlichen Familien-Bruttoeinnahmen angesetzt. Bei der Be­rechnung werden ebenfalls der Familienstatus und die Anzahl der Kinder über Freibeträge berücksichtigt. Weiterhin wird der Erhalt von ALGII oder Sozialhilfe beachtet.

Hier drei Beispiele, um die Theorie praktisch zu verdeutlichen:

a) Du bist alleinstehend, hast keine Kinder und verdienst etwa 25.000€ Brutto im Jahr, dann ist deine Belastungsgrenze: 500€.

b) Du bist verheiratet, hast 2 Kinder und euer Familienbrutto-Einkommen beträgt 30.000€, so ist die Belastungsgrenze bei 193,26€ fest­ge­legt.

c) Du erhältst ALGII oder Sozialhilfe und be­kommst einen Regelsatz von 4.992€ im Jahr, dann be­trägt deine Belastungsgrenze: 99,84€.

Im Internet findest Du Onlinerechner, in denen Du Deine Belastungsgrenze ausrechnen kannst.

Fazit: Aufgrund einer Erkrankung (außer nachgewiesene chronische Erkrankung) wirst Du nicht automatisch von der Zu­zah­lung befreit, sondern erst wenn Deine eigene fi­nan­ziel­le Belastungsgrenze erreicht ist. Die Krankenkassen berechnen dies aufgrund Deines Brut­to­ein­kom­mens sowie Deiner Familiensituation. Über die Nachweise von Zuzahlungen kannst Du eine Erstattung oder Befreiung der Zu­zah­lun­gen beantragen.

Die Anträge zur Befreiung bzw. Erstattung von Zuzahlungen findest du auf den Inter­net­sei­ten Deiner Krankenkasse.

Quellenangaben

  1. Gesetze im Internet. “§ 61 SGB 5 - Zuzahlungen.” https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__61.html (14.03.2018)
  2. Gesetze im Internet. “§ 62 SGB 5 - Belastungsgrenze.” https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__62.html (14.03.2018)
  3. GKV-Spitzenverband. “Zuzahlungen Und Befreiungen.” https://www.gkv-spitzenverband.de/service/versicherten_service/zuzahlungen_und_befreiungen/zuzahlungen_und_befreiungen.jsp (14.03.2018)
  4. Smart-Rechner.de. “Zuzahlungsrechner - Bei Gesetzlicher Krankenversicherung.” https://www.smart-rechner.de/zuzahlung/rechner.php (14.03.2018)
  5. Sozialversicherung kompetent. “Belastungsgrenze Bei Zuzahlungen.” https://sozialversicherung-kompetent.de/krankenversicherung/leistungsrecht/408-belastungsgrenze-bei-zuzahlungen.html (14.03.2018)

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