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Bewegung gegen Müdigkeit und Erschöpfung bei Darmkrebs

Bewegung gegen Müdigkeit und Erschöpfung bei Darmkrebs

Bewegung wirkt gegen Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühle. Erhalten folgend einige Tipps, wie du künftig aktiver werden kannst.

Was sagt die Wissenschaft?

Darmkrebs zählt weltweit zu der dritthäufigsten Krebsart bei Männern und zu der zweithäufigsten bei Frauen.
Damit sind es etwa 10 % aller Krebsdiagnosen. Aufgrund von modernen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten hat sich in den letzten Jahrzehnten die Prognose dieser Erkrankung jedoch erheblich verbessert.
Trotzdem geht sie mit gewissen Begleiterscheinungen einher.

Knapp die Hälfte der Betroffen empfinden eine verstärkte Müdigkeit und Erschöpfung.
Während einer Chemotherapie sind diese Beschwerden häufig zunehmend. Bei mehr als 25 % treten selbst nach einer erfolgreichen Behandlung, in den darauffolgenden Jahren, noch Ermüdungs- und Erschöpfungserscheinungen auf.
Dies führt oft zu emotionalem Stress, einer reduzierten physischen Leistungsfähigkeit und letztendlich zu einer geringeren Lebensqualität.

Ob Bewegung, speziell bei Darmkrebs, bereits während einer Chemotherapie einen positiven Einfluss darauf hat, wurde in einer Studie aus dem Jahr 2016 untersucht. 33 Patienten aus sieben niederländischen Krankenhäusern nahmen daran teil.
Der Diagnosezeitpunkt ihrer Erkrankung durfte nicht länger als 10 Wochen zurück liegen und der Krebs durfte sich nicht weiter ausgebreitet haben, also keine Fernmetastasen gebildet haben.

Die Probanden wurden in zwei Gruppen unterteilt. Bezüglich der Therapie unterschieden sie sich ausschließlich darin, dass eine Gruppe zusätzlich zur Chemotherapie ein 18-wöchiges, physiotherapeutisch angeleitetes Bewegungsprogramm erhielt.
An diesem nahmen die Patienten zweimal pro Woche für eine Stunde teil.

Es bestand aus einem 10-minütigen Warm-up, gefolgt von einem 40-minütigen Ausdauer- und Kräftigungsteil.
Am Ende erfolgte noch ein Cool-down für 10 Minuten.
Darüber hinaus wurden die Teilnehmer gebeten, an drei weiteren Tagen pro Woche, für mindestens 30 Minuten täglich, körperlich aktiv zu sein.

Das Bewegungsprogramm wurde auf das jeweilige Fitnesslevel der Patienten und deren Vorlieben angepasst. Das Ausdauertraining wurde per Herzfrequenz gesteuert und intervallartig gestaltet.
Dabei wechselten sich Phasen niedriger Belastung mit Phasen höherer Belastung ab. Das Kräftigungstraining umfasste Übungen, mit mittlerer bis submaximaler Intensität, für sämtliche große Muskelgruppen.
Insgesamt fand innerhalb des Trainingszeitraumes eine Belastungssteigerung statt.

Vor Beginn, nach 18 und 36 Wochen nach Beginn des Bewegungsprogrammes wurden verschiedene Tests in beiden Gruppen durchgeführt.
Das Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühl wurde mittels eines spezifischen Fragebogens ermittelt. Darüber hinaus wurde die körperliche Fitness anhand eines Leistungstests auf einem Radergometer festgestellt.

Die Studienteilnehmer, die das Bewegungsprogramm absolvierten, zeigten nach 18 Wochen ein deutlich geringeres körperliches Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühl, verglichen mit der anderen Gruppe.
Selbst nach 36 Wochen fühlten sie sich diesbezüglich noch immer besser, auch wenn sich die Ergebnisse beider Gruppen wieder angenähert hatten.
Der allgemeine Müdigkeits- und Erschöpfungszustand war in der Bewegungsgruppe sowohl nach 18, als auch nach 36 Wochen deutlich geringer.
Das Bewegungsprogramm hatte zudem eine positive Wirkung auf die körperliche Fitness, was zu beiden Messzeitpunkten zu erkennen war.

Wie kannst Du diese Erkenntnisse für Dich nützlich machen?

Wie Du aus dieser Studie entnehmen kannst, hat Bewegung einen starken Einfluss auf Dein Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühl sowie auf Deine Leistungsfähigkeit – nicht nur während Du körperlich aktiv bist, sondern auch lange über diese Zeit hinaus. Sie wirkt sich ganz entscheidend auf Deine Lebensqualität aus.

Fange daher am besten gleich an und überlege Dir, für welche Art von Bewegung Du Dich am besten regelmäßig motivieren kannst.
Nimm Dir dafür etwas Ruhe und Zeit, denn diese Gedanken sind ganz entscheidend. Die gewählte Bewegung soll Dir Spaß machen!

Jeder kennt das – es gibt Zeiten, da kann man sich nur schwer aufraffen um körperlich aktiv zu werden.
Dann muss der innere Schweinehund überwunden werden.
Und dies gelingt eben deutlich leichter, wenn man mit der Art der Aktivität Positives verbinden kann.
Zudem ist dann häufig nach den ersten Minuten die Trägheit schon wie weggeblasen.

Vielleicht gibt es was, das Du bereits in der Vergangenheit kennengelernt hast und Dir Freude bereitet hat?

Du kannst Dich auch über Bewegungsangebote in Deiner Region informieren. Sportvereine und Volkshochschulen, aber auch Krankenkassen oder örtliche Gesundheitszentren bieten häufig eine Vielzahl davon an.
Wenn Du lieber für Dich aktiv bist, dann nutze die Möglichkeiten, die Du bereits hast oder besorge Dir das dafür notwendige Equipment. Für den Beginn ist jedoch kaum etwas erforderlich.

Häufig ist es allerdings hilfreich, wenn Du Dich zusammen mit anderen bewegst. Ihr könnt euch so gegenseitig motivieren und mitziehen.
Vielleicht findest du eine bestehende Gruppe, der Du Dich anschließen kannst. So lernst Du zusätzlich noch neue Leute kennen.
Du kannst aber auch Freunde und Familienmitglieder fragen. Vermutlich sind sie sogar froh, wenn jemand sie zur Bewegung animiert.

Wenn Du Dir unsicher bist, ob die gewählte Aktivität die richtige für Dich ist, dann halte Rücksprache mit Deinem Arzt oder Physiotherapeuten. Sie können Dir darüber hinaus Tipps geben und gegebenenfalls, zusammen mit Dir, Alternativen finden.

Hast Du nun was Passendes für Dich gefunden oder hast Dich entschlossen, was Neues auszuprobieren, dann trage Dir dafür feste Termine in Deinen Kalender ein.
Räume diesen Terminen eine hohe Priorität ein.
Nur in Ausnahmefällen, beispielsweise für Arztbesuche oder ähnliches, solltest Du Diese verschieben und nur sehr selten ausfallen lassen.

Wenn du einen digitalen Terminkalender nutzt, dann stelle Dir eine Erinnerung, die immer wieder ein paar Stunden zuvor Alarm schlägt.

Solltest Du Dich zusammen mit anderen Personen bewegen, dann vereinbart jeweils am Ende eurer Aktivität einen neuen festen Termin.

In der Regel will diesen später keiner absagen und so kommt Ihr auf alle Fälle zu Euren gemeinsamen Bewegungseinheiten. Bewegung kann nämlich erst ihre volle Wirkung entfalten, wenn sie regelmäßig, mit nur wenigen Tagen Unterbrechung, ausgeführt wird.

Versuche zudem Deinen Alltag zu überdenken.
Überall gibt es Möglichkeiten, wie Du Dein Aktivitätspensum deutlich erweitern kannst.
Gehe beispielsweise häufiger die Treppen, wenn Du Deine häuslichen Aufgaben erledigst, anstelle die Dinge für einen einmaligen Kellergang zu sammeln.
Du könntest aber auch immer wieder Gartenarbeiten erledigen oder Dir bewusste „Auszeiten“ für kleine Spaziergänge gönnen.

Selbst wenn diese Aktivitäten im Einzelnen nicht viel sind, in der Summe über Tage, Wochen und Monate ergibt sich daraus jedoch ein bedeutender Gesamtumfang.

Wenn Du Dir, wie in der oben erwähnten Studie, ein Kombinationsprogramm aus Ausdauer- und Kräftigungsübungen vorstellen kannst, dann achte auf eine professionelle Anleitung.
Beginne zur Eingewöhnung zunächst wenig intensiv und steigere danach jedoch immer wieder den Umfang und die Intensität.

Auch das ist sehr wichtig, um über einen längeren Zeitraum stetige körperliche Anpassungen zu erfahren. Du kannst dafür zum einen verschiedene Trainingsgeräte, beispielsweise in einem Fitnessstudio, nutzen. Zum anderen gibt es aber auch Möglichkeiten, rein mit dem eigenen Körpergewicht oder mit Alltagsgegenständen, effektiv zu üben.
Mehrere Studien sind bereits veröffentlicht, die gerade den Nutzen eines solchen Programmes darstellen.

Und jetzt?

Nimm Dir ein Stück Papier, mache Dir Gedanken zu folgend Fragen und schreibe Dir die jeweiligen Antworten auf.

  • Für welche Bewegungsaktivität kann ich mich am meisten begeistern?
  • Durch welche drei Aktivitäten kann ich mein Bewegungspensum im Alltag erweitern?
  • Wo genau kann ich mir Anregungen, Hilfe und Tipps einholen?

Werde nun aktiv, denn rein vom Gedanken machen und Planen wird es zu keinen Veränderungen kommen!

Viel Spaß beim Üben!

Quellenangaben

  1. Van Vulpen JK1, Velthuis MJ, Steins Bisschop CN, Travier N, Van Den Buijs BJ, Backx FJ, Los M, Erdkamp FL, Bloemendal HJ, Koopman M, De Roos MA, Verhaar MJ, Ten Bokkel-Huinink D, Van Der Wall E, Peeters PH, May AM. Effects of an Exercise Program in Colon Cancer Patients undergoing Chemotherapy. Med Sci Sports Exerc. 2016 May;48(5):767-75.

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