Phasen der Krankheitsverarbeitung

Autor: Dipl. Biol. Esther Witte • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
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Fünf Phasen der Krankheitsverarbeitung helfen Dir dabei, die veränderte Lebenssituation anzunehmen. Wichtig ist, dass Du einen eigenen Weg der Krankheitsbewältigung findest.

Bestimmt hattest Du einen Plan, wie Du Dein zukünftiges Leben gestalten wolltest. Vielleicht wolltest Du eine Familie gründen, Karriere machen oder Dich intensiv um Deine Enkel kümmern. Alles lief soweit nach Plan – und fiel plötzlich wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Eine so schwere Diagnose, wie Du sie bekommen hast, ist sehr schwer zu verarbeiten. Nichts ist mehr so selbstverständlich und unbeschwert wie zuvor. Jetzt sind positive Beziehungen, Gedanken und Erlebnisse, die dir Halt geben, besonders wichtig.

Die Diagnose Krebs erschüttert Deine Seele

Physisch wie psychisch erlebst Du nach der Krebsdiagnose womöglich die größte Herausforderung Deines Lebens. Du bist unvorbereitet in eine existenzielle Krise gestürzt. Nun wirst Du mit einem Gefühlschaos aus Verzweiflung, Todesangst, Ohnmacht, Mutlosigkeit und Resignation konfrontiert. Deine Gefühle wechseln ständig, ebenso wie Therapieerfolge und mögliche Rückschläge. Es ist wichtig, dass Du weißt, dass diese Stimmungsschwankungen in dieser Situation absolut normal sind. Was Du jetzt brauchst, ist vor allem das Verständnis Deines Umfeldes.

So reagieren Patientinnen auf die Diagnose

Es gibt fünf Phasen der Krankheitsverarbeitung. Diese Phasen führen zu einer schrittweisen Anpassung an die veränderte Lebenssituation. Alle Patientinnen erleben die einzelnen Phasen ganz individuell. Je nach Krankheitsverlauf und Prognose können sie:

  • unterschiedlich lange anhalten
  • sich wiederholen
  • unterschiedlich stark ausfallen
  • parallel verlaufen

Phase 1 – aktive Verweigerung

Phase 1 ist eine Schockphase und wichtig, um Dich vor unerträglichen Ängsten zu schützen. Sie gibt Dir Zeit, Dich langsam mit der Situation abzufinden. Sie beinhaltet Gedanken, wie “Das muss ein Fehler sein”. In dieser Phase brichst Du vermutlich das Gespräch über Deine Erkrankung immer wieder ab. Du möchtest Dich nicht lange mit diesem Thema beschäftigen, lieber dem Ernst der Lage ausweichen. Möglicherweise lehnst Du eine Behandlung in dieser Phase noch ab. Du brauchst einfach Zeit, die Diagnose zu verarbeiten.

Phase 2 – Zorn

Dann kommt der Zorn und Gedanken, wie “Warum gerade ich? Ich habe mich doch immer gesund ernährt!” Der Zorn ist meist Ausdruck von empfundener Hilflosigkeit, die in dieser Situation völlig normal ist. Er kann sich gegen den Arzt, gegen die Familie oder auch gegen alle Gesunden richten. Es kann sein, dass Du die Kompetenz Deines Arztes anzweifelst. Vielleicht suchst Du andere Ärzte für eine Zweitmeinung auf. Es kann wichtig für Dich sein, dass Dein Gegenüber Deinen Zorn nicht persönlich nimmt. Denn was Du jetzt brauchst, sind vor allem viel Verständnis und Zeit.

Phase 3 – Verhandeln

Vielleicht versuchst Du jetzt, zu verhandeln. Du suchst nach Angeboten im Tausch für Deine Gesundheit. Vielleicht geht die Krankheit ja wieder, wenn du etwas dafür tust. Vielleicht möchtest Du ja auch irgendeine Gegenleistung für den hohen Preis, den Du bezahlst. Gleichzeitig verspürst Du Schuldgefühle, wie “Hätte ich ein besseres Leben geführt, wäre ich jetzt nicht krank”. Diese Phase ist der Beginn der Akzeptanz.

Phase 4 – Depression

Inzwischen bewirken die Therapien und/oder die Verschlechterung der Krankheit Veränderungen bei Dir. Vielleicht fallen Dir Deine Haare aus, Du kannst nicht mehr arbeiten, Deine Partnerschaft hat sich verändert. Dir werden immer mehr Verluste bewusst und Du gerätst in eine depressive Verstimmung. Was Dir jetzt helfen kann, ist Dir Deiner verbliebenen Fähigkeiten oder neuen Möglichkeiten bewusst zu werden. Vielleicht machen dich Ablenkung und Aufheiterung im Moment nur traurig und du brauchst vor allem Verständnis für Deine Ängste und Sorgen.

Phase 5 – Bewusste Annahme / Akzeptanz

In der Phase der Akzeptanz reagiert jeder ganz individuell. Es kann eine Phase der Neuorientierung sein, des objektiven Nachdenkens. Manche Patientinnen entwickeln ein neues Selbstverständnis und nehmen die veränderte Situation an. Andere, für die es keine Heilung mehr gibt, können sich gänzlich frei von Emotionen fühlen. Sie brauchen sehr viel Ruhe. Wieder andere nehmen sich die Zeit, besonders schöne Momente zu schaffen. Jede Stunde, jeder Tag kann jetzt eine ganz besondere Bedeutung haben.

Strategien zur Verarbeitung

Leider gibt es keine Patentrezept zur Verarbeitung einer Krankheit. Du erlebst Deine ganz eigene Krise und nur Du kannst passende Möglichkeiten zur Bewältigung finden. Es gibt zwei grundlegende Prozesse zur Bewältigung veränderter Lebenssituationen. In der Fachsprache werden sie “Coping” genannt, abgeleitet von “to cope” = mit etwas fertig werden. Manche Patientinnen entwickeln ein aktives Coping, andere eher ein passives.

Passives Coping

Eine ängstliche oder auch resignative Grundhaltung gegenüber Deiner Situation ist eher ungünstig für Deine Krankheitsverarbeitung. Deine Psyche und Lebensqualität leiden, wenn Du Dich auf die Hoffnungslosigkeit konzentrierst. Die ausschließliche Beschäftigung mit der Krankheit, gepaart mit Resignation und soziale Isolation, tun Dir nicht gut.

Das aktive Coping

Mit einer aktiven, kämpferischen Einstellung fühlst Du Dich möglicherweise nicht länger passiv der Krankheit ausgeliefert. Du nimmst selbst das Steuer in die Hand, indem Du Deine Gedanken bewusst lenkst. Damit kannst Du vor allem Deine Lebensqualität positiv beeinflussen. Aktives Coping kann zum Beispiel darin bestehen:

  • Dich genau über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren
  • Deine Bedürfnisse gegenüber dem Arzt, der Familie, dem Arbeitgeber zu vertreten
  • Dich mit einem Hobby, Freunden, einem Hörbuch oder einem Spaziergang von Grübeleien abzulenken
  • Dich zugewandten Menschen anzuvertrauen
  • Hilfsangebote anzunehmen oder Dich Selbsthilfegruppen anzuschließen
  • Dich mit Deinen Ängsten auseinanderzusetzen
  • Dir realistische Ziele setzen und Prioritäten zu überdenken
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Quellenangaben
  1. Krankheitsbewältigung Belastungen verkraften, Orientierung schaffen, Lebensqualität gewinnen, 21.08.2016 in Krebsinformationsdienst: Krankheitsverarbeitung: Krebs verkraften und bewältigen, abgerufen am 14.02.2020 von https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krankheitsverarbeitung/bewaeltigung.php
  2. Strobl, Carola, Lebenssituation von Krebspatienten, Institut für Psychosomatik und Verhaltenstherapie IPVT, abgerufen am 14.02.2020 von http://www.psychosomatik.at/uploads/lexikon_pdf/krebs.pdf
  3. Bildnachweis: © beatleoff/www.stock.adobe.com
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