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Update: Wie wirksam ist Methadon in der Krebstherapie?

Autor: Nicole Ziese • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
Lesedauer ca. 5 Minuten

Wundermittel oder Hype – Kann Methadon in der Behandlung von Tumoren Erfolge erzielen?

Bis Anfang 2017 war Methadon den meisten Menschen auf zwei Einsatzgebieten bekannt: als Medikament für Drogenabhängige und als Schmerzmittel, das auch Krebspatienten verabreicht werden kann, wenngleich nicht als Mittel der ersten Wahl. Das änderte sich mit einem Medienbericht Anfang 2017 schlagartig: In diesem Beitrag wurde berichtet, dass Methadon als Ergänzung zu einer klassischen Chemotherapie gerade bei sehr aggressiven Hirntumoren gute Erfolge gezeigt hätte. Es geht also um eine Kombinationstherapie. Die Hoffnungen bei Betroffenen waren groß, die Skepsis bei Fachleuten ebenfalls, da es sich um Laborversuche gehandelt hatte. Viele Mediziner und Fachgesellschaften gehen sogar davon aus, dass Methadon mehr Schaden anrichten als helfen kann. Entsprechend groß ist die Verunsicherung bei Patienten und Angehörigen. In diesem Artikel erhältst Du einen Überblick über die wichtigsten Fakten.

Methadon in der Krebstherapie – Wie alles begann

Ihren Anfang nahm die Diskussion bereits 2014, als eine Forscherin der Universität Ulm erklärte, dass Methadon die Wirkung von einem bestimmten Chemotherapeutikum (Krebsmedikament) bei einer besonders aggressiven Form eines Hirntumors verstärkt. Entscheidend hierbei ist allerdings, dass es sich um reine Laborversuche mit Zellen in Reagenzgläsern gehandelt hatte. Dennoch gelangte das Thema Anfang 2017 in den Fokus der breiten Öffentlichkeit, als in einem Fernsehbeitrag in der ARD über den Einsatz von Methadon in der Krebstherapie berichtet wurde. In der Zwischenzeit waren bereits weitere Studien durchgeführt worden, die zu folgenden Ergebnissen kamen:

  • Methadon hat bei aggressiven Hirntumoren keinen wirklichen positiven Effekt auf den Krebs.
  • Als Forschungsansatz ist der Einsatz von Methadon in der Krebstherapie auch von anderen Krebsarten durchaus interessant.
  • Methadon kann bei der Behandlung von Krebs nicht nur zu starken Nebenwirkungen führen, sondern sogar den Verlauf und das Überleben negativ beeinflussen.

Aufgrund dieser Ergebnisse warnen Fachärzte dringend davor, dass zu große Hoffnungen auf Methadon als Wundermittel in der Krebstherapie gesetzt werden und raten von Methadon als Kombinationstherapie mit einer Chemotherapie außerhalb von klinischen Studien ab.

Hype oder Hoffnungsträger

In der Folgezeit reagierten jedoch zahlreiche andere Medien auf diesen ersten positiven Bericht über Methadon. So wurde das Thema immer weiter in das öffentliche Bewusstsein getragen und die Hoffnungen der Betroffenen immer weiter geschürt. Dies führte dazu, dass Fachärzte immer häufiger auf eine Behandlung mit Methadon angesprochen wurden.

Die ganze Diskussion nahm zwischenzeitlich beinahe Züge einer Verschwörungstheorie an: Es wurde unterstellt, dass die Pharmaindustrie kein Interesse an weiteren Forschungen und einem breiten Einsatz von Methadon in der Krebstherapie habe.

Neue Studien zeigen, dass Methadon in der Krebsbehandlung durchaus ein Ansatz ist, der interessant ist. Wichtig ist, dass die Forschung hier jedoch noch am Anfang steht. Es handelt sich also nicht um eine gut erprobte Behandlung. Es kann derzeit keine belastbare Aussage zu Wirkungen beim Menschen gemacht werden. Zeitgleich besteht die Gefahr von Risiken und Nebenwirkungen, so dass zahlreiche Experten und Fachgesellschaften daher raten, dass Methadon ausschließlich im Rahmen von Studien zur Behandlung von Tumoren eingesetzt werden sollte.

Was ist der aktuelle Stand?

Ob und wie Methadon in Kombination mit einer Chemotherapie auf Krebs wirkt, ist noch nicht ganz klar. Ein Ansatz besagt, dass Methadon dafür sorgen könnte, dass das Medikament in den erkrankten Zellen bleibt und dort deshalb besser seine Wirkung entfalten könnte.

Wichtig ist zudem zu wissen, dass Methadon nicht gleich Methadon ist. Man unterscheidet chemisch zwischen D, L- und L-Methadon. Das so genannte L-Methadon könnte nach derzeitigem Stand deutlich bessere Erfolge zu erzielen.

Insgesamt wichtig ist, dass es sich um erste Forschungsergebnisse der Grundlagenforschung aus dem Labor handelt. Diese müssen durch weitere Studien noch ausführlich erforscht werden, bevor diese Behandlung als Standardbehandlung beim Menschen eingesetzt werden kann. Derzeit kann Methadon im Rahmen der Krebstherapie als Schmerzmittel eingesetzt werden. Auch hierbei gibt es deutlich verträglichere Mittel als Methadon. Als Unterstützung für eine Krebsbehandlung ist Methadon nicht zugelassen.

Quellenangaben
  1. Kassenärztliche Bundesvereinigung. (2017). Methadon in der Krebsbehandlung. Abgerufen am 23.03.2021. Verfügbar unter: https://www.kbv.de/html/31625.php, 26.10.2017
  2. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/palliativtherapie/methadon-bei-der-krebserkrankung.html (29.07.2019)
  3. Deutsche Gesellschaft für Onkologie. Methadon in der Krebstherapie. Abgerufen am 23.03.2021. Verfügbar unter: https://www.dgo.de/methadon-in-der-krebstherapie/
  4. https://www.aerzteblatt.de/archiv/196801/Onkologie-Methadon-wirkt-unterschiedlich (29.07.2019)
  5. Ray, W. A., Chung, K. T., Cooper, W. O. et al: Out-of-hospital mortality among patients receiving methadon for noncancer pain. JAMA Intern. Med. 2015, 175: 420-427
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