Sport bei erwachsenen Krebspatienten

Autor: Dr. Nicole Strauch • Fachliche Prüfung: Dr. Isabelle Moutongo-Missala
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Angepasste körperliche Aktivität kann Deinen Therapieverlauf vielfältig unterstützen. Wir erklären, worauf Du achten solltest.

Vielleicht bist Du jemand, der Zeit seines bisherigen Lebens immer gerne aktiv war und Sport getrieben hat. Oder Dein behandelnder Arzt hat Dir dazu geraten, Dich auch jetzt – in der Krankheit – zu bewegen und Sport zu treiben. Dabei kann es ein, dass sich dies für Dich erst einmal wie ein Widerspruch anhört. Sollte man sich nicht schonen, wenn man krank ist? Braucht der Körper jetzt nicht jedes Fitzelchen an Energie dafür, wieder gesund zu werden? Schade ich meinem Organismus nicht, wenn ich ihn auch noch körperlicher Aktivität aussetze?

Warum ist Bewegung jetzt wichtig?

Noch vor einigen Jahrzehnten hätte Dein behandelnder Arzt Dir sicher zu Ruhe und Schonung geraten, damit Du Deine Kraft ausschließlich darauf konzentrieren kannst, Deine Therapien gut zu durchlaufen und mit den möglichen Nebenwirkungen von Medikamenten zurecht zu kommen. Man dachte lange, dass eine sportliche Betätigung den Körper in dieser anspruchsvollen Zeit schwächt. Man ging früher davon aus, dass Sport erst wieder sinnvoll ist, wenn Dein Körper wieder vollständig genesen ist.

Allerdings haben sich die Therapien, die Eindämmung von Nebenwirkungen und die Behandlungsmethoden in den letzten Jahren deutlich verändert, so dass es natürlich immer noch Beeinträchtigungen im Deinem Alltag geben kann, die Ärzte aber vielfältige Möglichkeiten haben, diese so gering wie möglich zu halten.
Weiterhin ist es auch so, dass die Diagnostik und Früherkennung immer besser wird und daher oft die Erkrankung schon in einem so frühen Stadium erkannt wird, dass auch hier die Beeinträchtigungen geringer sind als zu einem späteren Zeitpunkt der Diagnose.

In den späten 80er Jahren wurden dann aber wissenschaftliche Studien durchgeführt und die Forscher konnten zeigen, dass Sport bei Krebserkrankten zu positiven Auswirkungen in verschiedenen Bereichen führen kann.

  • Man fühlt sich besser
  • Es gibt weniger Nebenwirkungen
  • Die Lebensqualität steigt
  • Abbauprodukte der Medikamente werden schneller aus dem Körper geschleust

Sport ist also heutzutage mittlerweile aus der ganzheitlichen Krebstherapie nicht mehr wegzudenken und wird als wichtiges Element angesehen. Es geht dabei, Dich auf zwei Ebenen zu unterstützen: sowohl körperlich wie auch geistig.
Wenn Sport gezielt, frühzeitig und an Deine körperliche Situation angepasst durchgeführt wird, dann kann es dazu beitragen, Deine Leistungsfähigkeit in großen Bereich zu erhalten und die Nebenwirkungen, die mit Deiner Therapie einhergehen zu begrenzen. Körperliche Aktivität regt Dein Herz- und Kreislaufsystem an, die kann dabei helfen, Deine Ausdauer zu erhalten, einem Kraftverlust vorzubeugen und gegen die unter Krebspatienten bekannte chronische Erschöpfung (Fatigue) zu helfen.
Außerdem kann es Dir dabei helfen, auch jetzt an die schönen Dinge, die das Leben immer noch bereit hält zu denken, dadurch Deine Lebensqualität zu steigern und im Umkehrschluss dadurch auch wieder eine positive Wirkung auf die Nebenwirkungen Deiner Medikamente zu haben.

Ist das nicht großartig?

Und nicht zuletzt kannst Du den Sport oder die körperliche Aktivität auch dazu nutzen mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen oder zu bleiben. Vielleicht ergibt sich die Chance, mit Deiner Familie zusammen etwas zu unternehmen, Patientensportgruppen beizutreten und neue Leute kennenzulernen oder einfach weiter Teil der Sportmannschaft zu bleiben, in der Du schon lange integriert bist. Dies bietet Dir die Möglichkeit weiter einen aktiven Alltag zu haben, Ablenkung zu erfahren und Dich auszutauschen. Dies wiederum kann eine unterstützende Wirkung auf Deine Therapie haben.

Was ist beim Training zu beachten?

Wie Du Dir vorstellen kannst, sind die Dinge, auf die man beim Sport trotz Krebs achten soll so unterschiedlich wie die verschiedenen Krankheitstypen selbst. Jemand, dem man das Knie operiert hat, muss sicher ganz andere Dinge beachten, als der Patient, der sich einer Bestrahlung des Kopfes unterziehen muss.

Was aber für alle sportlichen Aktivitäten während Deiner Erkrankung gilt ist, dass:

  • Du nur Sport treiben solltest, wenn dies vorher mit Deinem Arzt besprochen wurde (wünschenswert wäre hier ein Belastungs-EKG im Vorfeld und im Verlauf, um zu sehen, wie Deine Leistungsfähigkeit sich entwickelt)
  • Du bei jedem Training gesondert auf Deine aktuelle körperliche Verfassung achten solltest
  • auch Stimmungsschwankungen bei der Intensität des Trainings berücksichtigt werden sollten. Denn dies kann ja auch Ausdruck eines Erschöpfungszustandes sein
  • aber leichte Müdigkeit oder ein Gefühl der Mattigkeit nicht ausdrücklich gegen körperliche Aktivität spricht. Denn es kann ja gerade dann wichtig sein, den Körper und Deinen Organismus ein wenig anzukurbeln
  • Du zurzeit nicht bis zur totalen Erschöpfung trainieren solltest
  • Deine Regenerationsphasen jetzt sicherlich länger sind als Du es gewohnt bist

Bei folgenden Symptomen solltest Du zeitweise ganz auf Sport verzichten:

  • Starke Schmerzen
  • Akute Blutungen; Thrombozyten unter 20.000
  • Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems
  • Kreislaufbeschwerden, Schwindel
  • Knochenmetastasierungen
  • Fieber, Temperatur über 38,0 Grad
  • Übelkeit, Erbrechen

Wann im Therapieverlauf kann ich mit dem Sport beginnen?

Wünschenswert wäre es, wenn Du nach einer Operation bereits in der Akut-Klinik mit der Physiotherapie beginnen könntest, denn dann kann man bereits Folgeerkrankungen aufgrund des Bewegungsmangels vorbeugen. Hier bist Du oft gefordert, dies bei Deinem behandelnden Arzt einzufordern.
Wichtig ist aber, dass Du in dieser Phase nicht einfach allein und ohne professionelle Hilfe mit der Bewegung beginnst. Denn die Fachleute wissen sehr genau, was Du Dir jetzt schon zutrauen kannst und ob Dein Körper schon zu bestimmten Bewegungen fähig ist, oder ob Du Dich noch schonen solltest.

Wenn Dein Therapieplan eine Chemotherapie für Dich vorsieht, dann kannst Du auch in dieser Zeit körperlich aktiv bleiben. Dabei ist es aber sinnvoll immer im Auge zu behalten, dass die Medikamente nicht Auswirkungen auf Dein Herz-Kreislaufsystem und die Nieren haben. Aber ansonsten ist Bewegung aus den oben genannten Gründen auch während der Chemotherapie sehr zu empfehlen.
Auch während einer Strahlentherapie kannst Du aktiv sein. Du solltest natürlich auch hier immer darauf achten, dass Du Dich nicht überforderst und nach einer Strahlensitzung solltest Du mindestens eine Stunde vergehen lassen, bevor Du Sport treibst.

Gibt es eine Faustregel für den Sport während meiner Erkrankung?

Wie oben bereits erläutert gibt es keine allgemeingültige Faustregel für die körperliche Aktivität, da sich Patienten und Krankheitsbilder so sehr unterscheiden.

Es gibt aber ein paar Eckpunkte, die Du beachten kannst:

  • Du solltest so Sport treiben, dass Du Dich auch noch gut mit anderen unterhalten kannst, ohne vollkommen außer Puste zu geraten
  • Dein Puls sollte folgenden Wert nicht überschreiten: 180 Schläge minus Lebensalter (hier ein Beispiel: 180 Schläge minus 55 Jahre = Pulsgrenze 125)
  • Du solltest wenn möglich dreimal pro Woche für mindestens 20 – höchstens 60 Minuten Sport treiben

Gibt es Gruppen, denen ich mich gezielt anschließen kann?

Ja, es gibt sogenannte Krebs-Sportgruppen für die Nachsorge. Die Kosten hierfür können unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen oder bezuschusst werden. Nach §44 Sozialgesetzbuch IX muss hierfür ein Rezept des Arztes vorliegen. Der Katalog der Krankenkassen sieht dann finanzielle Zuwendungen für 50 Übungseinheiten vor. Die einzelne Übungsstunde muss dabei mind. 45 Minuten lang sein und sie muss von speziell ausgebildetem Übungsleitern durchgeführt werden.

Die Dachorganisation für die Reha-Sportgruppen ist in Deutschland der Deutsche Behindertensportverband e.V.

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Quellenangaben
  1. Landessportbund Nordrhein-Westfalen e.V.
  2. Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Rehabilitation und Behindertensport
  3. https://www.dbs-npc.de/sportentwicklung-rehabilitationssportgruppen-in-deutschland.html (16.07.2018)
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