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Sexualität bei Männern mit Tumorerkrankungen

Autor: Dr. Simone Freitag • Fachliche Prüfung: Erik Schmok
Lesedauer ca. 8 Minuten

Die Diagnose und die Behandlungen bei einer Krebserkrankung können nicht nur Dein Aussehen für eine gewisse Zeit verändern. Es ändern sich vor allem die Wahrnehmung zu Deinem Körper und Einstellungen zu Themen, die Dir wichtig sind.

In diesem Artikel erfährst Du,

  • wie sich eine Tumorerkrankung und deren Behandlung auf Deine Sexualität und Dein Lustempfinden auswirken kann und

  • wie Du mit solchen Veränderungen umgehen kannst.

Durch die äußeren Veränderungen lernst Du Deinen Körper auf eine neue Weise kennen und auch innerlich musst Du mit Deinem veränderten Aussehen zurechtzukommen. Dein Selbstwertgefühl, Körperbild und auch Dein Körpergefühl können sich durch die Auswirkungen der Behandlung verändern (1). Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf Deine Partnerschaft, Dein Lustempfinden und Deine Sexualität.

Die Auswirkungen von Tumorbehandlungen

Es kann passieren, dass nicht nur die an sich stressreiche Phase einer Krebserkrankung sondern auch die Therapien negativ auf Deine Lust und Deine Sexualität auswirken (2).

Gerade während einer Chemotherapie verändert sich auch der Hormonhaushalt und Dein Lustempfinden kann gedämpft werden. Gleichzeitig ist die Anspannung in einer Partnerschaft groß – das Thema Krebs ist allgegenwärtig und da gerät die Sexualität schon mal in den Hintergrund.

Viele Paare erleben auch eine gewisse Sprachlosigkeit, hinsichtlich den Themen Intimität und Sex. Dies kann eine Partnerschaft belasten. Es fällt Dir vielleicht auch eher schwer, mit einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner intim zu werden.

Für Dich als Mann gibt es während einer Krebserkrankung drei Arten von möglichen Störungen der Sexualität, die auftreten können:

  1. Die Krebserkrankung betrifft eines Deiner Fortpflanzungsorgane (Hoden, Prostata): So kann es sein, dass Du aufgrund der Operationen tatsächlich körperlich nicht mehr in der Lage bist, eine Erektion zu bekommen oder Samen für die Ejakulation zu produzieren. Hier solltest Du vertrauensvoll mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt besprechen, welche Möglichkeiten Du hast, um Deine Sexualität auszuleben und Deine Bedürfnisse zu befriedigen.

  2. Durch die Behandlung erlebst Du Beeinträchtigungen bei Deinem Lustempfinden und Deinem Sexualleben: oftmals kann es passieren, dass Behandlungen wie Chemotherapie oder Antihormontherapie sich so auf Deinen Hormonhaushalt auswirken (3), dass Du gar keine Lust empfindest.

    Gib Dir Zeit, damit umzugehen, sprich mit Deiner Partnerin oder Deinem Partner darüber und versucht zusammen eine Möglichkeit zu finden, ein erfülltes Sexualleben zu haben. Manche dieser Behandlungen wirken sich auch nur für den Zeitraum der Behandlung aus und Dein Lustempfinden kommt danach zurück.

  3. Die psychische Belastung ist so groß, dass Du nicht erregt wirst oder Dich nicht potent fühlst: Der psychische Druck eine gute und erfüllte Sexualität zu leben, kann so groß werden, dass manchmal gar nichts mehr klappt. Auch hier solltest Du Dir Zeit nehmen und Dir überlegen, was gut für Dich ist und ob Du gerade sexuell aktiv sein möchtest.

    Wenn Du darunter leidest, ist es durchaus sinnvoll auch mit einer Psychoonkologin oder einem Arzt zu sprechen und zu erfragen, ob es Möglichkeiten gibt, Deiner Lust auf die Sprünge zu helfen.

Wie wirkt sich Krebs auf die Sexualität allgemein aus?

Wie sich Deine Krebserkrankung auf Deine Sexualität auswirkt, hängt sehr von Deinen Symptomen und Deinen Erfahrungen während der Therapie ab.

  • Es kann sein, dass Du sehr oft müde bist, Schmerzen hast, dass Dein Körper sich verändert durch Gewichtszunahme oder -abnahme. Vor allem die Chemotherapie, Bestrahlung und Hormontherapie können solche Wirkungen auf Deinen Körper hervorrufen.

  • Durch die Therapie kann Dein gesamtes Körpersystem aus dem Gleichgewicht gebracht werden und somit auch Dein Lustempfinden. Es ist also ein durchaus normaler Prozess, wenn Du weniger Lust verspürst oder ein geringeres Interesse an sexueller Intimität während Deiner Behandlung hast.

  • Durch die Veränderung Deines Körpers kann Dein Selbstvertrauen beeinträchtigt sein. Diese Veränderung wird auch Deine Partnerin oder Dein Partner sehen und spüren. Das Thema Sexualität und Intimität wird dann häufig aus Angst vermieden, um nicht über unangenehme Dinge oder Unlust zu sprechen.

  • Es kann bedrückend sein, wenn man seinen Partner nicht mehr so begehrt oder körperlich mit ihm verbunden sein kann, wie das vor der Erkrankung oder Behandlung der Fall war. Es können Ängste entstehen, die Partnerin oder den Partner zu enttäuschen oder den Anforderungen an die intime Beziehung nicht gerecht zu werden. Das kann dazu führen, dass Du gar keine körperliche Nähe mehr zulässt.

Sexualität rückt sehr wahrscheinlich erst mal in den Hintergrund durch die Diagnose. Daher ist es wichtig mit Deiner Partnerin oder Deinem Partner über Dein Empfinden zu sprechen.

Nur wenn Du Dich mitteilst, kann sie oder er verstehen, dass Du gerade keine Lust empfindest und dass Deine Libido durch die Behandlung abgeschwächt ist. Deine Partnerin oder Dein Partner hat so die Möglichkeit mehr Verständnis aufzubringen.

Wie kann ich meiner Sexualität auf die Sprünge helfen?

Sich seiner Partnerin oder seinem Partner mit diesem Thema anzuvertrauen braucht vor allem Vertrauen und Verständnis. In einer Partnerschaft sind beide von der Erkrankung betroffen, auch wenn bei Dir der Tumor festgestellt wurde, muss sich Deine Partnerin oder Dein Partner ebenso an die neue Situation gewöhnen. Sich gegenseitig die Zeit zum Verarbeiten einzuräumen, ist sehr wichtig. Im Gespräch zu bleiben, wie Du mit den Veränderungen umgehst und wie Ihr zusammen Eure Sexualität leben wollt, gehört genauso zu dieser Anpassung.

Hilfreich kann in dem Moment auch sein, mit anderen Betroffenen zu sprechen, z.B. im Rahmen von Selbsthilfegruppen für Männer mit Krebserkrankungen. Manchmal hilft auch ein offenes Gespräch mit Deinem Behandlungsteam. Dort kannst Du besprechen, welche Symptome Dich beeinträchtigen, ob Du auf Sex verzichten solltest, um Heilungsprozesse abzuwarten oder ob Du wieder sexuell aktiv sein kannst.
Du kannst auch besprechen, welche Möglichkeiten es gibt, die Sexualität wieder in Schwung zu bringen. Z.B. kann bei einer Impotenz medikamentös unterstützt werden.

Es gibt viele Möglichkeiten infolge einer Krebserkrankung wieder sexuell aktiv zu sein. Solltest Du durch eine Tumorbehandlung Schwierigkeiten bezüglich Deiner Potenz erleben, ist es gut das Gespräch mit Fachleuten, wie Ärzten und Psychologen zu suchen. Nur wenn Du es zum Thema machst, kannst Du Dich aktiv damit auseinandersetzen und eine gute Lösung für ein aktives Sexualleben finden.

Zusammengefasst:

Sowohl die Krebserkrankung selbst als auch die Therapien können sich auf verschiedene Weise negativ auf Dein Sexleben auswirken. Meist hilft es sehr, wenn Du mit Deiner Partnerin oder Deinem Partner offen über die Veränderungen sprechen kannst und Dich an Gleichgesinnte oder Fachleute wendest, wenn Dich das Thema belastet.

Quellenangaben
  1. Elmberger, E., Bolund, C., & Lützén, K. (2002). Men with cancer: changes in attempts to master the self-image as a man and as a parent. Cancer Nursing, 25(6), 477-485.
  2. Fergus, K. D., Gray, R. E., & Fitch, M. I. (2002). Sexual dysfunction and the preservation of manhood: Experiences of men with prostate cancer. Journal of Health Psychology, 7(3), 303-316.
  3. Harrington, J. M., Jones, E. G., & Badger, T. (2009, March). Body image perceptions in men with prostate cancer. In Oncology nursing forum (Vol. 36, No. 2).
  4. Bildnachweis: © Thomas Reimer – stock.adobe.com
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