Neue Behandlung beim metastasierten Prostatakarzinom?

Autor: Jennifer Sahlmann, M.Sc. • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
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Eine Studie über einen möglichen neuen Behandlungsansatz.

Die am häufigsten auftretende bösartige Tumorform beim Mann ist das Prostatakarzinom. Die Prostata ist eine exokrine Drüse unterhalb der Harnblase, welche die männliche Harnröhre umschließt. Eine exokrine Drüse gibt ihr Sekret nicht in den Blutkreislauf ab, sowie es die endokrinen Drüsen tun, sondern an äußere oder innere Oberflächen.

Allein in Deutschland macht Prostatakrebs mehr als 20% der Neuerkrankungen aus und es kommen jährlich geschätzte 50.000 Betroffene hinzu. Abhängig von Stadium der Erkrankung, dem Alter des Betroffenen und dem körperlichen Allgemeinzustand stehen unterschiedlichen Behandlungsformen zur Verfügung. Eine aktuelle Studie weist erste Forschungsergebnisse für ein eventuell neues Therapiekonzept auf.

Was ist eigentlich die Aufgabe der Prostata?

Sie ist an der Spermabildung, der Ejakulation und dem Hormonstoffwechsel beteiligt und ihre Hauptaufgabe ist die Sekretbildung. Die Bildung des Sekrets beginnt erst mit der männlichen Geschlechtsreife, wenn die Prostata unter dem Einfluss der männlichen Sexualhormone (Androgene) zu einem funktionstüchtigen Organ heranwächst.

„Das wichtigste Sexualhormon des Mannes ist das Testosteron, das überwiegend in den Hoden produziert wird und durch die Prostata in seine biologisch aktivste Form, das Dihydrotestosteron (DHT), umgewandelt wird.“1 Das DHT ist für den Aufbau und die Aufrechterhaltung der Funktion von Talgdrüsen zuständig, für die Entwicklung und Funktion der Prostata, die Ausprägung der Körperbehaarung und die Vermännlichung.2

In der vorliegenden Studie hat man versucht herauszufinden, ob Betroffene mit einem metastasierten und hormonsensitiven Prostatakarzinom (kurz mHSPC) auf die Behandlung mit dem Medikament Enzalutamid ansprechen, da in älteren Studien bereits gezeigt werden konnte, dass die Gabe von Enzalutamid einen Vorteil in der Behandlung von kastrationsresistentem Prostatakarzinom bietet.

„Die Bezeichnung hormonsensitiv wird insbesondere in der Onkologie verwendet, um das Ansprechen von Tumorzellen auf eine Hormontherapie zu beschreiben“ und bedeutet, dass sie empfänglich für Hormone sind beziehungsweise auf die Gabe von Hormonen reagieren.3 Worin liegt nun aber genau der Unterschied zu dem kastrationsresistentem Prostatakarzinom?

„Ein kastrationsresistentes Prostatakarzinom, kurz CRPC, ist ein Prostatakarzinom, das auch dann fortschreitet, wenn der Testosteron-Spiegel medikamentös auf ein sehr geringes Niveau gesenkt worden ist. Liegen gleichzeitig Metastasen vor, spricht man von einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom, kurz mCRPC.“4

Wie oben beschrieben konnte in vorherigen Studien bereits aufgezeigt werden, dass das Antiandrogen Enzalutamid beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom einen Vorteil in der Behandlung bietet. „Antiandrogene sind eine Gruppe chemisch heterogener Wirkstoffe, deren Gemeinsamkeit eine hemmende Wirkung auf männliche Sexualhormone ist.“ 5 In einer Phase-3-Studie konnte das Medikament das Überleben der teilnehmenden Patienten verlängern.

Eine Phase-3-Studie beschreibt die klinischen Studien bei welchen ein Arzneimittel an einer größeren Gruppe Betroffener (Größenordnung: ca. 100 – 3000 Teilnehmer) erprobt und somit untersucht wird, um herauszufinden, ob sich Wirksamkeit und Unbedenklichkeit auch bei vielen unterschiedlichen Personen feststellen lässt. Bevor es zu einer Phase-3-Studie kommt, durchläuft ein Medikament noch zwei andere Phase.6 Nachdem ein Medikament erst im Labor nur an Tieren getestet wurde, wird es in einer Phase-1-Studie erstmals an sehr wenigen (ca. 20 – 80) gesunden freiwilligen Personen getestet. Hier liegt das Augenmerk auf der Verträglichkeit und der Sicherheit des Medikaments.7 In einer Phase-2-Studie werden Medikamente dann zum ersten Mal an (ca. 100 – 800) freiwilligen Patienten getestet, die an der Zielerkrankung leiden und es wird wieder nach Wirksamkeit und nach Verträglichkeit, also eventuell auftretenden Nebenwirkungen, geschaut.8

Für die hier besagte Studie haben die Studienleiter rund 1.100 Männer mit mHSPC rekrutiert, die entweder mit dem Enzalutamid oder mit einem Standard-Antiandrogen behandelt wurden. Es wurde in erster Linie getestet, ob sich durch die Gabe von Enzalutamid das Gesamtüberleben verbessert und darüber hinaus wurde getestet, ob die Erkrankung weniger schnell voranschreitet.

Herausgefunden haben die Wissenschaftler, dass sich das Gesamtüberleben der Betroffenen, die mit dem Antiandrogen Enzalutamid behandelt wurden, im Vergleich zu der Kontrollgruppe, die mit den Standard-Antiandrogenen behandelt wurden, verlängert werden konnte. Auch die zweite Annahme, dass Enzalutamid einen positiven Behandlungseffekt auf das Fortschreiten der Erkrankung hat, konnte bestätigt werden.

Einer der Autoren der Studie hat festgehalten, dass „die zusätzliche Gabe von Enzalutamid zur Testosteronunterdrückung bei Männern mit mHSPC“ „eine viel bessere Krebskontrolle und ein viel längeres Überleben ermöglichen“ kann. 9

Weiterhin berichten die Autoren, dass diese neue Möglichkeit der Behandlung vor allem für die Betroffenen interessant ist, die eine Chemotherapie nicht vertragen und eine geringe Krankheitslast haben. Von daher kann man festhalten, dass Enzalutamid ein Medikament ist, das bei der Behandlung von Prostatakrebs zukünftig eine wichtigere Rolle spielen wird, als es aktuell der Fall ist.

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Quellenangaben
  1. Randazzo, M., Grobholz, R. Prostata: Anatomie und Physiologie.Urol. Prax.21,92–97 (2019).
  2. Bidlingmaier M. (2019) Dihydrotestosteron. In: Gressner A.M., Arndt T. (eds) Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg.
  3. Lorch A., Albers P. (2015) Prostatakarzinom. In: Lehnert H. et al. (eds) DGIM Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg.
  4. Miller, K., Albers, P., Eichenauer, R.et al.Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom.Urologe53,710–714 (2014).
  5. Krebsinformationsdienst. (2017). Prostatakrebs. Behandlung bei Prostatakrebs: Hormonentzug. Abgerufen am 30.03.2021. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/behandlung-antihormontherapie.php
  6. zum Winkel K., Krüger C. (1984) Durchführung und Grenzen von Phase-III-Studien. In: zum Winkel K., Doerr W., Herrmann R., Kern BR., Laufs A. (eds) Randomisation und Aufklärung bei klinischen Studien in der Onkologie. Recht und Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg.
  7. Holländer N., Schumacher M. (2008) Planung und Auswertung von Phase I und II Studien. In: Methodik klinischer Studien. Statistik und ihre Anwendungen. Springer, Berlin, Heidelberg.
  8. Deutsche Krebsgesellschaft. (2018). Enzalutamid. Abgerufen am 30.03.2021. Verfügbar unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/wirkstoff-glossar/enzalutamid.html
  9. Boegemann, M. Enzalutamid – neue Option beim metastasierten kastrationssensiblen Prostatakarzinom?.Urologe59,78–79 (2020).
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