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Wie komme ich mit der Isolation klar?

Wie komme ich mit der Isolation klar?

Die Corona-Krise zwingt viele Krebspatienten in die Isolation. Ängste und Depressionen können entstehen. Dagegen kann man etwas tun.

Was Du erfährst

Wenn soziale Kontakte und der Austausch mit anderen Menschen fehlen, drohen Grübeleien und negative Gedanken. Wichtig sind jetzt neue Strukturen und Alternativen.

Warum das wichtig für Dich ist

Eine neue Tagesstruktur kann Dir dabei helfen, die Zeit in der Isolation besser zu überstehen. Schaffe Dir jeden Tag kleine Highlights und befolge die Hygieneregeln, wenn du Deine Wohnung verlassen musst. Sorge umsichtig für Dein Wohlergehen und stärke Dein Immunsystem.

Was Du jetzt tun kannst

  • Bist Du aktuell in Behandlung, frage Deinen Arzt, wie es weitergeht
  • Frage Deinen Arzt nach einer Lungenentzündungsprophylaxe
  • Bei Ängsten, rufe vertraute Personen oder Dein Behandlungsteam an
  • Sorge für eine konsequente Tagesstruktur
  • Gehe regelmäßig raus, um frische Luft und Sonnenlicht zu tanken
  • Ernähre Dich gesund und ausgewogen, damit kein Nährstoffmangel entsteht
  • Meide Menschenansammlungen, auch beim Einkaufen

Corona und Immunsuppression

Eine Covid-19-Infektion kann schwerwiegend verlaufen, wenn Dein Immunsystem krankheits- oder therapiebedingt unterdrückt ist. Dann musst Du besondere Vorkehrungen treffen und die empfohlenen Verhaltens- und Hygieneregeln aufmerksam beachten. Ärzte empfehlen, nur für notwendigsten Erledigungen nach draußen zu gehen und Menschenansammlungen zu meiden. Wenn Deine Krebserkrankung gut beherrscht oder erfolgreich behandelt wird, dann ist Dein Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nicht zwangsläufig erhöht.

Soll ich die Krebstherapie verschieben?

Wenn Du noch in Therapie bist, stellt sich die Frage, ob sie weitergeführt wird. Der Nutzen einer Therapie überwiegt das Risiko einer möglichen Coronainfektion in den meisten Fällen. Möglicherweise liegt bei Dir aber eine Konstellation vor, so dass Deine Therapie eventuell verschoben werden kann oder muss. Kläre diese Frage bald mit Deinem behandelnden Arzt, damit ein möglicher Therapieerfolg nicht gefährdet wird.

Alles ist anders als zuvor

Viele Dinge haben sich grundlegend geändert. Deine Krebsberatungsstelle, die Du sonst problemlos besuchen konntest, ist nun geschlossen. Der Kontakt zu den Mitarbeitern ist fast nur noch telefonisch möglich. Auch für den Arztbesuch brauchst Du jetzt einen dringenden Grund. Dass jetzt alles anders ist, schafft große Verunsicherung.

Hygieneregeln beim Rausgehen

Mit den richtigen Vorkehrungen kannst Du durchaus das Haus verlassen. Auf folgende Dinge solltest Du dabei achten:

  • Konsequent einen Mund-Nasen-Schutz tragen
  • Regelmäßig die Hände waschen
  • Einmalhandschuhe tragen
  • Mindestens zwei Meter Abstand zu anderen Menschen halten
  • Wenn überhaupt, dann möglichst einkaufen gehen, wenn die Geschäfte weniger voll sind
  • Maximal mit einer weiteren Person und mit ausreichend Abstand spazieren gehen

Unterstützung am Telefon

Gerade in Krisenzeiten braucht man Menschen, die einen unterstützen, zuhören und Fragen geduldig beantworten. Viele Ärzte, Behandlungsteams und Krebsberatungsstellen bieten jetzt Telefonsprechstunden an. Einige Beratungsstellen rufen ihre PatientInnen selbst regelmäßig an. Sie nehmen sich viel Zeit für die Gespräche, ebenso wie Krisendienste und Telefonseelsorge. Nutze diese Möglichkeiten, um über Deine Ängste, Sorgen und Fragen zu sprechen und Dir Rat zu holen.

Priorität Nr. 1: Dein Wohlergehen

Negative Gedanken und Gefühle, wie Angst, Traurigkeit, Unsicherheit und Wut, tun Deiner Gesundheit nicht gut. Eine positive Einstellung ist für Deine Genesung und eine gute Lebensqualität sehr wichtig. Gerade wenn die Umstände eine optimistische Einstellung erschweren, solltest Du besonders gut für Dich sorgen. So kannst Du besser herausfinden, was Dich stärkt und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Dein Wohlergehen sollte zur Priorität Nummer eins werden. Möglichkeiten für ein besseres Wohlergehen könnten sein:

  • Nachbarn, Bekannte, Freunde fragen, ob sie für Dich einkaufen
  • Deinem Tag eine feste Struktur verleihen
  • Frische Luft im Garten, im Wald oder im Park tanken
  • Dir jeden Tag etwas Schönes vornehmen, wie eine unterhaltsame Fernsehsendung, ein gutes Essen, ein interessantes Buch oder eine kreative Aufgabe
  • Deinen Tag von Musik begleiten lassen
  • Regelmäßig mit Deinen Freunden und Angehörigen (Video-)telefonieren
  • Über Deine Ängste und Nöte mit vertrauten Personen sprechen
  • Kontakte zu alten Freunden wiederbeleben
  • Mit Online-Sportkursen Übungen zu Hause machen
  • Dich über gesunde Ernährung informieren und neue Rezepte testen
  • Neue Hobbys ausprobieren, zum Beispiel Sprachen oder ein Musikinstrument lernen
  • Ausmisten und aufräumen, was Dich belastet
  • Liegengebliebene Dokumente fertigstellen und wichtige Dinge für die Zukunft regeln
  • Nachrichten nur so häufig anschauen, wie es Dir guttut
  • Dich auf die positiven Seiten des Lebens konzentrieren
  • Bei Bedarf die Telefonseelsorge oder andere Krisendienste kontaktieren

Sorge für eine neue Tagesstruktur

Gerade weil das Gerüst Deiner alltäglichen Aktivitäten im Moment nicht mehr wie vor der Pandemie besteht, brauchst Du umso mehr Struktur. Denn unser Verhalten, unsere Gefühle und Gedanken hängen eng zusammen. Nur im Jogginganzug auf der Couch herumzuhängen, fühlt sich auf die Dauer deprimierend an. In der Isolation fängst Du automatisch an zu grübeln und bleibst dann vielleicht sogar im Bett. Dieser Teufelskreis kann langfristig zu depressiven Verstimmungen führen. Also steh jeden Tag auf und schaffe Dir feste Strukturen. Es wird Dir guttun.

Wichtig: das Immunsystem stärken

Nicht nur der Krebs, sondern auch Begleiterkrankungen können zu einem schweren Covid-19-Krankheitsverlauf führen. Achte daher besonders auf eine gesunde Lebensführung. Wichtig sind jetzt eine ausgewogene Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen. Mangelzustände solltest Du möglichst rasch nach Rücksprache mit Deinem Arzt beheben. Für die Versorgung mit Vitamin D ist regelmäßiges Sonnenlicht unentbehrlich. Frage Deinen Arzt auch nach einer eventuellen Lungenentzündungsprophylaxe und weiteren Gesundheitstipps.

Das Positive an der Corona-Krise

Die Corona-Krise zeigt, dass wir alle enger zusammenrücken, zumindest mental. Die Menschen helfen einander, sie fühlen und verhalten sich solidarisch. Wir haben alle dasselbe Problem, dieselben Sehnsüchte nach Kontakt, Gesellschaft, Verständnis und Unterstützung. In dieser Krise beweisen die Menschen viel Phantasie und finden ganz neue Lösungen. Wir lernen, kleine Dinge wieder zu schätzen und scheinbar unlösbare Probleme zu meistern. Die Welt wird ruhiger, die Natur erholt sich. Jede Krise kann auch gute Seiten haben.

Quellenangaben

  1. Koh, Coronavirus: Was Krebspatienten beachten sollten, 13.03.2020 in Deutsches Krebsforschungszentrum, abgerufen am 25.04.2020 von https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2020/dkfz-pm-20-14-Coronavirus-Was-Krebspatienten-beachten-sollten.php
  2. Koh, Coronavirus: Was Krebspatienten beachten sollten, 13.03.2020 in Deutsches Krebsforschungszentrum, abgerufen am 25.04.2020 von
  3. https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2020/dkfz-pm-20-14-Coronavirus-Was-Krebspatienten-beachten-sollten.php
  4. Fischer, Christina, Krebskrank in Corona-Zeiten: „Die Isolation ist sehr schwer auszuhalten“, 04.04.2020 in Badische Neueste Nachrichten: Hilfe für Hochrisikopatienten, abgerufen am 25.04.2020 von https://bnn.de/lokales/karlsruhe/krebskrank-in-corona-zeiten-die-isolation-ist-sehr-schwer-auszuhalten
  5. Fischer, Christina, Krebskrank in Corona-Zeiten: „Die Isolation ist sehr schwer auszuhalten“, 04.04.2020 in Badische Neueste Nachrichten: Hilfe für Hochrisikopatienten, abgerufen am 25.04.2020 von
  6. https://bnn.de/lokales/karlsruhe/krebskrank-in-corona-zeiten-die-isolation-ist-sehr-schwer-auszuhalten
  7. Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19), 18.03.2020 in DGHO Informationen für Krebspatienten, abgerufen am 25.04.2020 von https://www.dgho.de/publikationen/stellungnahmen/gute-aerztliche-praxis/coronavirus/covid-19-krebspatienten-20200318.pdf
  8. Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19), 18.03.2020 in DGHO Informationen für Krebspatienten, abgerufen am 25.04.2020 von
  9. https://www.dgho.de/publikationen/stellungnahmen/gute-aerztliche-praxis/coronavirus/covid-19-krebspatienten-20200318.pdf
  10. Bildnachweis: © Halfpoint – stock.adobe.com
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