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Was ist HER2-positiver Brustkrebs?

Was ist HER2-positiver Brustkrebs?

Ob Brustkrebs HER2-positiv oder negativ ist, hat Konsequenzen für die Prognose und Therapie der Krebserkrankung.

Nach dem Lesen des Artikels weißt Du,

- was HER2 bedeutet und weshalb das eine Rolle spielt

- wie bestimmt wird, ob Dein Krebs HER2-Rezeptoren hat

- ab welcher Häufung von HER2-Rezeptoren eine Therapie mit Antikörpern in Frage kommt

Dieser Artikel wurde am 28.01.2021 aktualisiert.

Du weißt es sicher bereits: Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Die Krebszellen weisen häufig bestimmte Merkmale an der Zelloberfläche auf: sogenannte Rezeptoren. Um zu untersuchen, ob und welche Rezeptoren Dein Brustkrebs hat, wird eine sogenannte Biopsie durchgeführt. Sie ist wichtig, um zu entscheiden, wie der Tumor am besten behandelt werden kann.

Werden bestimmte Rezeptoren im Labor nachgewiesen, können Therapien mit Antikörpern eingesetzt werden, die sich gezielt gegen Krebszellen mit diesen Rezeptoren richten. Diese zielgerichteten Therapien haben sich als wirksam bei weniger Nebenwirkungen im Vergleich zu einer klassischen Chemotherapie erwiesen.

Einer dieser Rezeptoren bei Brustkrebs ist HER2.

Was ist HER2?

HER2 ist eine Abkürzung. Sie steht für Humaner Epidermaler Rezeptor. Hierbei handelt es sich um Teilchen aus Eiweiß an der Oberfläche von Zellen. An diese Teilchen, oder auch Rezeptoren genannt, können Stoffe andocken und Informationen in die Zelle weiterleiten. Rezeptoren kannst Du Dir wie ein „Schloss“ vorstellen und die Moleküle, die daran binden, wie einen passenden „Schlüssel“.

Das Besondere an dem HER2-Rezeptor ist, dass er sich mit gleichen oder andersartigen Rezeptoren der HER-Familie verbinden kann. Die so entstehenden Komplexe geben ein Wachstumssignal in das Innere der Zelle ab.

Bei einer Krebszelle können sich weitaus mehr Rezeptoren an der Oberfläche befinden als bei normalen Zellen. Das hat dann zur Folge, dass mehr Wachstumssignale weitergeleitet werden und die Krebszellen sich viel häufiger teilen als normale Zellen. Auf diese Weise entsteht ein Tumor, der sehr schnell und vor allem unkontrolliert wächst.

Man spricht von einem HER2-positiven Brustkrebs, wenn ausreichend HER2 im Labor nachgewiesen werden kann. Etwa 20 von 100 Frauen mit Brustkrebs sind von dieser Brustkrebsart betroffen.

Eigenschaften von HER2-positiven Tumoren

HER2-positive Tumore haben im Vergleich zu Tumoren ohne positiven HER2-Status folgende Eigenschaften. Die Tumore:

- wachsen aggressiver,

- treten häufiger wieder auf (Rezidiv) und

- sprechen nicht so gut auf alle Therapien an.

Die HER2-Rezeptor-positiven Brustkrebsformen sind zwar aggressiver, können aber gezielter behandelt werden. Sie sprechen in aller Regel gut auf zielgerichtete Antikörpertherapien an, die nur diejenigen Zellen angreifen, die den Rezeptor auf ihrer Oberfläche tragen. Dennoch können auch gesunde Zellen durch diese Antikörpertherapie angegriffen werden, was die möglichen Nebenwirkungen dieser Medikamente erklärt.

So wirken die Antikörpertherapien

Nach der Anwendung der Therapie blockieren diese Antikörper gezielt die Rezeptoren auf der Oberfläche der Tumorzellen. Nun können die Rezeptoren keine Wachstumssignale mehr empfangen, d.h. die Tumorzellen verlieren ihre Fähigkeit zur Teilung und Vermehrung.

Die Klassifizierung der HER2-Rezeptoren

Es gibt verschiedene Typen von HER2-positiven Tumoren. Manche sind schwerer zu behandeln als andere. Der genaue Typ des Tumors wird durch die Gewebeprobe bestimmt.

Unter dem Mikroskop wird Deine Gewebeprobe untersucht und geprüft, wie dicht die HER2-Rezeptoren an der Zelloberfläche stehen. Zusätzlich lassen sich die Gene der HER2-Zellen darstellen. Je mehr Rezeptoren bzw. Gene für die Rezeptoren vorhanden sind, desto mehr Wachstumssignale erreichen die Krebszellen und dadurch ist die Geschwindigkeit des Krebswachstums insgesamt höher. Die Klassifizierung der HER2-Rezeptoren in der Pathologie dient der Orientierung zur Auswahl der bestmöglichen Therapie.

Mit Hilfe eines Punkte-Wertes, englisch Score genannt, wird der HER2-Rezeptor-Status ausgedrückt. Dabei bedeutet:

- Der Score-Wert 0, dass keine HER2-Rezeptoren nachweisbar sind und sich der Krebs dadurch nicht für eine Antikörpertherapie gegen den Oberflächenrezeptor eignet.

- Der Score-Wert 1+, dass nur wenige HER2-Rezeptoren nachweisbar sind und sich der Krebs ebenfalls nicht für eine Antikörpertherapie gegen den Oberflächenrezeptor eignet.

- Der Score-Wert 2+, dass die Häufigkeit der HER2-Rezeptoren und die Eignung für eine Antikörpertherapie gegen den Oberflächenrezeptor unklar sind. Hier ist eine ergänzende Laboruntersuchung notwendig.

- Der Score-Wert 3+, dass die HER2-Rezeptoren überdurchschnittlich häufig vorhanden sind und der Krebs gut mit einer Antikörpertherapie gegen den Oberflächenrezeptor behandelt werden kann.

Zusammengefasst

HER-2-positiver Brustkrebs bedeutet, dass die Tumorzellen ganz bestimmtes Eiweiß an der Oberfläche tragen, einen sogenannten Rezeptor. Sie geben Wachstumssignale in die Zellen. Je zahlreicher diese Rezeptoren, desto aggressiver wächst der Krebs.

Die gute Nachricht

HER-2-positiver Brustkrebs lässt sich gezielt mit Antikörpertherapien behandeln. Dadurch verliert der Tumor seine Wachstumsfähigkeit. Andere Therapien wirken häufig weniger gut und haben mehr Nebenwirkungen.

Was Du nun tun kannst

- Besprich mit Deinem Behandlungsteam, welche Therapien in Deinem individuellen Fall in Frage kommen.

- Lass Dir gegebenenfalls die Vor- und Nachteile der Antikörpertherapien erklären.

- Möglicherweise kannst Du an einer klinischen Studie teilnehmen, wenn Deine Krebszellen HER2 positiv sind.

- Fall Du Dich nun fragst, welche Merkmale Deine Brustkrebszellen haben, frag’ Dein Behandlungsteam danach.

Quellenangaben

  1. Dipl.-Journ. Prien, Peggy, Tumorbiologie, Charakterisierung des Brusttumors, Onko-Internetportal, abgerufen am 25.10.2019: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/tumorbiologie.html
  2. Dipl.-Journ. Prien, Peggy, Tumorbiologie, Charakterisierung des Brusttumors, Onko-Internetportal, abgerufen am 25.10.2019:
  3. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/tumorbiologie.html
  4. Wie läft die Therapie bei Brustkrebs ab?, Deutsche Krebshilfe, abgerufen am 25.10.2019: https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/haeufige-krebsarten/brustkrebs/wie-laeuft-die-therapie-bei-brustkrebs-ab/
  5. Wie läft die Therapie bei Brustkrebs ab?, Deutsche Krebshilfe, abgerufen am 25.10.2019:
  6. https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/haeufige-krebsarten/brustkrebs/wie-laeuft-die-therapie-bei-brustkrebs-ab/
  7. Bildnachweis: © Andrii – stock.adobe.com

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