Alle Kategorien
Therapie per Handy: Corona zwingt zum Umdenken

Therapie per Handy: Corona zwingt zum Umdenken

Gesundheits-Apps gewinnen in Zeiten von Pandemien, Quarantäne und Ausgangssperren an Bedeutung. Corona (Covid-19) zwingt umzudenken.

Was Du erfährst

Dir steht seit Diagnosestellung eine psychosoziale Begleitung zu. Online-Apps ermöglichen dazu eine zeitnahe Kommunikation mit dem Versorgungsteam. Du kannst Dir damit offene Fragen beantworten. Außerdem helfen sie Dir beim Selbstmanagement.

Warum das wichtig für Dich ist

Die Corona-Krise kann eine Versorgung im eigenen Zuhause nötig machen. Mit Hilfe von speziellen Apps kannst Du gefahrlos mit Deinem Arzt in Kontakt treten.

Was Du jetzt tun kannst

● Informiere Dich bei Deinem Arzt, ob es die Möglichkeit der App-Kommunikation gibt

● Informiere Dich über Apps zu Deinen aktuellen Leiden, wie

○ chronischer Müdigkeit

○ Depressionen

○ soziale und emotionale Funktionsfähigkeit

○ gesunde Ernährung

○ körperliche Aktivität bei Krebs

● Achte darauf, dass die Inhalte von Experten stammen und Dich nicht in die Irre führen

An Krebs zu erkranken, bedeutet nicht, sich nur mit den Symptomen der Krankheit und noch Aus- und Nebenwirkungen der Therapie auseinander setzen zu müssen. Vielmehr kann sich eine Krebserkrankung auch auf das bisherige Sozial- und Arbeitsleben, die Lebensqualität und Freizeitaktivitäten, die gesellschaftliche und familiäre Stellung, auf die Zukunftsperspektiven und generell sämtliche Rahmenbedingungen, die Dein bisherige Leben ausgemacht haben, auswirken. Es ist nur natürlich, dass dabei auch Deine Psyche leiden kann und zusätzliche Hilfsangebote (außer der Krebstherapie) notwendig werden können.

Wenn Du Dich nicht nur als Patient fühlst, sondern Dich ganzheitlich gut betreut fühlst, kann das den Verlauf Deiner Krankheit positiv beeinflussen. Es ist wichtig, dass Du Dich nicht alleine gelassen fühlst und Dich mit Deinen Nöten und Fragen an Vertrauenspersonen wenden kannst. Nichts, was Dich in dieser Zeit bewegt, musst Du mit Dir alleine ausmachen. Du sollst wissen, dass alle Gefühle und Gedanken ihre Berechtigung haben und Du Dich dafür nicht schämen musst. Vielleicht werden sie sogar greifbarer und lassen sich besser verarbeiten, wenn Du sie mit jemanden besprechen kannst.

Online-Angebote für Krebspatienten

Unser nationale Krebsplan sieht eine psychosoziale Begleitung, schon von der Diagnose an, in der Behandlung von Patienten vor [1]. Weil man sich der Sensibilität der Themen bewusst ist, bietet unsere moderne Zeit eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Patienten rund um die Uhr zu begleiten und zu versorgen, ohne dass sie sich gegenüber Fremden öffnen oder sich bloßgestellt fühlen müssen. Das Internet und Gesundheits-Apps auf Laptops oder Smartphones bieten Dir den Persönlichkeitsschutz, den Du vielleicht brauchst und sind dabei bewährte Plattformen für Interaktionen (z.B. zur Kommunikation mit den behandelnden Ärzten, Terminvereinbarungen für Screeningmaßnahmen) und Informationen (z.B. zu Präventions-, Gesundheitsförderungs-, Therapie- und Rückfallprophylaxe-Themen), zu jeder Zeit und an jedem Ort [2]. Sie bieten schnellen Zugang, sind rund um die Uhr verfügbar und vor allem Anonymität, ohne dass sie viel kosten. Einige der verfügbaren Apps sollen Dir helfen, Dir die Fähigkeit zum Selbstmanagement und aktiver Beteiligung an Deinem Gesundungsprozess anzueignen. Du kannst Dir das Fachwissen für den Umgang mit Deiner Krankheit anlesen und Deine Erfahrungen mit Medikamenten teilen, was anderen Patienten wiederum zugutekommen könnte [6].

Auch für Deine pflegenden bzw. unterstützenden Angehörige gibt es Apps, mit deren Hilfe sie sich fortbilden und Dich so besser unterstützen können.

Diejenigen, die viele Informationen brauchen, um sich sicherer zu fühlen, denen eine soziale Unterstützung fehlt, die eine nicht so gute Beziehung zu ihrem Arzt haben, um mit ihm Privates zu besprechen oder aber sich wünschen, mehr in den Behandlungsprozess eingebunden zu werden, können die vielen Möglichkeiten des Internets zusätzlich nutzen.

Einige der angebotenen Apps können Dich zu mehr Bewegung und gesunder Ernährung motivieren, die Deine Gesundheit fördern sollen [3; 4; 5] Andere bieten Informationen über Deine Diagnose, Prognose, Behandlungsoptionen oder Nebenwirkungen Deiner Therapie.

Was ist zu beachten beim Gebrauch von Gesundheits-Apps?

Was bei den Apps manchmal fehlt, ist eine unabhängige Qualitätsprüfung der Inhalte und darüber, ob sie wirklich Vorteile und korrekte Informationen für die Patienten bieten. Du selbst kannst wahrscheinlich nur in den seltensten Fällen überprüfen, ob die Inhalte den gängigen Standards im Umgang mit Deiner Krebserkrankung entsprechen. Leider sind Internetangebote auch naturgemäß nicht für alle Patienten nutzbar, da manche keine Internetanbindung haben, ihnen die Kenntnis zur Nutzung fehlt oder sie schon zu alt sind, um sich mit der Nutzung des Internets vertraut zu machen. Anderen könnte das persönliche Gegenüber fehlen, um den Sinn einer solchen Möglichkeit anzuerkennen. Portale, die Gruppenangebote anbieten, könnten fehlerhafte Informationen verbreiten und damit Patienten verunsichern. Auch nicht immer gewährleisteter Datenschutz und die fehlende Anpassung der Angebote an die persönlichen Bedürfnisse sind Themen der Kritiker von Apps.

Wie ist die Qualität der Internetangebote zu gewährleisten?

Eigentlich sollten die Apps Patienteninformationen enthalten, die auf realen Erfahrungswerten beruhen, von Fachärzten und/oder betroffenen Patienten empfohlen und vor allem, wissenschaftlich belegt sind. Sie müssen zudem lesbar und verständlich sein. Eine staatliche Regulierung könnte hier möglicherwiese hilfreich sein. [7]. Da gibt es sicher noch einigen Verbesserungsbedarf.

Die Zukunft der Apps

Die meisten Apps sind zielgruppenspezifisch für bestimmte (oder kombinierte) Diagnosegruppen konzipiert. Darunter ist z.B. Brustkrebs sehr häufig vertreten. Das sollte sich ändern. Geplant ist, dass die Apps in Zukunft mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten werden. Eine Möglichkeit dazu ist das Computer Tailoring, das nur die Themen zulässt, die auch wirklich benötigt werden und dann die gelieferten Informationen und Angebote individuell auf die Bedürfnisse der Patienten zuschneidet. Dazu werden die Programme nach Literaturstudien und Patienteninterviews konzipiert und deren Effektivität durch klinische Vergleichsstudien abgesichert. Die Einbeziehung von Patienten in die Konzeption der Internetangebote, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Inhalte dem Bedarf der Patienten tatsächlich entsprechen und weniger Patienten interaktive Programme abbrechen. Die Erweiterung um verschiedene Zusatz-Tools (z.B. Schrittzähler, Tagebücher) könnte die Motivation der Nutzer erhöhen. Ein Beispiel ist eine App zur Bewegungssteigerung von Prostata- und Darmkrebspatienten. Sie wurde aufgrund der Erfahrung erstellt, dass Krebspatienten ihre physischen, psychologischen and psychosozialen Probleme und Ihre verminderte Lebensqualität durch gezielte körperliche Aktivitäten kompensieren können [8].

Verschiedene Studien konnten zeigen, dass online Selbstmanagement-Trainings einen positiven Einfluss auf chronische Müdigkeit (Fatigue), Depression, soziale und emotionale Funktionsfähigkeit, gesunde Ernährung und körperliche Aktivität haben können [9].

E-Health-Angebote können Dir also Interventionen, Informationen und Trainings bieten, aber auch zur Übermittlung klinisch relevanter Daten von Arzt zu PatientInnen und umgekehrt genutzt werden. Informiere Dich gut, frage nach oder nutze den Erfahrungsaustausch, um für Dich das passende Angebot bestmöglicher Qualität zu finden.

Mika ist eine App, die nur von Experten verfasste und geprüfte Inhalte in ihren Artikeln veröffentlicht. Die Inhalte und Anwendungen werden in Abstimmung mit onkologischen Zentren und Experten in Deutschland erstellt und die Datensicherheit ist durch die ausschließliche Verwendung von deutschen Servern und Einhaltung eines strengen Datenschutzes gewährleistet. Wir versuchen Dich in allen Bereichen Deiner Erkrankung zu unterstützen und hoffen einen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer guten Lebensqualität leisten zu können.

Quellenangaben

  1. Bundesgesundheitsministerium, 22.01.2019, Nationaler Krebsplan, abgerufen am 30.07.2019 von https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/nationaler-krebsplan/der-nationale-krebsplan-stellt-sich-vor.html
  2. Sc. Psychologie Lange, L. et. al. in Der Onkologe May 2018, Volume 24, Issue 5, pp 406–410, 22.02.2018, E-Health-Angebote in der Onkologie, abgerufen am 02.08.2019 von https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00761-018-0348-5
  3. Glynn, Liam G. et. al. in British Journal of General Practice 2014; 64 (624): e384-e391, Effectiveness of a smartphone application to promote physical activity in primary care: the SMART MOVE randomised controlled trial, abgerufen am 02.08.2019 von https://bjgp.org/content/64/624/e384
  4. Lozano-Lozano, Mario et. al. International Work-Conference on Artificial Neural Networks IWANN 2017: Advances in Computational Intelligence pp 63-70, 18.05.2017, Designing BENECA m-Health APP, A Mobile Health Application to Monitor Diet and Physical Activity in Cancer Survivors, abgerufen am 02.08.2019 von https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-319-59147-6_6
  5. Harder, Helena et. al. in Journal of Cancer Survivorship December 2017, Volume 11, Issue 6, pp 732–742, 24.07.2017, A user-centred approach to developing bWell, a mobile app for arm and shoulder exercises after breast cancer treatment, abgerufen am 02.08.2019 von https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11764-017-0630-3
  6. Frost, Jeana et. al. in JMIR Publications, Published on 21.01.11 in Vol 13, No 1 (2011): Jan-Mar, Patient-reported Outcomes as a Source of Evidence in Off-Label Prescribing: Analysis of Data From PatientsLikeMe, abgerufen am 02.08.2019 von https://www.jmir.org/2011/1/e6/
  7. Sajid, M.S. et. al. in Wiley online library, 20.07.2007, Internet information on colorectal cancer: commercialization and lack of quality control, abgerufen am 02.08.2019 von https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1463-1318.2007.01316.x
  8. Goldsteijn, R.H.J. et. al. in BMC Cancervolume 17, Article number: 446 (2017), 26.06.2016, Development of a computer-tailored physical activity intervention for prostate and colorectal cancer patients and survivors: OncoActive, abgerufen am 02.08.2019 von https://bmccancer.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12885-017-3397-z
  9. Willems, Roy A. et. al. in BMC Cancer 15, Article number: 580 (2015), 11.08.2015, The Kanker Nazorg Wijzer (Cancer Aftercare Guide) protocol: the systematic development of a web-based computer tailored intervention providing psychosocial and lifestyle support for cancer survivors, abgerufen am 02.08.2019 von https://bmccancer.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12885-015-1588-z
  10. Bildnachweis: © Andrey Popov – stock.adobe.com

Schweres leichter machen

Gezieltes Training gegen Fatigue mit Video-Anleitung

Mach mit in deiner Mika-App!

Datensicherheit

Wir arbeiten nach höchsten Datenschutz‑Richtlinien

Medizinprodukt

Mika ist ein Medizinprodukt nach deutschem Medizinproduktgesetz

Entwickelt mit Ärzten

Inhalte werden von Onkologen und Psycho-Onkologen geprüft