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Sport als Begleiter
  während der Therapie

Sport als Begleiter während der Therapie

Bei optimaler Dosierung hat Sport eine positive Wirkung auf die Nebenwirkungen und Prognose einer Therapie. Doch was ist optimal?

Sport hat eine vielseitige positive Wirkung auf den Körper – nicht nur im gesunden Zustand, sondern auch bei einer Krebserkrankung. Nachweislich steigert körperliche Aktivität die Lebensqualität während einer Therapie und erhöht deren Heilungschance.
Ärzte und Mediziner aus dem Bereich präventive und rehabilitative Sportmedizin appellieren daher für ein regelmäßiges Training.
Daraus abgeleitet erklären wir Dir hier die Wirkung von Sport und geben Dir einige Tipps für Dein eigenes Training.

Sport, um Nebenwirkungen einer Therapie zu lindern und die Prognose zu verbessern

Die Onkologie hat das Ziel, die Gesundheit von Krebspatienten zu verbessern und seine Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten bzw. zu steigern.
Zu Beginn der Erkrankung, nach einer Operation, Chemo-, Immun- oder Strahlentherapie kann es jedoch sein, dass es zu einer Verschlechterung des Wohlbefindens kommt. Die Nebenwirkungen beeinträchtigen den Körper, was die Leistungsfähigkeit reduziert und die Müdigkeit steigert.
Sport wirkt dem entgegen. Darüber hinaus erhöht körperliche Aktivität das Selbstbewusstsein und hilft Dir, den eigenen Körper weiter zu akzeptieren.

Somit hast Du selbst die Gelegenheit Deinen eigenen Teil zum Verlauf Deiner Therapie beizutragen. Nutze sie und werde, beziehungsweise bleibe, aktiv. Verlasse Dich nicht allein auf die medizinischen Möglichkeiten.
Zudem kannst Du durch Sport die Prognose Deiner Therapie steigern. Gerade bei Brust- und Darmkrebs haben Studien gezeigt, dass die Therapie eine bessere Wirkung entfaltet, wenn begleitend Sport getrieben wird. Die Rückfallquote verringert sich dadurch um bis zu 50 Prozent. Am ausgeprägtesten ist der Effekt, wenn zuvor nur wenig Sport getrieben wurde.

Welche Art von Sport ist geeignet?

In den meisten Studien wurden Ausdauersportarten wie Walken, Joggen, Radfahren und Schwimmen untersucht. Diese zeigen größtenteils positive Auswirkungen. Ergänzend werden jedoch auch andere körperliche Aktivitäten, wie ein Krafttraining oder Yoga, empfohlen. Vor allem die Kombination von einem Ausdauer- und Kräftigungstraining scheint optimal zu sein.

Wenn möglich, dann besuche eine spezielle Sportgruppe. Dort erweiterst Du Dein Wissen über Sport bei Krebs. Zudem zeigen Untersuchungen, dass ein angeleitetes Training in vielen Fällen effektiver ist, als wenn Übungen zuhause durchgeführt werden.

Was ist die richtige Belastung?

Grundsätzlich gibt es ein zu viel und ein zu wenig an Belastung. Die Dosierung findet in erster Linie über die Intensität und Dauer statt. Beide Parameter müssen stets an das aktuelle Empfinden und Deine Leistungsfähigkeit angepasst werden. Ist die Belastung zu gering oder zu kurz, bleibt eine positive Anpassung des Organismus aus.
Ist die Belastung hingegen zu hoch oder zu lange, können Überlastungsbeschwerden und andauernde Erschöpfungszustände auftreten. Beide können als Warnsignale gedeutet werden.

In einem solche Fall ist es wichtig, dass Du Dein Training anpasst oder kurzfristig unterbrichst. Das Immunsystem könnte sonst geschwächt werden, was unbedingt zu vermeiden ist. Wenn Du Dir bezüglich der Belastungsdosierung unsicher bist, dann hole am besten einen Rat von einem Arzt oder Physiotherapeuten ein.

Intensität

Die optimale Belastungsintensität zu treffen ist gar nicht schwierig. Wenn Du ein Herzfrequenzmessgerät zur Verfügung hast, kannst Du beispielsweise dieses verwenden. Während der körperlichen Aktivität sollte Deine durchschnittliche Herzfrequenz 60-70 Prozent Deiner maximalen Herzfrequenz betragen. Grob lässt sich diese über folgende Formel berechnen:

Maximale Herzfrequenz = 220 – Lebensalter

Bei gutem Körpergefühl kannst Du die Intensität aber auch nach Deinem Empfinden steuern. Du solltest in jedem Falle zum Schwitzen kommen, Dich dabei aber noch gut mit einem Partner unterhalten können. In anderen Worten: die Belastung sollte für Dich als etwas anstrengend wahrgenommen werden.

Dauer

Leider reicht es nicht aus, allein den Fahrstuhl durch Treppengehen zu ersetzten. Solange Du Dich wohlfühlst gibt es bezüglich der Dauer keine Obergrenze. Für das Walken oder Schwimmen solltest Du täglich jedoch mindestens eine dreiviertel Stunde einplanen. Da Joggen intensiver ist, reichen hierbei in etwa 20-30 Minuten. Das Radfahren, was auch auf einem Ergometer möglich ist, sollte ungefähr 30 Minuten betragen. So erreichst Du bei den jeweiligen Aktivitäten einen ähnlichen Energieumsatz.

Ein kürzlich veröffentlichte Übersichtsarbeit zeigte aber auch positive Trainingseffekte bei schon drei Trainingseinheiten pro Woche. Dafür muss jede Trainingseinheit aber mindestens eine Stunde umfassen.

Wann kann mit Sport begonnen werden?

Mit körperlicher Aktivität kannst Du jederzeit beginnen. Am besten, Du beginnst schon unmittelbar nach der Diagnosestellung, noch vor dem Beginn einer Therapie. Dadurch verbesserst Du schon früh Deine allgemeine Fitness und Lebensqualität, was Dir im weiteren Verlauf hilft. Zudem reduzieren sich dadurch die Aufenthaltstage im Krankenhaus sowie die postoperativen Komplikationen.

Wenn Du Sporteinsteiger bist oder Dich im Moment etwas geschwächt fühlst, wird es Dir zunächst schwerfallen, die empfohlene Intensität und Dauer zu erreichen. Lasse Dich davon aber nicht abhalten. Beginne langsam und kurz und steigere Dich kontinuierlich.

Beispielsweise kannst Du als erstes versuchen, die Dauer Deiner Sporteinheit pro Woche um eine Minute zu steigern. So wirst Du nach etwa zwei bis drei Monaten die empfohlenen Mindestzeiten erreichen. Anschließend kannst Du das Tempo während Deiner Aktivität steigern. Achte dabei aber immer auf Dein aktuelles Empfinden und die Empfehlungen Deines Arztes in Bezug auf körperliche Aktivität.

Bei guter Belastungsdosierung kommt es durch Sport vor, während oder nach einer Therapie in der Regel zu keinen Komplikationen. Dies geht immer wieder aus Studien hervor.

Packe es also an – Du kannst nur profitieren!

Quellenangaben

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