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Risikofaktoren und Vorbeugungsmaßnahmen bei Lungenkrebs

Risikofaktoren und Vorbeugungsmaßnahmen bei Lungenkrebs

Welche Faktoren begünstigen Lungenkrebs? Und was kann schützen?

Auch wenn Deine Diagnose bereits gestellt ist, so wollen wir Dir hier trotzdem noch ein paar Informationen zu den Risikofaktoren für Deine Krebsart geben. Denn theoretisch besteht ja auch die Möglichkeit, dass die Krankheit wieder aufflammen kann und außerdem kannst Du Deinen Freunden, Kindern und der Familie ein wertvoller Ratgeber sein, wenn es um das Thema Lungenkrebs geht.

Lungenkrebs ist immer noch eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland. Dies bedeutet aber auch, dass auf diesem Feld viel Forschung betrieben wird, um besser zu verstehen, welche Faktoren diese Tumore begünstigen und was man als präventive Maßnahmen ergreifen kann, um nicht an Lungenkrebs zu erkranken. Dabei muss aber auch gleich zu Beginn gesagt werden, dass es keinen vollkommen zuverlässigen Schutz gibt.
Selbst wenn man sich an alle Schutzmaßnahmen hält und die Risikofaktoren minimiert kann es leider trotzdem zur Bildung von Tumoren kommen, denn Mediziner gehen heutzutage davon aus, dass dem Entstehen von Krebszellen immer eine Veränderung in der Erbinformation der Zelle vorausgeht. Dies geschieht oft einfach nur durch Zufall und braucht keinen externen Auslöser. Risikofaktoren begünstigen diese Vorkommnisse allerdings. Minimiert man diese kann die Wahrscheinlichkeit zu erkranken also gesenkt werden.

Im Folgenden wollen wir Dir diese in Bezug auf den Lungenkrebs näher darstellen.

Risikofaktoren:

Rauchen (aktiv und passiv):

Es ist relativ bekannt, dass Rauchen nicht gut für die Gesundheit ist und vor allem das Entstehen von Lungenkrebs beeinflussen kann. Bei rund 85% der männlichen und rund 65% der weiblichen Lungenkrebspatienten handelt es sich um aktive Raucher. Aber man weiß auch, dass das sogenannte Passivrauchen (also die Anwesenheit im selben Raum mit Rauchern) ein Risikofaktor für das Entstehen vom Lungenkrebs darstellt.

Das Risiko zu erkranken steigt abhängig von diesen Faktoren:

  • Je früher man mit dem Rauchen beginnt
  • Je länger man raucht
  • Je mehr man raucht (Zigaretten, Zigarren, Pfeifentabak)
  • Je mehr man passiv mitraucht

Unter den vorgenannten Faktoren gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Dauer des Rauchens den größten Einfluss auf das Entstehen von Lungenkrebs hat, gefolgt von der Menge, die man raucht. Hieraus hat sich in der Medizin eine Berechnungsgröße für das Lungenkrebsrisiko etabliert. Man spricht hier von den „pack years“ oder auch „Packungsjahren“ – kurz PY genannt.
Die Mediziner definieren 1 PY als: 1 Jahr lang x 1 Packung Zigaretten pro Tag.

Wie kann man als Raucher das Erkrankungsrisiko verringern?

Viele Raucher denken, dass es ausreicht, auf „light“-Zigaretten oder Menthol-Zigaretten umzusteigen oder einfach weniger zu rauchen. Dabei vergessen sie aber, dass „light“-Zigaretten zwar weniger Teer und Nikotin haben, Dein Risiko zu Erkranken aber dabei genauso hoch ist, wie bei den „normalen“ Zigaretten und nicht nur die Anzahl der gerauchten Zigaretten entscheidend ist, sondern auch, wie stark Du inhalierst, ob Du eher paffst und wie oft Du an einer Zigarette ziehst. Den Konsum zu reduzieren – also weniger zu rauchen – ist sicher ein guter Anfang. Aber um auf Dauer wirklich das Risiko zu minimieren hilft nur ein kompletter Verzicht auf das Rauchen!

Denn sobald Du ganz mit dem Rauchen aufhörst, kannst Du logischerweise das Risiko zu Erkranken nicht mehr erhöhen und mit jedem Monat bzw. Jahr, das Du rauchfrei verbringst, sinkt Dein persönliches Risiko kontinuierlich weiter.

Umweltfaktoren:

Im Zusammenhang mit Lungenkrebs ist das Edelgas Radon ein möglicher Risikofaktor. Hierbei handelt es sich um ein radioaktives Gas, dass in einigen Teilen Deutschlands vermehrt aus dem Boden dringen kann. Gebiete mit einer möglichen erhöhten Radonkonzentration sind der Bayerische Wald, das Erzgebirge, der Harz und der südliche Schwarzwald.
Das Gas verflüchtigt sich selbständig aus dem Boden und kann sich in schlecht isolierten Wohnhäusern in der Atemluft anreichern. Hierbei sind vor allem Keller oder Souterrainwohnungen betroffen.
Wenn es eingeatmet wird zerfällt es im Körper und gibt sogenannte α-Strahlung (alpha-Strahlung) frei, die in der Lunge die Bildung von Tumoren begünstigen kann. Man geht davon aus, dass ca. 5% der Lungenkrebsfälle in Deutschland ihren Ursprung in einer Radonbelastung haben. Hier verhält es sich ähnlich wie beim Rauchen: je höher der Radongehalt in der Atemluft und je länger man diesem ausgesetzt ist, desto höher ist auch das Risiko.
Maßnahmen zur Minimierung des Radongehalts in der Atemluft sind bautechnische Veränderungen (bessere Dämmung der entsprechenden Gebäude-/ bzw. Gebäudeteile) und häufiges intensives Lüften der Räume.

Weitere Umweltfaktoren, denen Du möglicherweise ausgesetzt bist und die in Zusammenhang mit Lungenkrebs gebracht werden sind Feinstaub und Dieselabgase. Luftverschmutzung und insbesondere Feinstaub ist erwiesenermaßen einer der wichtigsten Risikofaktoren im Zusammenhang mit Lungenkrebs. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um kleinste Schmutz- und Staubpartikel in unserer Luft, die wir einatmen. Sie entstehen zum Beispiel im Straßenverkehr dadurch, dass sowohl in den Abgasen der Kraftfahrzeuge Feinstaubpartikel enthalten sind als auch durch den Abrieb der Autoreifen auf dem Asphalt. Außerdem entstehen sie bei Verbrennungsprozessen in der Industrie, die dann in die Umwelt abgegeben werden.
Gelangen sie in die Lunge, so können sie dort Entzündungen hervorrufen oder begünstigen die dann wiederum die Entstehung von Tumoren begünstigen.

Arbeitsumgebung:

Möglicherweise arbeitest Du auch ein einem Umfeld, dass die Entstehung von Lungenkarzinomen begünstigt. Einige Arbeitsumgebungen sind leider immer noch durch den Kontakt mit krebserregenden Schadstoffen belastet.
So ist zwar der Stoff Asbest seit 1993 in Deutschland verboten. Aber es gibt immer noch alte Produkte, Häuser o.ä., die diesen Stoff enthalten.
Aber auch Stoffe wie Kadmium, Nickel, Chromate, Arsen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (kurz PAK genannt) werden als begünstigend für das Entstehen von Lungenkrebs angesehen. Sie entstehen u.a. in Fabriken, die Chrom-Nickel-Stahl herstellen, bei denen Nickel zum Schweiße benutzt wird, im Maschinenbau und bei der Kohlegasproduktion.

Ionisierende Strahlung, denen Arbeitnehmer im Flugbetrieb (Piloten, Stewards) oder im Bergbau ausgesetzt sind kann die Entstehung begünstigen.

In Deutschland herrschen zwar sehr strenge Arbeitsschutzbedingungen und es gibt häufige und regelmäßige Kontrollen, aber man kann in den risikoreichen Arbeitsumfeldern leider ein erhöhtes Risiko nicht zu 100% ausschließen.

Der Betriebsarzt, die Krankenkasse, die zuständige Berufsgenossenschaft und die jeweilige Unfallkasse sind Ansprechpartner, wenn Du Fragen, Anregungen oder Bedenken hast.

Nicht belegte Risikofaktoren:

Viren:
Möglicherweise hörst Du im Zusammenhang mit Lungenkrebs auch von Viren, die zum Ausbruch der Erkrankung führen können.
Tatsächlich ist es aber so, dass Forschern noch nicht endgültig klar ist, ob bestimmte Viren das Risiko für Lungenkrebs erhöhen oder ob es gar keinen Zusammenhang zwischen Viren und Lungentumoren gibt.

Es konnte lediglich gezeigt werden, dass Menschen, die unter einer HIV-Infektion leiden häufiger an Lungenkrebs erkranken und dass bei einigen Lungenkrebspatienten das Humane Papillomavirus (HPV) nachgewiesen werden konnte.
Wissenschaftlich gesicherte Zusammenhänge konnten aber bislang hierzu nicht hergestellt werden.

Gene:
In Schweden wurde eine Studie durchgeführt, die das familiäre Krebsrisiko untersuchten. Hierin gibt es Hinweise, dass die Veranlagung zu Lungenkrebs vererbt werden kann. Man konnte zwar zeigen, dass Kinder von Lungenkrebspatienten anscheinend häufiger selbst Lungentumore entwickeln, aber die genauen Zusammenhänge sind bisher weiter unklar. Außerdem ist auch nicht eindeutig, ob die Ergebnisse auf deutsche Patienten übertragbar sind, da die o.g. Risikofaktoren auch ein Stück weit von der Lebensumgebung (Feinstaubbelastung, Umweltfaktoren usw.) bedingt sind.

Kann ich mich selbst schützen?

Es steht wissenschaftlich gesichert fest, dass eine gesunde Ernährung einen schützenden Effekt vor Krebs haben kann. Allerdings ist noch nicht abschließend erforscht, welche Pflanzenstoffe und Inhaltsstoffe von Lebensmitteln welchen Effekt haben und wie groß der Schutz ist, der von bestimmten Stoffen ausgeht.

Was allerdings bereits umfassend belegt ist, dass es nicht ausreicht, Vitamine und Spurenelemente über Nahrungsergänzungsmittel wie Tabletten, Kapseln oder Shakes zu sich zu nehmen. Es war vielmehr so, dass bei der Einnahme von Beta-Karotin, B6 und B12 sogar das Erkrankungsrisiko gestiegen ist. Daher solltest Du auf eine gesunde und ausgewogenen Ernährung achten und nicht einfach zu Vitaminpräparaten greifen. In der Kategorie „Ernährung und Rezepte“ haben wir viele leckere Gerichte für Dich bereitgestellt, die Du gerne nachkochen oder -backen kannst. Außerdem findest Du hier auch Artikel zum Thema Ernährungsberatung und wichtige Informationen rund um das Thema Lebensmittel.

Eine weiter Möglichkeit Deinen Körper zu schützen und widerstandsfähiger zu machen ist es, sich regelmäßig und ausreichend zu bewegen. Forscher konnten in vielen verschiedenen Studien belegen, dass je häufiger und intensiver man Sport treibt oder sich bewegt, desto geringer ist das individuelle Krebsrisiko.

Die Empfehlungen sind immer sehr auf die Person auszurichten. Für jeden Menschen gibt es individuelle Bewegungs- und Sportangebote. Aber als Faustformel kann gesagt werden, dass jeder mindestens 75 Minuten intensives Training oder 150 Minuten leichtes Training pro Woche absolvieren sollte. Genaueres findest Du in der Kategorie „Bewegung“ hier im Magazin. Dort kannst Du Dich über verschiedenen Arten von Sport, die für Krebspatienten geeignet sind, informieren.

Gerade für Raucher ist Sport ein wichtiger Faktor bei der Gesunderhaltung, denn das Risiko für Raucher an Lungenkrebs zu erkranken ist höher, wenn Du Dich nicht regelmäßig bewegst.

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