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Psychoonkologie – Notwendig oder nur noch ein Arzt mehr?

Psychoonkologie – Notwendig oder nur noch ein Arzt mehr?

Was ist eigentlich Psychoonkologie und brauch ich das wirklich?

Es gibt eine Vielzahl Erkrankter, die die seelische Belastung durch ihre Erkrankung und die damit einhergehende Therapie selbst unterschätzen und ihre Belastung als nicht stark genug für eine psychoonkologische Behandlung ansehen. Der Wunsch nach ein bisschen Normalität in dieser schwierigen Situation ist äußerst legitim, jedoch muss man negative Gefühle und Ängste glücklicherweise nicht aushalten.

Psychoonkologie ist eine wissenschaftliche Fachrichtung, die die seelischen Auswirkungen einer Krebserkrankung auf Betroffene erforscht und Möglichkeiten der Unterstützung entwickelt. Mit Hilfe der Psychoonkologie soll die seelische Belastung durch die Erkrankung und die damit einhergehende Therapie gelindert werden. Die Betroffenen und die Psychoonkologen suchen gemeinsam nach Wegen, mit der neuen und manchmal durchaus schwierigen Situation bestmöglich umzugehen.1

Diese Fachrichtung verfolgt mehrere Ziele. Sie soll Patienten und Angehörige darin unterstützen, die seelischen und körperlichen Belastungen durch die Erkrankung zu verarbeiten. Sie soll dabei helfen, dass seelische Wohlbefinden der Betroffenen so wie Begleit- und Folgeprobleme, die durch die Diagnose und die Therapie entstehen zu verbessern. Des Weiteren soll sie eigene Bewältigungsmöglichkeiten stärken und eine Teilhabe am normalen Leben ermöglichen. Aber in erster Linie geht es bei der Psychoonkologie darum, die Lebensqualität zu erhalten und zu erhöhen.2

In einer klinischen Studie aus Österreich ging es darum herauszufinden, ob es einen Wunsch nach psychoonkologischer Behandlung während der ambulanten Strahlentherapie bei den Betroffenen gibt.3 Hintergrund für die Fragestellung war, dass eine Krebserkrankung und die dafür notwendige Behandlung für die Betroffenen sowohl mit körperlichen als auch mit seelischen Beeinträchtigungen einhergehen kann.
Eine psychoonkologische Behandlung z.B. während einer ambulanten Strahlentherapie kann helfen, seelische Belastungen zu verarbeiten. Ziel der Studie war es herauszufinden, wie viele Betroffene einen Wunsch nach psychoonkologischer Behandlung haben, welcher Weg der Behandlung am sinnvollsten wäre und welche Ursachen es für den Wunsch nach Behandlung gibt.

Aus zwei anderen Studien4, 5 ist hervorgegangen, dass eine beträchtliche Anzahl von Betroffenen berichtet habt, dass sie durch die Erkrankung, deren Behandlung und den Folgen der Behandlung an einer psychischen Belastung leiden. Manche Patienten nur kurzzeitig, andere wiederum über einen langen Zeitraum. Ein hohes Maß an psychischer Belastung kann einen negativen Einfluss auf die Einhaltung der Behandlung zur Folge haben.6, 7

Es gibt Studienergebnisse, die darlegen, dass eine psychoonkologische Begleitung einen nachweislich positiven Einfluss auf die psychische Belastung durch die Behandlung und somit auf die Lebensqualität hat.8, 9, 10

Trotz solcher Ergebnisse, erhalten nach wie vor nicht genügend Betroffene die entsprechende Hilfe. Das kann unter anderem auch daran liegen, dass die Patienten ihre psychische Belastung selber nicht als schwer genug wahrnehmen und somit fehleinschätzen. Um einen gewissen Grad an Normalität in dieser schwierigen Lebenssituation beizubehalten, wird professionelle Hilfe meist abgelehnt.

Eine Forschergruppe aus Österreich hat im Rahmen ihrer Studie im Zeitraum Januar 2015 und Januar 2017 insgesamt 1.700 Patienten die Möglichkeit gegeben, an der klinischen Studie teilzunehmen. Neben der routinemäßigen Behandlung haben die Mitarbeiter eine kurze Checkliste bzw. einen kurzen Fragebogen an die Patienten ausgehändigt, der ausgefüllt in den nächsten drei Behandlungstagen wieder von dem leitenden Psychologen eingesammelt wurde.

Die Teilnahme an dieser Befragung war freiwillig und es gab für die, die nicht teilnehmen wollten keine negativen Konsequenzen. Patienten, die einen hohen Wert im Fragebogen erzielt haben oder den Wunsch nach psychoonkologischer Behandlung angegeben haben wurden kurz nach der Befragung kontaktiert und es wurde besprochen, wie man am besten weiter verfahren kann, um die entsprechende Hilfe zu gewährleisten.

Die Patienten wurden dann entweder direkt vor Ort behandelt oder an andere Behandler verwiesen. Die Überweisung ging unter anderem an eine externe kostenfreie psychoonkologische Beratung, ambulante Psychiater, spezialisierte Psychotherapeuten oder spezialisierte Sozialarbeiter. Darüber hinaus gab es auch Angebote an Familienangehörige, die durch die Erkrankung des Betroffenen psychisch belastetet, waren.

Das Ergebnis der Studie war, dass 20% der Befragten überdurchschnittlich hoch belastet waren und 13% der Befragten sich eine psychoonkologische Behandlung wünschen würden. Man hat herausgefunden, dass vor allem die Befragten, die ein geringes emotionales Wohlbefinden und fehlende soziale Unterstützung hatten, einen großen Wunsch nach einer Behandlung zeigten.

Da eine fehlende soziale Unterstützung einer der stärksten Gründe für den Wunsch nach einer Behandlung zu sein scheint, wäre es wohl sinnvoll Belastungsscreenings (Fragebogen, der erfasst wie hoch die psychische Belastung ist) als routinemäßige Untersuchung mit aufzunehmen. Eine frühe Erkennung und Überweisung psychisch belasteter Erkrankter wäre eine deutliche Erleichterung für die Betroffenen und deren Angehörige, da eine schnelle Hilfe aktiv die Lebensqualität positiv beeinflussen kann.

Quellenangaben

  1. https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krankheitsverarbeitung/psychoonkologie.php#inhalt3 Zugriff am 19.07.2019
  2. https://krebshilfe.de/infomaterial/Patientenleitlinien/Psychoonkologie_Patientenleitlinie_DeutscheKrebshilfe.pdf Seite 15; Zugriff am 19.07.2019
  3. Riedl D, Gastl R, Gamper E, Arnold C R, Dejaco D, Schoellmann F, Rumpold G. Cancer patients` wish for psychological support during outpatient radiation therapy. Innsbruck: Springer; 2018
  4. Aaronson NK, Mattioli V, Minton O, Weis J, Johansen C, Dalton SO, Verdonck-de Leeuw IM, Stein KD, Alfano CM, Mehnert A, de Boer A, van de Poll-Franse LV. Beyond treatment – psychosocial and behavioural issues in cancer survivorship research and practice. EJC Suppl 12(1):54-64; 2014
  5. Korner P, Ehrmann K, Hartmannsgruber J, Metz M. Steigerwald S, Flentje M, van Oorschot B. Patient-reported symptoms during radiotherapy: clinically relevant symptom burden in patients treated with palliative and curative intent. Strahlenther Onkol 193(7):570-577; 2017. https://doi.org/10.1007/s0006-017-1146-5 Zugriff am 19.07.2019
  6. Yee MK, Sereika SM, Bender CM, Brufsky AM, Connoly MC, Rosenzweig MQ. Symptom incidence, distress, cancer-related distress, and adherence to chemotherapy among African Amercian women with breast cancer. Cancer 123(11):2061-2069; 2017. https://doi.org/10.1002/cncr.30575 Zugriff am 19.07.2019
  7. Kennard BD, Stewart SM, Olvera R, Bawdon RE, O’Hailin A, Lewis CP, Winnick NJ. Nonadherence in adolescent oncology patients: preliminary data on psychological risk factors and relationships to outcome. J Clin Psychol Med Settings 11(1):30-39; 2004. https://doi.org/10.1023/B:JOCS.0000016267.21912.74 Zugriff am 19.07.2019
  8. Faller H, Schuler M, Richard M, Heckl U, Weis J, Kuffner R. Effects of psycho-oncologic interventions on emotional distress and quality of life in adult patients with cancer: systematic review and meta-analysis. J Clin Oncol 31(6):782-793; 2013. https://doi.org/10.1200/jco.2011.40.8922 Zugriff am 19.07.2019
  9. Hart SL, Hoyt MA, Diefenbach M, Anderson DR, Kilbourn KM, Craft LL, Steel JL, Cuijpers P, Mohr DC, Berendsen M, Spring B, Stanton AL. Meta-analysis of efficacy of interventions for elevated depressive symptoms in adult diagnosed with cancer. J Natl Cancer Inst 104(13):990-1004; 2012. https://doi.org/10.1093/jcni/djs256 Zugriff am 19.07.2019
  10. Mitchell AJ. Screening for cancer-related distress: when is implementation successful and when is it unsuccessful? Acta Oncol 52(2):216-224; 2013. https://doi.org/10.3109/0284186x.2012.745949 Zugriff am 19.07.2019

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