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Operation der Brust  und Wiederaufbau

Operation der Brust und Wiederaufbau

Manchmal lässt sich die Entfernung von Brustgewebe nicht vermeiden. Wie ein Wiederaufbau möglich ist, erfährst Du hier.

Der erste Schritt in der Brustkrebsbehandlung ist oftmals eine Operation.
Dabei können zwei verschiedene Methoden zum Einsatz kommen: Die brusterhaltende Operation (BET) bei der lediglich das befallene Brustgewebe entnommen wird und die so genannte Mastektomie, bei der die gesamte Brust entfernt wird.
Welche Operation der Arzt durchführt hängt zum einen von der Größe und Lage des Tumors sowie der Ausbreitung der Erkrankung ab. Zum anderen spielen aber auch ganz persönliche Faktoren eine Rolle, beipielsweise Dein Alter, ein eventuell bestehender Kinderwunsch und Deine eigenen Vorstellungen und Wünsche.

Die komplette Entfernung der Brust

Meist wird heute versucht brusterhaltend zu operieren, manchmal lässt sich die vollständige oder teilweise Entfernung der Brust jedoch nicht vermeiden. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn:

  • Der Tumor im Verhältnis zur Brust sehr groß ist
  • Mehrere Knoten in einer Brust vorliegen
  • Eine anschließende Chemo- oder Strahlentherapie aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist oder nicht gewünscht wird
  • Die Erkrankung nach brusterhaltender Operation und Bestrahlung wieder auftritt

Wenn die Erkrankung bei Männern auftritt erfolgt immer eine komplette Entfernung der Brust.
Dies erhöht die Sicherheit, den Tumor ganz zu entfernen und ein Wiederaufbau ist bei Männern nicht nötig.

Die prophylaktische Mastektomie – die vorbeugende Entfernung der Brust

Die bekannte Schauspielerin Angelina Jolie hat es vorgemacht: bei erblichem Brustkrebs kann es sinnvoll sein, das Brustgewebe vorsorglich zu entfernen.
Eine Veränderung in bestimmten Genen führt zu einem um 50 bis 80 Prozent erhöhten Risiko im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken.
Betroffen ist davon allerdings nur ein kleiner Teil der Patientinnen – bei lediglich 5 Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs liegt dieser Gendefekt vor.

Wenn der Gen-Defekt allerdings erkannt wird, bevor der Brustkrebs auftritt, können sich diese Frauen vorsorglich beide Brüste entfernen lassen, wenn sie dies wünschen.
Bei einem Verdacht auf eine familiäre Veranlagung kann ein Gentest Klarheit schaffen.

Dazu ist es empfehlenswert die Familiengeschichte einmal genauer zu betrachten.
Sind mehrere Familienmitglieder an Brustkrebs erkrankt?
Trat die Erkrankung oftmals in jüngeren Jahren auf?
Wenn ja, kann eine genetische Beratung ratsam sein. Dein Frauenarzt kann Dir dazu sicherlich einen Ansprechpartner nennen.

Die brusterhaltende Operation (BET)

Bei der brusterhaltenden Operation wird lediglich das Tumorgewebe mit einem gewissen Sicherheitsabstand aus der Brust entfernt.
Je nachdem wie groß der Knoten ist und wo er genau liegt, wählt der Arzt die Schnittführung und Operationstechnik ganz individuell und versucht das umliegende Gewebe weitestgehend zu erhalten.

Bei diesem Eingriff werden zusätzlich auch die benachbarten Lymphknoten entnommen. Diese werden anschließend im Labor untersucht.
Da sich der Tumor über die Lymphbahnen in andere Körperregionen ausbreiten könnte, lässt sich anhand einer Untersuchung der Lymphknoten erkennen, ob dies eingetreten ist.
Dann wird Deine weitere Therapie auf diese neuen Erkenntnisse angepasst werden.

Sollte der Knoten in der Brust sehr groß sein, gibt es die Möglichkeit, ihn zuerst mit einer Chemotherapie zu behandeln.
Im Bestfall kann er dadurch verkleinert werden, was den folgenden Eingriff unter Umständen einfacher und schonender gestaltet.

Wichtig ist es, dass der Tumor bei der Operation möglichst vollständig entnommen und mit genügend Abstand zum gesunden Gewebe entfernt wird.
Um dies zu erleichtern wird der Knoten oftmals mit einem Draht markiert. So kann der Arzt während des Eingriffs mit einer Röntgenaufnahme überprüfen, ob er das gesamte Gewebe entfernt hat.

Manchmal erfolgt auch ein sogenannter „Schnell-Schnitt“: Dabei werden die entnommenen Zellen noch während der Operation unter dem Mikroskop betrachtet.
Ist noch Tumorgewebe in dieser Probe zu erkennen, muss noch mehr entfernt werden, um die Heilungschancen zu erhöhen.

Die brusterhaltende Operation ist wesentlich schonender, die Wunde kleiner. So kannst Du Dich schneller wieder von dem Eingriff erholen.
Allerdings besteht das Risiko, dass Krebszellen im verbliebenen Brustgewebe zurückbleiben. Um dies auszuschließen wir das entnommene Gewebe im Labor genauestens untersucht.
Diese Untersuchung kann einige Tage dauern, zeigt dann aber den genauen Typ des Tumors und den Erfolg des Eingriffs.
Im Anschluss an eine Operation folgt in der Regel eine Strahlen- oder Chemotherapie.

Der Wiederaufbau der Brust

Ob und wie die Brust nach einer Operation wiederaufgebaut werden soll, ist eine ganz individuelle Entscheidung.
Neben äußeren Faktoren, wie der Größe der Brust oder dem Zustand des verbleibenden Gewebes spielen dabei auch persönliche Vorlieben eine wesentliche Rolle.
Solltest Du Dich für eine Wiederherstellung entscheiden, hast Du vielfältige Möglichkeiten. Die Vor- und Nachteile sollten immer in einem ausführlichen Gespräch mit Deinem behandelnden Arzt besprochen werden.

Oftmals kann der Wiederaufbau schon während des ersten Eingriffs erfolgen, beispielsweise mit Silikon-Implantaten. Dies hängt jedoch von der Art Deiner anschließenden Behandlung ab.
Soll nach der Tumorentfernung eine Strahlen- oder Chemotherapie gemacht werden, ist der direkte Aufbau manchmal nicht vorteilhaft. Gerade für die erste Zeit nach dem Eingriff sind dann Prothesen-Einlagen eine gute Alternative. Diese sind aus Silikon und fühlen sich ähnlich an, wie die „normale“ Brust. Die Prothese wird in den BH eingelegt. Damit sie bei körperlicher Aktivität oder beim Sport nicht verrutschen, gibt es Prothesen mit haftender Funktion.
So lässt sich die Zeit zwischen der Brustentfernung und der Wiederherstellung meist gut überbrücken.

Der Aufbau mit Implantaten

Viele Frauen entscheiden sich für einen Aufbau mit Implantaten.
Dabei werden kleine Kissen, die mit Silikon oder Kochsalzlösung gefüllt sind, eingesetzt. Für diese Art der Wiederherstellung muss jedoch noch genügend Haut vorhanden sein.
Ist das bei Dir nicht der Fall, muss die verbliebene Haut zunächst gedehnt werden. Dazu wird ein so genannter Expander unter die Haut eingesetzt. Dieser ist zu Beginn der Behandlung noch ganz flach und wird dann nach und nach mit Kochsalzlösung gefüllt. Hierzu befindet sich am Expander ein Ventil, dass unter der Haut gut ertastbar ist, Dich bei Deinen täglichen Aktivitäten aber nicht stören sollte.
Über eine Spritze wird dann in regelmäßigen Abständen immer wieder ein wenig Kochsalzlösung eingefüllt. So kann sich die Haut langsam dehnen und die Größe der Brust an die Verbliebene angepasst werden.

Danach ist ein zweiter Eingriff nötig, bei dem der Expander gegen das endgültige Implantat ausgetauscht wird.
Auch wenn Silikonimplantate heute der natürlichen Form der Brust nachempfunden sind, können sie in der Form und Größe von der natürlichen Brust abweichen. Wurde lediglich eine Brust entfernt, kann es nötig sein, die andere Brust in einer Operation anzupassen.

Der Aufbau mit Eigengewebe

Neben der Möglichkeit Implantate zu nutzen, kann die Brust auch mit körpereigenem Gewebe aufgebaut werden.
Auch hierfür gibt es verschiedene Ansätze. So kann Fettgewebe aus dem Bauch, dem Oberschenkel oder dem Po entnommen werden, um daraus eine Brust zu formen. Teilweise wird auch Muskelgewebe zum Beispiel vom Rücken genutzt.
Genauere Informationen dazu erhältst Du in einem Gespräch mit Deinem Arzt.

Die Übernahme der Kosten für den Brustaufbau

Deine Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine oder zwei Prothesen und die dazu notwendige Unterwäsche wie zum Beispiel einen speziellen BH.
Auch den Brustaufbau bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen, bei privaten Krankenversicherungen hängt dies von der Versicherung ab und sollte individuell geklärt werden.

Quellenangaben

  1. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/leben-mit-brustkrebs/brustrekonstruktion.html (20.08.2018)
  2. https://www.gesundheit.de/krankheiten/krebs/krebs-bei-der-frau/brustkrebs-implantate (20.08.2018)
  3. Kindermann, G. (1983). Brustrekonstruktion nach Mastektomie: Nicht nur ein operationstechnisches Problem. Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 43(S 1), 33-35.
  4. Kreienberg, R., Jonat, W., Volm, T., Möbus, V., & Alt, D. (2006). Management des Mammakarzinoms (Vol. 3). Heidelberg Berlin: Springer.

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