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Mit Achtsamkeit zur
  seelischen Ausgeglichenheit

Mit Achtsamkeit zur seelischen Ausgeglichenheit

Diagnose und Therapie können das psychische Gleichgewicht durcheinanderbringen. Wie Achtsamkeitsübungen jetzt helfen können.

Die Diagnose Krebs ist auch für Deine Psyche nicht einfach: Plötzlich sieht Du Dich konfrontiert mit einer schwerwiegenden Erkrankung, machst eine kräftezehrende Therapie und beschäftigst Dich vielleicht sogar mit der Endlichkeit des Lebens. Fragen über Fragen tun sich auf und Du weißt nicht wirklich wie es weitergeht. Diese Situation kann sowohl für Patienten wie auch für Angehörige sehr belastend sein. Nicht selten gerät dadurch Dein psychisches Gleichgewicht ins Wanken, psychische Erkrankungen können die Folge sein. Mit Achtsamkeitsübungen und dem Erkennen der eigenen Bedürfnisse kannst Du frühzeitig gegensteuern und die Psyche wieder ins Lot bringen.

Achtsamkeit – was ist das überhaupt?

Achtsamkeit, der Begriff ist derzeit in aller Munde. Dabei handelt es sich um eine psychologische Methode, auch bekannt unter der Bezeichnung „Mindfulness-Based Stress Reduction“ (MBSR), also Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Hier gilt es bewusst mit dem eigenen Körper, seinen Gedanken und Gefühlen umzugehen und so ein tieferes Verständnis für sich selbst und seine Umwelt zu entwickeln.

Der Ursprung der Achtsamkeit liegt in der buddhistischen Lehre und Meditationspraxis. Basierend darauf hat der amerikanische Prof. Kabat-Zinn in den 1970er Jahren die heute angewandte Therapiemethode entwickelt.

Klingt alles etwas esoterisch und abgehoben?

Im Gegenteil: Die Wirkung von Achtsamkeitsübungen wurde in den vergangenen Jahren wissenschaftlich gut erforscht und wird auch von der Schulmedizin anerkannt. Kein Wunder also, dass sich die Therapie immer größerer Beliebtheit erfreut und das Angebot, die Methode zu erlernen stetig wächst. Selbst militärische Einheiten wie die Spezialkräfte des britischen Geheimdienstes SAS nutzen diese Technik, um bei stressauslösenden Einsätzen die Ruhe zu bewahren.

Gerade nach einer Krebsdiagnose oder während der Therapie kann die Achtsamkeit unterstützen. Sie kann Dir helfen besser mit der derzeitigen Situation umzugehen und das psychische Gleichgewicht wiederzufinden.

Wichtig zu wissen: Achtsamkeit sollte unter erfahrener Anleitung eines Psychologen oder Psycho-Onkologen erlernt werden, da es sich um eine durchaus komplexe Methode handelt und oftmals starke Gefühle hervorgerufen werden.

Wahrnehmen und Erkennen der eigenen Bedürfnisse

Ein wichtiger Punkt in der Achtsamkeitslehre ist das Erkennen und Wahrnehmen der derzeitigen Situation und der eigenen Bedürfnisse. Du solltest Dich ganz dem zuwenden, was Du gerade machst und dem öffnen, was um Dich herum passiert, ohne die Geschehnisse und Gedanken zu bewerten. Versuche möglichst klare Wünsche und Ziele für Deine momentane Lage zu formulieren und das herauszuarbeiten, was für Dich wichtig ist. Dies bedeutet auch sich intensiv mit seinen eigenen Gefühlen und Gedanken sowie auch Sorgen und Ängsten auseinanderzusetzen. Kennst Du Deine innersten Wünsche und Gefühle, dann kannst Du Dir auch klare Ziele setzen.

Durch Achtsamkeitsübungen kannst Du lernen Deine Bedürfnisse zu erkennen, sie auszusprechen und anderen mitzuteilen. Wenn Du Deine eigenen Bedürfnisse kennst, kannst Du auch Deinen Alltag demnach gestalten und das tun, was Du wirklich möchtest. Weiß Dein Umfeld – also Familie und Freunde, was Dich bewegt, können auch diese Menschen besser auf Dich eingehen. Der Weg zum inneren Gleichgewicht ist geebnet.

Gezielt mit sich selbst befassen

In Achtsamkeitsübungen lernst Du, Deine Aufmerksamkeit gezielt auf eine Sache zu lenken und sich ausgiebig damit zu befassen. Durch die Konzentration auf eine einzelne Empfindung, lernst Du Dich besser kennen. Mögliche Fragen der Achtsamkeit sind:

  • Was fühle ich gerade und warum? (z.B. bei Angst: Wovor habe ich Angst? oder bei Hitzewallungen: Ist es vielleicht ein heißer schwüler Sommer oder kommt die Hitze aus mir selbst?)

  • Welche verschiedenen Gefühlsanteile bewegen mich? (z.B. bei Angst: auch Trauer und Wut?, bei Hitzewallungen: tiefes Atmen, Schwitzen, leichte Unruhe?)

  • Warum empfinde ich so?

  • Was ist der Grund dafür?

Es kann auch hilfreich sein, eine Situation aus einem anderem Blickwinkel zu betrachten. Dies öffnet die Gedanken und neue Lösungsmöglichkeiten können sich erschließen.

Hierfür kannst Du Dich zum Beispiel fragen:

  • Was würde mein Partner/Freund in dieser Situation tun? Was würde er denken?

  • Kann ich vielleicht die Situation auch anders verstehen/interpretieren?

  • Würde sich dadurch etwas an der Situation ändern?

Achtsamkeit üben

Vielen ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen fremd – allzu oft versuchen wir unsere innersten Gedanken beiseite zu schieben.

Daher gilt es das Warnhemen und Beschreiben von äußeren und inneren Eindrücken zu üben. Eine Übung wäre beispielsweise das Konzentrieren auf ein Geräusch, wie den eigenen Atem oder das Summen einer Biene. Im nächsten Schritt kannst Du dann versuchen, das Geräusch und Deine Empfindungen beim Hören aufzuschreiben.

Dafür solltest Du Dir unbedingt ausreichend Zeit nehmen. Meist klappt es nicht von heute auf morgen. Achtsamkeit muss trainiert werden und benötigt nicht nur Zeit, sondern auch regelmäßige Übung. Du solltest auch nicht gleich Zuviel wollen, sonst kann Dich das Training schnell überfordern.

Hilfreich ist es dabei, zu notieren, wie schwer einem die Übung gefallen ist (auf einer Skala von 1 – sehr leicht; 10 – sehr schwer).

Bei der summenden Biene sollte dies nicht allzu schwer sein. Vielleicht erinnert Dich das Geräusch an Kindertage in der freien Natur oder eher das Jucken nach einem üblen Stich?

Das Beschreiben eines Gefühls in Zusammenhang mit Deiner Krankheit ist dagegen oftmals nicht ganz so einfach. Hier kann es sinnvoll sein, seine Gedanken und Ergebnisse in einem Tagebuch oder Protokoll festzuhalten, um dies dann mit einem Psychoonkologen oder in einer Selbsthilfegruppe zu besprechen.

Fazit

Achtsamkeit ist eine Therapiemethode zur Stressbewältigung, die Dir auf dem Weg zum inneren Gleichgewicht sehr nützlich sein kann. Kursangebote zum Thema sowie vielzählige Informationen findest Du auf der Homepage des MBSR-Verbandes (http://www.mbsr-verband.de/). Zudem können auch meist auch Psychoonkologen und Selbsthilfegruppen unterstützen.

Auch diese App kann Dir beim Achtsamkeits-Training helfen: Jeden Tag wirst Du über verschiedenen Fragen zu Deinem Befinden befragt. Versuche diese Fragen genau zu reflektieren und höre in Dich hinein. Ganz einfach kannst Du so Tag für Tag Deine Empfindungen dokumenteiern und mit einem Psychoonkologen oder in der Selbsthilfe besprechen.

Oder Du startest mit einer Übung, die Du unter der Kategorie "Mentale Gesundheit" findest!

Quellenangaben

  1. MBSR-Verband – Achtsamkeit im Leben, http://www.mbsr-verband.de/, abgerufen am 13.06.2018
  2. Linda E. Carlson, Richard Doll, Joanne Stephen, Peter Faris, Rie Tamagawa, Elaine Drysdale, and Michael Speca. Randomized Controlled Trial of Mindfulness-Based Cancer Recovery Versus Supportive Expressive Group Therapy for Distressed Survivors of Breast Cancer (MINDSET), Journal of Clinical Oncology 2013 31:25, 3119-3126, DOI: 10.1200/JCO.2012.47.5210
  3. Der gute Psychopath in dir - Entdecke deine verborgenen Stärken!, von Kevin Dutton, Andy McNab, ISBN-13: 9783596032747

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