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Immuntherapie – Hilfe für das Immunsystem

Immuntherapie – Hilfe für das Immunsystem

Es werden immer neue Therapieformen entwickelt, um den Krebs wirksam zu bekämpfen. Hier erfährst Du mehr über die Immuntherapie.

Das Immunsystem

Das Immunsystem schützt den Menschen, in dem es gegen alle Zellen vorgeht, die gefährlich sein können.
Dringen beispielsweise Krankheitserreger wie Grippeviren ein, reagiert der Körper mit Husten, Schnupfen oder Fieber, der sogenannten Immunantwort (oder auch Abwehr). Bei einer Erkrankung wird Dein Immunsystem aktiv und bildet Antikörper, die in Deinem Körper verbleiben.
Eine andere Art der Immunantwort ist das Immungedächtnis. Dein Immunsystem merkt sich, welche Erkrankungen bereits bekämpft wurden und verfügt über entsprechende Antikörper. Das passiert z.B. bei einer Windpocken-Erkrankung. Steckt sich ein Mensch mit Windpocken an, bildet das Immunsystem Antikörper gegen Windpocken. Bei einem erneuten Kontakt bricht keine Erkrankung aus und der Mensch ist geschützt.
Nach dieser Methode funktionieren auch Impfungen.

Die Immuntherapie als neuer Ansatz

Warum dieses körpereigene Abwehrsystem nicht auf Krebszellen reagiert, ist Teil der Forschung zur Immuntherapie.
Die Idee der Immuntherapie ist, das eigene Immunsystem “scharfzustellen“ in der Erkennung von Tumorzellen.
Mit den neuen Methoden der Molekularbiologie konnten bereits wichtige Gene isoliert werden, die auf Krankheiten hinweisen. So haben einzelne Moleküle und Gene eine große Bedeutung für Impfungen oder die zielgerichtete (= targeted therapies) Krebstherapie.

Ebenfalls werden die Prozesse auf Zellebene im menschlichen Körper immer besser verstanden. Forscher können nun genauer erklären, welche Gene mit bestimmten Erkrankungen zusammenhängen oder auch wie die Zellen des eigenen Körpers sich vor fremden Zellen schützen.

Immuntherapien gegen Krebs – Wie es funktioniert?

Ein Durchbruch in der Immuntherapie gegen Krebs wurde von dem Japaner Tasuko Honjo im Jahr 1992 erzielt. Diese Therapie beruht auf Medikamenten, die das Wachstum der bösartigen Krebszellen eindämmen, sogenannten Immun-Checkpoint-Inhibitoren.

Der Mechanismus zur Eindämmung dieses Wachstums basiert auf einem Molekül namens PD-1, welches einen Einfluss auf den programmierten Tod von Zellen hat. Bei einer Immuntherapie werden durch Medikamente spezifische Antikörper gebildet, die die Funktion des Moleküls PD-1 unterbinden. Daraufhin werden die T-Zellen aktiv (die körpereigene Immunabwehr) und diese greifen die Tumore an, die sich dann zurückbilden.

Das Zellwachstum wird eingedämmt und der Körper kann den Tumor abbauen. So kann ein Patient länger überleben, wenn er auf diese Art der Therapie anspricht.

Es gibt bereits Medikamente für Tumore der Haut, Lunge, Niere, Leberkres, Hodgkin-Lymphom, Blasenkrebs und bestimmten Tumoren im Kopf-Hals-Bereich. Und zwei dieser Medikamente (Nivolumab und Pembrolizumab) sind in Deutschland bereits auf dem Markt.

Im Forschungsfeld der Immunologie, also der Wissenschaft, die sich mit dem Immunsystem des Menschen befasst, ist die Entdeckung des Moleküls PD-1 von sehr großer Bedeutung.
So konnte verstanden werden, wie Antikörper gebildet werden. Normalerweise herrscht ein besonderes Gleichgewicht im Körper. Das Molekül PD-1 sitzt als Rezeptor auf der Oberfläche von bestimmten Immunzellen und hemmt die zelluläre Abwehrreaktion.
Es wirkt also als Bremse, und sorgt damit dafür, dass die Abwehrzellen nicht gegen die Zellen des eigenen Körpers vorgehen. Warum mutierte Tumorzellen trotzdem vom Immunsystem verschont bleiben, ist eine der Fragen, die nun mit Hilfe von PD-1 und den sich bindenden Molekülen beantworten werden kann.

Immunvermittelte Nebenwirkungen der Therapie

Doch schon jetzt ist die Wirkung und Verwendung von PD-1 wegweisend. Das bedeutet auch, dass die Behandlung von Krebserkrankungen sich verändern wird und Onkologen sich dabei mit einer neuen Behandlungsform befassen müssen.
Diese neue Therapieform hat enorme Chancen und birgt gleichzeitig neue Risiken. So unterscheiden sich die Nebenwirkungen von denen einer Chemotherapie. Daher müssen auch die behandelnden Ärzte neu lernen, worauf sie beim Patienten achten müssen.

Ein Problem bei der Immuntherapie ist, dass die Reaktionen jeweils vom Patienten abhängen und sehr unterschiedlich sein können.
Jeder Mensch hat ein eigenes, besonderes Immunsystem und somit kann jeder auch auf eine solche Therapie ganz unterschiedlich reagieren, mit mehr oder weniger Nebenwirkungen. Durch die Behandlung mit Checkpoint-Hemmern wie PD-1 kann es passieren, dass der Körper einiger Menschen zwar Krebszellen abbaut, aber als Nebenwirkung eine Autoimmunreaktion auftritt wie z.B. eine Kolitis (Entzündungen des Magen-Darm-Traktes), Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Pneumonitis (Lungenentzündung), Hepatitis (Entzündung der Leber) u.a..
Ein gesundes Immunsystem benutzt das Molekül PD-1 dazu, sich vor überschießenden Reaktionen zu schützen und stellt das Gleichgewicht des Körpers her. Bei Autoimmunerkrankungen ist das Gleichgewicht des eigenen Immunsystems aber gestört, wie z.B. bei Lupus oder Arthritis. Durch den Eingriff in das Immunsystem kann es dazu kommen, dass die eigenen Abwehrzellen sich eben auch gegen den eigenen Körper und damit gesunde Zellen wenden.

Wie und ob dies passiert, kann aktuell nicht vorausgesagt werden. Hier wird jedoch vielseitig geforscht, um über sogenannte Biomarker (also bestimmte Gene oder das Vorhandensein bestimmter Zellen und Moleküle im Körper) herauszufinden, ob ein Patient auf die Therapie anspricht und welche Folgen eine solche Immuntherapie für diese Person haben könnte. So kann der Arzt seinen Patienten vor Komplikationen und Nebenwirkungen besser warnen.

Weitere Nebenwirkungen sind: Infusionsreaktionen (allergische Reaktionen), Juckreiz, Durchfall, Müdigkeit/Schwäche.

Die Zukunft der Immuntherapie

Die Forschung für die Immuntherapie geht stetig weiter und wir dürfen interessiert bleiben, welche neuen Entwicklungen und Entdeckungen es in den nächsten Jahren im Bereich der Immuntherapie gegen Krebs geben wird.
Bisher lernen die Wissenschaftler noch, wie sich die neuen Medikamente genau auf den Menschen auswirken. Es geht vor allem darum, zu untersuchen, in welcher Kombination sie eine gewinnbringende Therapie für den Patienten bieten und wie sie in der onkologischen Praxis Anwendung finden können.

Die eigentliche Kunst dieser Therapie ist, diesen Mechanismus so zu verstehen, um ihn gezielt und richtig dosiert einsetzen zu können. Also dann einzuschalten, wenn das Immunsystem Tumorzellen bekämpfen soll, und dann abzuschalten, wenn eine Autoimmunerkrankung entwickelt wird. So kann eine individuelle Behandlung für jeden einzelnen Patienten erfolgen.

Wir dürfen also gespannt bleiben und informieren Dich natürlich auch weiterhin gerne über Neuigkeiten zur Immuntherapie gegen Krebs.

Quellenangaben

  1. Sankawa, Y. (2014). Das Immunsystem-wie entsteht antitumorale Immunität?. Oncology Research and Treatment, 37(Suppl. 4), 2-5.
  2. Brahmer, J., Reckamp, K. L., Baas, P., Crinò, L., Eberhardt, W. E., Poddubskaya, E., ... & Waterhouse, D. (2015). Nivolumab versus docetaxel in advanced squamous-cell non–small-cell lung cancer. New England Journal of Medicine, 373(2), 123-135.
  3. Hodi, F. S., O'day, S. J., McDermott, D. F., Weber, R. W., Sosman, J. A., Haanen, J. B., ... & Akerley, W. (2010). Improved survival with ipilimumab in patients with metastatic melanoma. New England Journal of Medicine, 363(8), 711-723.

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