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Die Krebserkrankung,
  meine Beziehungen und ich

Die Krebserkrankung, meine Beziehungen und ich

Wie beeinflusst Deine Krebserkrankung Deine Partnerschaft und nahe Beziehungen? Erfahre hier mehr zu dem Thema

Mit der Diagnose Krebs beginnt eine neue Zeitrechnung und es gibt plötzlich nur noch ein Leben vor und nach der Diagnose.


Doch da passiert schon vorher etwas... wie in dem Moment, in dem Du vielleicht selbst einen Knoten ertastet hast und auf einen Termin bei Deinem Arzt wartest oder der Arztbesuch, bei dem im Ultraschall ein Befund gefunden wurde. Dies sind die ersten Situationen, die Du bereits mit dem Partner, der Familie oder den Freunden besprichst. Manchmal bleibt man aber auch mit seinen Ängsten und Befürchtungen allein, weil man sich denkt: „Da wird schon nichts sein. Ich will die anderen nicht beunruhigen und lasse erst einmal alles abklären.“

Sich mit seinen Lieben auszutauschen und sich mitzuteilen ist wichtig, vor allem wenn Du gesundheitliche Befürchtungen hast. Dies ist der erste Schritt, sich nicht allein zu fühlen, wenn etwas Schlimmes passiert. Natürlich gehen alle davon aus, dass alles gut wird und es eine gutartige Veränderung ist. Dennoch rauschen Dir selbst die Sorgen durch den Kopf.

Die Diagnosesituation

In vielen Fällen bist Du bei Deinem Arzt, wenn ein Verdacht geäußert wird. Dieser schickt Dich dann zu weiteren Untersuchungen. Diese dienen der Abklärung. Es kann sich um eine Biopsie sowie die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) oder auch ein CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) handeln. Verstärkt sich der Verdacht oder bestätigt sich bei den Untersuchungen die Diagnose Krebs, so wirst Du zu einem zertifizierten Behandlungszentrum oder einer Klinik in Deiner Nähe überwiesen.

In den meisten Fällen ist man allein, wenn man sich den Arztbesuchen stellen muss oder die Diagnose mitgeteilt wird. Manchmal ist der Partner oder Familienmitglieder dabei. Bist Du allein in der Situation stehst Du vor der Herausforderung, es Deinem Partner und der Familie sagen zu müssen.
Meistens passiert das ohne großes Nachdenken, weil Du selbst mit dieser neuen Situation überfordert bist. Auch Dein Partner wird es der Familie und den Freunden mitteilen müssen. Es gibt keinen „schönen oder leichten Weg“ den anderen zu sagen, dass man eine Krebsdiagnose erhalten hat.

Genauso wie es für Dich nicht leicht ist, diese Information zu verarbeiten, ist es für die anderen ebenso anfangs oft nicht gleich zu begreifen.
Ist der Partner oder Familienangehörige bei der Mitteilung der Diagnose dabei, kannst Du Dich darauf verlassen, dass sie dieselben Informationen bekommen haben wie Du. Ihr könnt über das Arztgespräch reden.
Sich in dieser Situation gegenseitig zu stützen und füreinander da zu sein, ist besonders wichtig. Es ändert jedoch nichts an dem Ohnmachtsgefühl, was Du und alle Beteiligten erst einmal verspüren.

Warum es so wichtig ist, die Menschen in Deiner Nähe einzuweihen

Sich den Menschen, die einem nahe stehen in der Situation mitzuteilen ist wichtig. Eine solche Diagnose allein zu bewältigen, ist nicht ratsam und wirklich herausfordernd. Es ist ratsam sich jemandem anzuvertrauen, um nicht allein mit all den neuen Informationen und Erlebnissen zu sein. Du kannst darauf vertrauen, dass Dein Partner, Deine Familie und Deine Freunde Dich so gut wie möglich unterstützen wollen, wenn der erste Schock vorüber ist. Die Unterstützung kann in vielerlei Formen angeboten werden: durch Gespräche, Telefonate, liebe Karten oder Briefe, Care-Pakete oder der Begleitung zu den Therapien. Manchmal ist es aber auch absolut ausreichend einfach mal eine Weile miteinander zu sein und zu schweigen. Die bloße Anwesenheit lieber Menschen kann eine sehr große Unterstützung sein.

Betroffene berichten, dass sich die Paarbeziehung während der Erkrankung positiv verändern kann und dass durch den Partner mehr Aufgaben übernommen werden. Zudem zeigte sich, dass Partner von Erkrankten, diesen mehr unterstützen, um den Erkrankten vor zusätzlichen Belastungen zu schützen und das soziale Netzwerk als sehr unterstützend erlebt wird.

Wie erleben Partner, Familie und Freunde meine Erkrankung?

Genauso beängstigend, wie die Diagnose für Dich ist, ist sie auch für Deinen Partner und Deine Familie. Einerseits bist Du Direkt betroffen andererseits beeinflusst Deine Erkrankung auch Deine Partnerschaft und Dein Familiensystem.
Auch die Dir nahe stehenden Menschen brauchen etwas Zeit, um sich mit der Diagnose und den Veränderungen auseinanderzusetzen. Dein Partner verspürt auf einmal Ängste, will Dich nicht verlieren, kann die Diagnose nicht akzeptieren, vermeidet es sich damit auseinanderzusetzen und reagiert vielleicht nicht so wie Du es Dir wünschst und kann bei Dir sogar noch mehr Stress auslösen.
Wahrscheinlich ist Dein Partner einfach auch nur überfordert mit der Situation und möchte Dich nicht damit belasten. Gerade Männer, deren Frauen an Krebs erkranken und die noch Minderjährige Kinder haben, erleben Angst und Depressionen, ähnlich wie ihre Partnerinnen. Daher ist es wichtig, auszusprechen, was euch bewegt. Zu sagen, dass man Angst hat und nicht weiß, was man machen soll, ist für alle Beteiligten in Ordnung.

Muss ich jetzt ständig alle informieren?

Für die Familie und Freunde ist es wichtig, zu erfahren, was mit Dir passiert, was es nach Arztterminen Neues gibt oder wie es Dir bei Behandlungsterminen wie Chemotherapie oder Bestrahlung erging.

Oft können sie Dir nicht bei den Therapien oder Arztbesuchen zu Seite stehen oder Dir etwas abnehmen. Daher fühlen sich häufig hilflos und sind darauf angewiesen, dass Du ihnen sagst, wie es Dir geht. Du solltest sie so gut wie möglich auf der Reise durch die Behandlung mitnehmen, damit sie verstehen können wie die Chemo war, was die Ultraschalluntersuchungen zwischendurch ergeben haben, wie es Dir im Alltag geht und was Dich beschäftigt.
Hab also Verständnis dafür, dass einige Leute sich häufig bei Dir melden. Sie möchten nur wissen, wie es Dir geht.

Auf der anderen Seite hast Du nicht immer Lust oder die Kraft, alle auf dem neuesten Stand zu halten. Auch das ist in Ordnung!
Du musst keinen wöchentlichen Newsletter schreiben oder ständig auf Nachrichten oder Anrufe reagieren. Mach Deinen Lieben deutlich, dass Du Dich gern meldest, wenn Du die Kraft dafür hast, es aber jetzt gerade nicht geht. Freunde oder Familienmitglieder übernehmen auch häufig die Aufgabe, anderen das Neueste zu erzählen, so dass Du weniger Nachfragen beantworten musst.

Deine Bedürfnisse sind wichtig und Deine Energie ist evtl. begrenzt. Personen, die Dir besonders nahestehen, bekommen schon das Meiste von Dir mit.

Bedürfnisse und Wünsche äußern

Während der Behandlung stehen Dir Dein Partner, sowie Freunde und Verwandte sehr nahe. Ihnen solltest Du sagen, was Du gerade brauchst oder welche Wünsche Du hast. Sie sollten wissen, was Du aktuell gut machen kannst wie z.B. Spazieren gehen oder einen Film gucken, aber auch was gerade gar nicht geht, wie z.B. Essen gehen oder Auto fahren.
Nur wenn sie wissen, was für Dich jetzt gut funktioniert, können Sie Dir die Unterstützung geben, die Du benötigst.

Denk daran, sie können Deine Gedanken nicht lesen und greifen vielleicht auch mal daneben, wenn sie Dir etwas Gutes tun wollen. Diese neue Situation ist für alle unbekanntes Gebiet und erfordert etwas Geduld und gegenseitiges Verständnis.
Auch Dein Partner hat Bedürfnisse, die in der Zeit der Erkrankung möglicherweise nicht erfüllt werden können. Studien haben ergeben, dass ein häufiger Streitpunkt Intimität und Sexualität sein kann.

Es ist wichtig, im Gespräch zu bleiben und dem Partner zu sagen, wenn Du keine Lust auf Sex hast, aber doch gern kuscheln möchtest.
Es ist gut für die Paarbeziehung, dass ihr miteinander sprecht. Viel Aufmerksamkeit wird auf die Erkrankung und Deinen Heilungsprozess gerichtet. Vergiss jedoch nicht, dass Dein Partner auch noch da ist. Die Gefühle Deines Partners oder seine Probleme im Job sind wichtig, denn Dein Partner möchte während Deiner Erkrankung trotzdem von Dir gesehen werden.

Berichtet Euch gegenseitig, wie es Euch geht, welche Ängste und Hoffnungen Ihr habt, was Ihr zusammen unternehmen wollt oder worauf Ihr Euch beide freut.

Hilfe annehmen

Auf der einen Seite musst Du dem Partner und den Freunden erzählen, welche Bedürfnisse und Wünsche Du hast. Auf der anderen Seite bist Du nun auch in einer Situation, in der Du die Hilfe von anderen annehmen musst.
Deine Lieben wollen Dich gern unterstützen, wissen aber meistens nicht genau, wie sie das tun können.

Das heißt also für Dich, dass Du ihnen die Gelegenheit geben kannst, etwas für Dich zu tun. Das kann zum Beispiel ein Einkauf sein, Hilfe beim Putzen, zum Arzt begleitet zu werden, ein Ausflug oder dass sie Dir Dein Wunschessen zubereiten. Dies ist sowohl für Dich als auch für die Angehörigen eine gute Art, Hilfe anzubieten und nicht von ungebetenen Hilfsangeboten überrumpelt zu werden.

Die Erkrankung gemeinsam bewältigen

Eine Krebserkrankung beeinflusst Dich und Deine Partnerschaft, die Familie und Deinen Freundeskreis. Es gibt in der Zeit viele Menschen, die Dir helfen und Dich unterstützen wollen, aber auch vereinzelt Menschen, die mit Deiner Krebsdiagnose nicht gut zurechtkommen. Deinen nahestehenden Menschen solltest Du mitteilen, wie es Dir geht und welche Art von Unterstützung Du gern hättest.
Mach auch klar, wenn Du bestimmte Hilfen nicht brauchst. Versuch mit Deinem Partner zu sprechen, was die Erkrankung mit ihm/ihr macht und wie sich diese neue Situation auf eure Partnerschaft auswirkt.

Sprecht so offen wie möglich mit Euren Kindern, auch wenn sie noch jung sind. Sie müssen zwar nicht alle Details wissen, dennoch spüren sie wenn Ihr nicht ehrlich mit ihnen seid. Es ist in Ordnung, Angst zu haben und nicht zu wissen, wie es weitergeht.
Gemeinsam mit der Unterstützung Deiner Lieben kannst Du und könnt Ihr diese Zeit so gut wie möglich zusammen bewältigen.

Seid füreinander da!

Quellenangaben

  1. Kier, A., Kral, S., Kirchner, B., & Geissler, K. (2011). Partnerschaft und Krebs: Erleben Krebspatienten und deren Partner in ihrer Beziehung durch die Erkrankung Veränderungen–kann ein sekundärer bzw. tertiärer Krankheitsgewinn festgestellt werden?. Wiener Medizinische Wochenschrift, 161(11-12), 326-332.
  2. Manne, S. L., Ostroff, J., Winkel, G., Grana, G., & Fox, K. (2005). Partner unsupportive responses, avoidant coping, and distress among women with early stage breast cancer: Patient and partner perspectives.Health Psychology, 24(6), 635-641.
  3. Götze, H., Weißflog, G., Brähler, E., Romer, G., Bergelt, C., von Klitzing, K., ... & Ernst, J. (2012). Partner von Krebspatientinnen mit minderjährigen Kindern–Psychische Belastung im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung und zur krebskranken Partnerin. PPmP-Psychotherapie· Psychosomatik· Medizinische Psychologie, 62(02), 73-79.
  4. Singer, S., Claus, S., Briest, S., Stolzenburg, J. U., Papsdorf, K., Gockel, I., ... & Almstedt, K. (2018). Positive und negative Veränderungen im Leben nach der Krebsdiagnose. Der Onkologe, 24(5), 411-419.
  5. Pistrang, N., & Barker, C. (1995). The partner relationship in psychological response to breast cancer.Social Science & Medicine,40(6), 789-797.

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