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Diagnose Krebs und der Umgang mit den eigenen Gefühlen

Diagnose Krebs und der Umgang mit den eigenen Gefühlen

Die Diagnose Krebs kann vielfältige Ängste und Gefühle auslösen. Hier erfährst Du, wie Du lernst, besser damit umzugehen.

Wir alle kennen das: nach Erhalt der Diagnose fahren die Gefühle oftmals mit einem Achterbahn. Genauso wie die Erkrankung Deine körperliche Gesundheit beeinträchtigt, kann sie auch eine Vielzahl von Gefühlen hervorrufen, die Du so vorher vielleicht gar nicht kanntest. Deine Empfindungen sind möglicherweise stärker als zuvor oder ändern sich schlagartig. Warst Du zuvor noch glücklich und zuversichtlich, könntest Du in der nächsten Minute nur noch jammern und weinen.
Mach Dir keine Sorgen, das ist völlig normal. Ganz egal, ob Du noch ganz am Anfang Deiner Erkrankung stehst, Dich in Behandlung befindest, die Therapie bereits überstanden hast oder vielleicht selbst gar nicht erkrankt bist, sondern um ein Familienmitglied oder Freund bangst – all dies kann die Psyche stark belasten.

Mit seinen Gefühlen umgehen lernen

Im Folgenden möchten wir Dir ein paar Tipps aufzeigen, wie es Dir vielleicht leichter fällt Deine Gefühle zu verstehen und einzuordnen.
Eines ist dabei ganz wichtig: Hier gilt es Deinen eigenen, ganz persönlichen Weg zu finden. Du solltest auf jeden Fall das tun, was Dir guttut. Auch wenn Freunde oder die Familie oftmals mit zahlreichen Tipps zur Seite stehen, muss das nicht heißen, dass dies auch Dir hilft.

Sich überwältigt fühlen?

Du hast gerade erst erfahren, dass Du an Krebs erkrankt bist? Möglicherweise hast Du dann das Gefühl, Dein Leben ist völlig außer Kontrolle geraten. Das kann folgende Gründe haben:

  • Du machst Dir Sorgen, wie es weitergehen soll.
  • Deine alltägliche Routine wird durch Arztbesuche und Behandlungen durcheinandergebracht.
  • Die Menschen um Dich herum verwenden vermehrt medizinische Begriffe, die Du vielleicht nicht alle verstehst.
  • Du hast Angst davor, dass Du nicht mehr alles tun kannst, was Dir Spaß macht.
  • Du fühlst Dich hilflos und einsam.

Auch wenn Du momentan das Gefühl hast, dass Dir alles entgleitet, gibst es Möglichkeiten, wie Du das Steuer wieder übernehmen kannst. Vielleicht kann es Dir helfen, so viel wie möglich über Deine Erkrankung zu erfahren. Je mehr Du über die verschiedenen Behandlungsmethoden weißt, umso sicherer fühlst Du Dich damit.
Frag Deinen Arzt, wie die genaue Diagnose lautet und trau Dich nachzufragen, wenn Du etwas nicht verstehst. Vielleicht kann Dir auch eine Selbsthilfe-Gruppe helfen. Meist bieten diese Gruppen umfassendes Informationsmaterial zur Erkrankung und Behandlung, einfach und verständlich geschrieben.

Du kannst nicht nur rumsitzen und grübeln? Für Manche ist es einfacher, sich durch Beschäftigung abzulenken. Wenn es Dir gut geht und Du ausreichend Energie hast, dann bleib aktiv. Ganz egal, ob Du Dich mit Freunden triffst, Dich einer Sportgruppe anschließt oder Du Dir Zuhause mit Musik, Basteln oder Lesen die Zeit vertreibst.

Die Erkrankung verleugnen?

Gerade zu Beginn der Erkrankung hast Du vielleicht Probleme damit zu glauben oder zu akzeptieren, dass Du tatsächlich an Krebs leidest. Du verleugnest Deine Erkrankung. Und manchmal ist das gar nicht so verkehrt: Dadurch hast Du Zeit Dich auf Deine Diagnose einzustellen und positiv in die Zukunft zu blicken. Andererseits kann die Verleugnung zu einem ernsten Problem werden, wenn sie Dich davon abhält, frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen. Also versuch Dich mit der Situation auseinander zu setzen und nimm sie an. Es gibt zahlreiche Hilfeangebote und Du bist nicht allein!

Voller Zorn und wütend auf Gott und die Welt?

Es ist ganz normal zu fragen: "Warum ich?" und wütend zu sein. Wütend auf den Krebs, wütend auf den Arzt, Deine gesunden Freunde und vielleicht sogar auf die Familie, die mit ihren Ratschlägen nur helfen möchte. Diese Wut hat oftmals eine ganz einfachen Ursache: Sie entsteht durch Angst und vielleicht auch Frustration und Hilflosigkeit aufgrund der neuen Lebenssituation. Aber genau diese Wut kann auch hilfreich sein, vor allem dann, wenn sie einen zum Handeln motiviert und antreibt.

Wenn Du wütend bist, musst Du nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Es ist nicht gesund, den Ärger und Groll in Dich hinein zu fressen. Versuch mit Deiner Familie oder Freunden über Deine Gefühle zu sprechen. Oder mach einfach mal einen Termin beim Psychoonkologen. Dein Arzt kann Dir hier sicherlich gute Namen und Kontaktadressen nennen.

Voller Angst und Sorgen?

Ganz klar: Es ist beängstigend zu hören, dass man krank ist. Möglicherweise machst Du Dir auch Sorgen darüber,

  • dass Du durch die Erkrankung oder die Behandlung Schmerzen haben könntest.
  • Du Dich krank fühlst und krank aussiehst. Vielleicht verlierst Du die Haare und jeder kann sofort sehen, was mit Dir los ist.
  • dass Du Dich nicht mehr um Deine Familie kümmern kannst.
  • dass noch Rechnungen zu bezahlen sind, Du aber vielleicht nicht arbeiten kannst.
  • Deinen Job zu verlieren.
  • dass Du vielleicht sterben könntest.

Aber all das muss nicht sein. Viele Befürchtungen bezüglich Krebs beruhen auf Geschichten, Gerüchten oder falschen Informationen Anderer. Um mit Ängsten und Sorgen fertig zu werden, ist es daher oftmals hilfreich, sich gut zu informieren. Die meisten Menschen fühlen sich besser, wenn sie alle Fakten kennen. Sie haben weniger Angst und wissen, was sie zu erwarten haben.
Frag einfach Deinen Arzt, lass Dir alles genau erklären. Was erwartet Dich während der Behandlung? Was kannst Du selbst tun, um Nebenwirkungen zu mildern? Was ist für diese neue Situation wichtig zu wissen?

Die Hoffnung aufgeben – auf keinen Fall!

Gerade bei Patienten, die ihre Erkrankung akzeptieren, macht sich oftmals ein Gefühl der Hoffnung breit. Und das ist nicht verwunderlich. Schließlich gibt es viele Gründe, hoffnungsvoll zu sein. Heutzutage sind die Behandlungsmöglichkeiten gut wie nie zuvor. Millionen von Menschen leben bereits seit vielen Jahren gut mit ihrer Erkrankung oder haben diese besiegt. Aufgrund moderner und besser verträglicher Therapien lässt sich meist auch während der Behandlung ein aktives Leben führen.

Und es wird noch besser: Ärzte vermuten, dass Hoffnung dem Körper helfen kann, besser mit der Erkrankung fertig zu werden. Daher untersuchen Wissenschaftler derzeit, ob ein hoffnungsvoller Ausblick und eine positive Einstellung dazu beitragen, dass es Patienten auch tatsächlich bessergeht. Also lass es Dir gut gehen und sei hoffnungsvoll.


Hier sind ein paar Tipps, wie Dir das gelingen kann:

  • Plane Deine Tage genauso, wie Du es auch vor der Erkrankung immer getan hast.
  • Lass Dich durch die Erkrankung nicht von Dingen abhalten die Dir Spaß machen.
  • Suche nach Gründen, um Hoffnung zu haben. Wenn es hilft, schreib sie Dir auf oder sprich mit anderen darüber.
  • Verbringe mehr Zeit in der Natur.
  • Du bist religiös? Dann kann Dir der Glaube sicherlich Hoffnung schenken.
  • Hör Dir Geschichten von Anderen an, die gut mit der Erkrankung leben und dies vielleicht schon seit vielen Jahren.

Depression: wenn die Trauer überhandnimmt

Du bist häufig traurig? Auch das ist völlig in Ordnung. Viele Menschen mit Krebs kämpfen gerade zu Beginn der Erkrankung mit dem Gefühl der Trauer. Das ist eine ganz normale Reaktion auf die veränderte Situation. Meist verschwinden diese Gefühle im Laufe der Zeit oder lassen nach. Ist dies bei Dir nicht so? Werden die schmerzhaften Emotionen vielleicht sogar noch stärker und behindern Dein tägliches Leben? Dann kann dies auf eine mögliche Depression hindeuten. Wird die Situation für Dich zunehmend belastender, dann solltest Du Dir professionelle Hilfe von einem Psychoonkologen suchen. Sprich bitte ganz offen mit Deinem behandelnden Arzt über Deine Gefühle – sicherlich kennt er die richtige Anlaufstelle für Dich.

Schau Dir auch unseren Artikel „8 Tipps im Umgang mit Deinen Gefühlen“ an.

Quellenangaben

  1. National Cancer Institute: https://www.cancer.gov/about-cancer/coping/feelings (18.06.2019)
  2. Künzler, A., Mamié, S., & Schürer, C. (2012). Diagnose-Schock: Krebs: Hilfe für die Seele-Konkrete Unterstützung-Für Betroffene und Angehörige. Springer-Verlag.
  3. Hasenbring, M. (1988). Krankheitsverarbeitung bei Krebs. In Bewältigung und Abwehr (pp. 105-131). Springer, Berlin, Heidelberg.

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