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Diagnose Darmkrebs –   wie geht es weiter?

Diagnose Darmkrebs – wie geht es weiter?

Du hast die Diagnose Darmkrebs erhalten? Wie es nun weitergeht und welche Untersuchungen anstehen, erfährst Du hier.

Bei Dir wurden im Rahmen einer Darmspiegelung Auffälligkeiten in Deinem Dickdarm entdeckt?
Sicherlich hat Dein Arzt in diesem Fall eine Gewebeprobe entnommen, die im Labor genauer untersucht wurde.
Lautet die Diagnose „Darmkrebs“, wirft dies viele Fragen auf.
Wie geht es nun weiter? Was passiert als nächstes? Keine Panik!
Früh erkannt ist Darmkrebs sehr gut behandelbar. Zur Planung der Behandlung ist es jedoch wichtig, das genaue Ausmaß der Erkrankung zu ermitteln.
Dein Arzt wird dazu weitere Untersuchungen anordnen.

Bevor Dein Arzt mit der Behandlung der Erkrankung beginnen kann, ist es wichtig zu wissen, wo sich der Tumor genau befindet, wie groß er ist, wie tief er in die Darmwand eingedrungen ist, ob umliegende Lymphknoten betroffen sind und ob er sich bereits in andere Organe ausgebreitet hat, also sogenannte Metastasen gebildet hat. Mit diesen Angaben kann der Arzt das genaue Tumorstadium feststellen, nach dem sich dann die Behandlung richtet. Meist werden dazu die folgenden Untersuchungen durchgeführt.

Digital-rektale Untersuchung oder „Hafenrundfahrt“

Bei der digital-rektalen Untersuchung, die von Patienten oftmals scherzhaft auch als Hafenrundfahrt bezeichnet wird, tastet Dein Arzt mit dem Finger den Enddarm vorsichtig ab. So kann er die Funktion des unteren Schließmuskels überprüfen und eventuell erkennen, wie weit tief-sitzende Tumoren bereits in den Darm eingewachsen sind. Die Untersuchung verursacht keine Schmerzen, wird von einigen Patienten jedoch als etwas unangenehm empfunden.

Testung auf verborgenes Blut im Stuhl

Beim sogenannten Hämoocult-Test gibst Du Stuhlproben ab und im Labor wird untersucht, ob sich darin Blut nachweisen lässt. Dies ist eine sehr schonende und vollkommen schmerzfreie Methode der Untersuchung. In anderen Artikeln hier in Mika findest Du ausführliche Informationen dazu.

Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes

Wie genau ist das Ausmaß der Erkrankung? Um diese Frage zu klären empfehlen Experten die Untersuchung des Bauraumes mittels Ultraschall. So können die Leber, die Milz, die Nieren und Bauchlymphknoten genauer betrachtet werden. Dies ist wichtig, da Darmkrebs sich oftmals in diese Organe ausbreitet.
Am häufigsten - in mehr als der Hälfte der Fälle - kommt es zu Metastasen in der Leber. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei, ohne Strahlenbelastung und dauert nur wenige Minuten. Dabei wird ein kleines Gerät, der so genannte Schallkopf von außen auf die Haut aufgesetzt.
Nun bewegt der Arzt diesen langsam über den Bauchraum. Die vom Gerät abgegebenen Schallwellen erzeugen dann, mit Hilfe eines Computers, ein Bild vom untersuchten Organ. Die Ultraschalluntersuchung wird vom Arzt in verschiedenen Krankheitsstadien eingesetzt: Von der Diagnosestellung bis hin zur Nachsorge.

Röntgenaufnahme der Lunge

Dach sich Darmkrebs auch gerne in die Lungen ausbreitet, ist es wichtig, auch diese genauer zu untersuchen. Ein Ultraschall zeigt hier jedoch keine brauchbaren Ergebnisse. Daher wird meist ein Röntgen-Thorax, also eine Röntgenaufnahme des Brustraums durchgeführt. Zeigen sich dabei Auffälligkeiten, wird der Befund mittels Computertomographie genauer betrachtet. Auch das Röntgen ist völlig schmerzfrei und dauert lediglich wenige Minuten.
Allerdings wird dabei radioaktive Strahlung genutzt, um das Innere des Körpers abzulichten. Nur ab und zu mal durchgeführt stellt dies kein Problem für die Gesundheit dar. Jedoch wird Dein Arzt darauf achten, dass Du den Röntgenstrahlen nicht zu oft ausgesetzt wirst.

Computertomographie – computergestützte Aufnahmen des Körpers

Bei der Computertomographie, kurz CT, wird der Körpers ebenfalls mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. Hier kommen diese jedoch aus verschiedenen Richtungen. Aus den so gesammelten Informationen erzeugt ein Computer dann hochauflösende Schnittbilder der untersuchten Region.

Hierzu wird Dir vor der Untersuchung in der Regel ein Kontrastmittel über einen venösen Zugang verabreicht. Die Anlagerung dieses Mittels in Deinem Körper ermöglicht erst das Erstellen der Bilder. So kann Dein Arzt erkennen, wie tief sich der Tumor im Darm ausgebreitet hat und ob Lymphknoten oder andere Organe befallen sind. Während der CT-Aufnahme liegst Du auf einem Untersuchungstisch, während in einem großen Ring Röntgenröhren um Dich kreisen.
Auch diese Untersuchung ist schmerzlos, aber ebenfalls wieder mit einer Strahlenbelastung verbunden. Die CT soll laut Experten dann eingesetzt werden, wenn die Röntgenuntersuchung des Thorax oder eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes unklare, aber verdächtige Befunde geliefert hat. Bei der Gabe eines Kontrastmittels sollte Dein behandelnder Arzt im Vorfeld dien Nieren- und Schilddrüsenwerte durch eine Blutentnahme im Labor bestimmten lassen, damit man mögliche Nebenwirkungen vermeiden kann. In Einzelfällen kann es sonst zu einer thyreotoxischen Krise (Stoffwechselentgleisung aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion) oder einer Neuropathie (Erkrankung des peripheren Nervensystems).

Damit das Kontrastmittel wieder schnell mit dem Urin ausgeschieden wird, ist es nötig, dass Du bereits vor und auch nach der Untersuchung viel trinkst. Darauf wird Dich die Schwester oder der Pfleger sicher auch aufmerksam machen!

Magnetresonanztomographie – beim Rektumkarzinom besonders wichtig

Sitzt der Tumor im unteren Ende des Darmes, dem so genannten Rektum oder auch Mastdarm, wird zur Beurteilung oftmals auch eine Magnetresonanztomographie, kurz MRT oder MR, durchgeführt. Hier ist es besonders wichtig zu sehen, wie weit sich der Krebs schon zum Schließmuskel ausgebreitet hat. Ähnlich wie bei dem CT kommt auch beim MRT ein Computer zum Einsatz.
Allerdings werden die Informationen dazu nicht mit Hilfe von Röntgenstrahlen, sondern durch elektromagnetische Wellen erzeugt. Auch hier liegst Du wieder mit dem Rücken auf einer Liege und wirst in eine Untersuchungsröhre geschoben. Die Untersuchung ist ebenfalls schmerzfrei, jedoch empfinden manche Menschen die geschlossene Röhre als unangenehm. Wenn Du unter „Platzangst“ leidest und die Röhre für Dich ein Problem darstellt, solltest Du dies ganz offenen mit dem Behandlungsteam besprechen. Es gibt viele Methoden und Hilfsmittel, um eine leichte Angst vor der Enge zu überwinden.
Die Untersuchung ist relativ laut: Die Schaltung der Magneten verursacht klopfende Geräusche. Meist bekommst Du daher einen Kopfhörer, über den Du mit Musik versorgt wirst aufgesetzt.

Toller Nebeneffekt: die Musik entspannt zusätzlich.

Labordiagnostik inklusive Tumormarkerbestimmung

Über die Entnahme von Blut und die anschließende intensive Untersuchung im Labor können ebenfalls Diagnosen gestellt und sogenannte Tumormarker bestimmt werden. Dies sind Substanzen, die bei einer bösartigen Tumorerkrankung vermehrt im Körper anfallen können. Typische Werte, die hier oft bestimmt werden sind:

- LDH (Laktatdehydrogenase) kommt in jeder Zelle und damit in allen Organen vor. Bei jeder Zellmembranschädigung gelangt das Enzym in die Blutbahn.

- Leberwerte

- Bilirubin (Es entsteht, wenn rote Blutkörperchen abgebaut werden).

- Gerinnung (verschließt mit Hilfe von Blutgerinnseln (rote Thromben) blutende Wunden).

- Nierenwerte

- CRP (C-reaktives Protein, ein Eiweiß, dass bei Entzündungen im Körper vermehrt im Blut nachweisbar ist).

- Elektrolyte (Dies sind Mineralstoffe und Salze. Wichtige Vertreter sind zum Beispiel Kalium, Natrium, Kalzium und Magnesium).

- Tumormarker vor allem CEA (carcinoembryonales Antigen. Es handelt sich um eine Eiweiß-Zucker-Verbindung. Vor allem bei Dickdarmkrebs und Mastdarmkrebs wird oft ein erhöhter CEA-Spiegel im Blut gemessen werden).

TNM-Klassifikation – Steckbrief des Tumors

Nachdem die Ärzte alle nötigen Untersuchungen durchgeführt haben, lässt sich die Ausbreitung des Tumors ganz genau beschreiben. Wie weit und wie tief hat sich der Krebs ausgebreitet? Sind angrenzende Lymphknoten befallen? Hat der Tumor in andere Organe gestreut?

Anhand der Untersuchungsergebnisse wird der Tumor in eine bestimmte TNM-Klasse eingeteilt. Dabei steht „T“ für Tumor, „N“ für Nodes, das lateinische Wort für Knoten, wobei hier Lymphknoten gemeint sind und „M“ für Metastasen. Die Buchstaben werden zusätzlich mit Zahlen kombiniert.

„T“ Tumorkategorie/Primärtumor

Tx: Der Primärtumor kann nicht beurteilt werden.

To: Kein Anhalt für Primärtumor.

Tis: Carcinoma in situ (wörtlich: “Krebs am Ursprungsort“, der Primärtumor hat das Ursprungsgewebe noch nicht durchbrochen).

T1: Der Primärtumor erstreckt sich nur auf die Schleimhaut des Darms.

T2: Der Primärtumor ist bis in die Muskulatur der Darmwand eingewachsen.

T3: Der Primärtumor hat alle Schichten der Darmwand durchdrungen.

T4: Der Primärtumor wächst in benachbarte Gewebe oder Organe ein.

„N“ Lymphknoten (lateinisch Nodus = Knoten)

Nx: umliegende Lymphknoten können nicht beurteilt werden.

N0: In keinem umliegenden Lymphknoten finden sich Tumorzellen.

N1: Der Tumor hat ein bis drei benachbarte Lymphknoten befallen.

N2: Der Tumor hat vier oder mehr benachbarte Lymphknoten befallen.

„M“ Metastasen

Mx: Tochtergeschwülste (Fernmetastasen) können nicht beurteilt werden.

M0: Tochtergeschwülste (Fernmetastasen) wurden nicht nachgewiesen.

M1: Tochtergeschwülste (Fernmetastasen) wurden nachgewiesen.

Ein Stadium T1N0M0 heißt also zum Beispiel, dass der Darmkrebs sich nur auf die Schleimhaut beschränkt, keinen Lymphknoten befallen hat und sich auch keine Tochtergeschwülste nachweisen lassen.

Tumorstadien - UICC-Klassifikation

Zusätzlich zur Einteilung nach TNM-Kriterien wird bei Dickdarmkrebs nach Tumorstadien unterscheiden, der so genannten UICC-Klassifikation.

Stadium I (UICC I): Der Tumor ist höchstens bis in die Muskelschicht der Darmwand gewachsen (T1 oder T2) und hat noch keine Lymphknoten (N0) oder andere Organe befallen (M0).

Stadium II (UICC II): Der Tumor hat die äußere Schicht der Darmwand erreicht (T3 oder T4), aber hat noch keine Lymphknoten (N0) oder andere Organe befallen (M0).

Das Stadium UICC II wird weiter unterteilt, je nachdem, wie tief der Tumor in die Darmwand eingedrungen ist.

UICC IIA: Der Tumor hat die äußere Schicht der Darmwand erreicht.

UICC IIB: Der Tumor hat die äußere Schicht der Darmwand durchbrochen und das Bauchfell erreicht.

UICC IIC: Der Tumor hat die äußere Schicht der Darmwand durchbrochen und ist in umliegende Gewebe oder Organe eingewachsen.

Stadium III (UICC III): Der Tumor hat Lymphknoten befallen (N1 oder N2), aber noch keine anderen Organe (M0). Der Tumor selbst kann dabei klein oder groß sein (T1 bis T4). Das Stadium UICC III wird noch weiter unterteilt.

UICC IIIA: Der Tumor hat die Darmwand noch nicht durchbrochen, sich aber in bis zu sechs Lymphknoten ausgebreitet.

UICC IIIB: Entweder hat der Tumor die Darmwand noch nicht durchbrochen, sich aber in sieben oder mehr Lymphknoten ausgebreitet. Oder der Tumor hat die äußere Schicht der Darmwand zwar durchbrochen, ist aber noch nicht in umliegende Gewebe oder Organe eingewachsen und hat sechs oder weniger Lymphknoten befallen.

UICC IIIC: Der Tumor ist weiter fortgeschritten als im Stadium UICC IIIB, hat also mehr Lymphknoten befallen oder ist weiter gewachsen, Tochtergeschwülste lassen sich aber nicht nachweisen (M0).

Stadium IV (UICC IV): Der Tumor hat in ein Organ oder in mehrere Organe gestreut (M1). Der Tumor selbst kann dabei klein oder groß sein (T1 bis T4) und keine oder viele Lymphknoten befallen haben (N0 bis N2). Das Stadium UICC IV wird noch in UICC IVA und UICC IVB unterteilt.

UICC IVA: Tochtergeschwülste (Fernmetastasen) lassen sich in nur einem Organ nachweisen.

UICC IVB: Tochtergeschwülste (Fernmetastasen) lassen sich in mehr als einem Organ nachweisen.

Grading - Eigenschaften der Tumorzellen

Während der Darmspiegelung oder einer Operation des Tumors werden von Deinem Arzt Gewebeproben entnommen, die dann von einem Pathologen genauer untersucht werden. Dieser betrachtet die Zellen des Tumors unter dem Mikroskop und bestimmt, wie weit sich die Krebszellen von der normalen Dickdarmschleimhaut unterscheiden. Diese als Grading bezeichnete Einteilung erfolgt in vier Stufen:

G1: Die Tumorzellen sind der normalen Schleimhaut noch sehr ähnlich. Man spricht von gut differenziert oder ausgereiften Zellen. Solche Tumore gelten als weniger aggressiv.

G2: Die Tumorzellen sind der normalen Schleimhaut nicht mehr sehr ähnlich. Man spricht von mäßig differenzierten Zellen.

G3: Die Tumorzellen ähneln der normalen Schleimhaut kaum noch. Man spricht von schlecht differenzierten Zellen. Solche Tumore gelten als aggressiv und haben eine ungünstigere Prognose als G1- oder G2-Tumore.

G4: Die Tumorzellen ähneln der normalen Schleimhaut überhaupt nicht mehr. Man spricht von undifferenzierten Zellen. Diese Tumore gelten als die aggressivsten.

Auch das Grading ist wichtig für die weitere Behandlungsplanung.

Fazit

Wurde bei Dir Darmkrebs diagnostiziert stehen weitere Untersuchungen an, um zu klären, welche Behandlung für Dich in Frage kommt.
Mittels Ultraschall, Röntgen, CT oder MRT, Labor und Tumormarkerbestimmung wird das Ausmaß der Erkrankung genau betrachtet.
Anhand dieser Ergebnisse wird Dein Tumor nach TNM-Klassifizierung beschrieben und das Tumorstadium und das Grading bestimmt.
Mit Hilfe dieser Werte wird Dein Ärzteteam dann die weitere Behandlung planen.

Quellenangaben

  1. Patientenleitline „Darmkrebs im frühen Stadium“, „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Deutschen Krebshilfe

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