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Darmkrebs – Was   kannst Du essen?

Darmkrebs – Was kannst Du essen?

In diesem Artikel geben wir Dir Ernährungstipps, die Dich während, aber auch nach der Therapie unterstützen sollen.

Du hast seit Deiner Diagnose wahrscheinlich schon reichlich Ernährungstipps sammeln können.
Insbesondere Dein Arzt und Ernährungsberater werden Dir auf Dich und Deine Bedürfnisse abgestimmte Ernährungsempfehlungen gegeben haben.Bitte halte Dich auf jeden Fall immer an diese Empfehlungen.
Wir möchten Dir im Folgenden dennoch allgemeine Tipps geben.

Gewichtsveränderungen während der Therapie

Währen der Chemo- oder Strahlentherapie kann es zu einem nicht unerheblichen Gewichtsverlust kommen. Unter anderem ausgelöst durch Geruchs- und Geschmacksveränderungen, die dazu führen, dass Du weniger isst.
So kann es sein, dass Fleisch bitter, Süßes viel süßer und sonst alles ein bisschen fade und pappig schmeckt. Da kann einem schon einmal die Lust am Essen vergehen. Sogar Deine Lieblingsgerichte können in dieser Zeit nur wenige Punkte gewinnen.
Manche Leute entwickeln sogar eine Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel. Aber keine Sorge, das ist meistens nur ein vorrübergehender Zustand. Appetitlosigkeit kann ein weiterer Faktor für Gewichtsverlust sein.
Da Dein Körper aber gerade jetzt viel Kraft braucht, solltest Du versuchen, Nahrungsmittel auszutauschen und vielleicht auch mal ganz ungewohnte und neue Sachen zu probieren. Wichtig ist, dass sie nährstoffreich sind und Dir Energie liefern. Also frische saisonale, nicht zu stark verarbeitete Lebensmittel, Obst, Gemüse, Fisch, Geflügel. Frisch oder gekocht. Bei frischem Obst und Gemüse immer darauf achten, dass es sehr gut gewaschen oder geschält ist. Fleisch und Fisch sollten immer durchgebraten, gekocht oder gebacken sein.

Hier ein paar Tipps bei vorrübergehenden Geschmacksveränderungen.

  • Verwende milde frische Kräuter, wie zum Beispiel Basilikum und Petersilie aber auch Gewürze wie mildes Curry und Ingwer. Letzterer kann auch bei Übelkeit helfen.
  • Mariniere Dein Fleisch vor dem Kochen. Hier kannst Du gerne ein wenig experimentieren, probiere z.B. mal süß-sauer. Du solltest hier ganz darauf achten, was Dir schmeckt und gut tut.
  • Bei Fleisch empfiehlt sich Geflügel oder Gehacktes (immer gut durchgebraten). Beide Sorten sind leichter verdaulich und Hackbällchen in einer Suppe lassen sich leichter kauen und schlucken als z.B. ein Steak.
  • Als alternative Eiweißquelle zu Fleisch bieten sich Fisch, Tofu oder Quark- und Eierspeisen an.
  • Bei Geschmacksveränderungen kann es helfen, vor dem Essen den Mund gut auszuspülen. Zum Mundspülen eignen sich Wasser oder Tees wie Fenchel, Kamille oder Salbei.

Vorrübergehende Laktoseunverträglichkeit

Eine der Nebenwirkung der Therapie kann eine vorrübergehende Laktoseunverträglichkeit sein. Laktose ist nichts anderes als Milchzucker, der in Milchprodukten enthalten ist. Normalerweise spaltet das körpereigene Enzym Laktase diesen Milchzucker, damit er vom Körper aufgenommen werden kann. Bei einer Laktoseunverträglichkeit sind Menge oder Aktivität dieses Enzyms vermindert. Was zur Folge hat, dass der Verzehr von laktosehaltigen Nahrungsmitteln (z.B. Milchprodukte) zu Blähungen, Krämpfen und Durchfällen führen kann. Die einfache Lösung: Milchprodukte und Nahrungsmittel die Milchprodukte enthalten für eine Zeit vermeiden. Hierzu gehören unter anderem: Milch, Butter, Sahne, Crème fraîche, Kekse, Kuchen, Brot, viele Schokoladen und andere verarbeitete Lebensmittel.

Bitte lasse bei Verdacht aber von Deinem Arzt feststellen, ob Du tatsächlich eine Unverträglichkeit hast und nicht etwas anderes die Ursache für anhaltende Verdauungsbeschwerden ist.
Einige Milchprodukte, wie Joghurt, Kefir und Käse enthalten wenig Laktose. Es daher kann sein, dass Du diese trotzdem ohne Probleme verzehren kannst. Da musst Du dann ein bisschen herumprobieren. Ansonsten gibt es auch schon viele Laktosefreie Milchprodukte auf dem Markt.

Bei starken und anhaltenden Durchfällen bitte unbedingt Deinen Arzt informieren. Durchfälle können unabhängig von der Verträglichkeit von Laktose durch eine Vielzahl anderer Ursachen hervorgerufen werden, wie z.B. Entzündungen oder Infektionen und gehen häufig mit einem hohen Flüssigkeitsverlust, inklusive wichtiger Salze und Mineralien, einher.
Dieser muss unbedingt ausgeglichen werden und sollte bei Deinem täglichen Flüssigkeitsbedarf bedacht werden. 2,5 – 3 Liter mineralhaltiges stilles Wasser, Kräutertees, Brühe und Sportlergetränke können helfen Deinen Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Bitte frage Deinen Arzt, was er Dir bei akuten Durchfällen empfiehlt.

Ballaststoffe

Du solltest Dich in der Zeit vor und nach der OP Ballaststoffarm ernähren.
Sicher denkst Du jetzt: „Es wird doch immer gesagt, man soll sich ballaststoffreich ernähren?“
Das ist schon richtig, aber in diesem speziellen Fall hat sich eine ballaststoffarme Ernährung als schonend für den Darm erwiesen. Zum Beispiel gekochter Reis, Kartoffeln, leicht verdauliches gekochtes Gemüse, wie Karotten, Süßkartoffeln, Schwarzwurzeln oder Pastinaken.
Bei frischen rohen Lebensmitteln bitte immer darauf achten, dass sie gut gewaschen sind und nur in kleinen Mengen verzehrt werden. Kleine Portionen helfen, den Darm zu entlasten und Du kannst testen, wie Dir die Gerichte bekommen.

Fette

Sowohl eine Operation als auch eine Chemo-oder Strahlentherapie können Fettverdauungsstörungen auslösen.
Es kann also durchaus sein, dass Dein Darm Fette wie Butter, Schmalz, Öl oder Margarine nicht genügend verarbeitet. Unverdaute Fette können ebenfalls Durchfälle auslösen. Wie bei anderen Durchfällen auch, gehen dem Körper auf diese Weise wichtige Nährstoffe, Wasser und Energielieferanten verloren.
Daher solltest Du, wie bereits erwähnt, bei anhaltenden Durchfällen mit Deinem Arzt sprechen.

Bei Fettverdauungsstörungen kann Dein Stuhlgang etwas anders aussehen, als bei normalen Durchfällen.
Da Dein Körper Fette für viele Stoffwechselvorgänge und als Energielieferant braucht, bieten sich hier MCT–Fette1) (erhältlich in Apotheken und Reformhäuser) als eine leichter verträgliche Alternative an.
Eine Umstellung auf MCT-Fette bitte nur langsam und unter Anleitung Deines Arztes bzw. Ernährungstherapeuten durchführen.

Nach der Operation

Darmkrebs hat in vielen Fällen eine Operation zur Folge, bei der Teile des Darms entfernt werden. Durch eine Operation und andere Therapiemaßnahmen kann sich Deine Darmschleimhaut vorrübergehend entzünden oder beschädigt werden.
Wenn bei einer OP Teile des Dick – oder Dünndarms entfernt werden, bedarf es einer Zeit der Anpassung. Dein Darm muss dann sozusagen neu trainiert werden, weil die Aufgaben des entfernten Teils vom verbleibenden Darm mit übernommen werden müssen. Dieser Vorgang findet eher langsam strauchstatt.
Dein Speisplan wird zunächst stark eingeschränkt sein und dann Stück für Stück erweitert. Diese Zeit wird oft auch durch eine parenterale oder intravenöse Ernährung unterstützt. Dabei werden direkte Infusionen mit Nährstoffen in den Blutkreislauf gegeben.
Dies geschieht, um sicherzustellen, dass Dein Körper auch in dieser Phase alle wichtigen Nährstoffe bekommt. Dein Ernährungstherapeut und Arzt wird Dich aber dabei intensiv unterstützen und eventuelle Fragen beantworten.

Stoma-Patienten und Ernährung

Es kann vorkommen, dass während einer Operation ein vorrübergehender oder permanenter künstlicher Darmausgang gelegt wird. Dieser wird auch Stoma oder Anus praeter genannt. Im Folgenden möchten wir Dir hierzu ein paar Tipps in Bezug auf Deine Ernährung geben.

Da sich Tipps für die Ernährung immer nach dem jeweils entfernten Darmabschnitt richten, muss man erst einmal nach Dünndarm-Stoma (Illeostomie) und Dickdarm-Stoma (Kolostomie) unterscheiden. Im Dickdarm findet die Eindickung des Stuhls durch die Wideraufnahme von Wasser durch den Körper statt.
So wird nach einer Dickdarm-OP die Nahrungsverwertung häufig nicht beeinflusst. Die Wasserwiederaufnahme des Körpers hingegen schon, was zu einem weniger festen Stuhlgang führen kann.
Die Wiederaufnahme von Wasser und Elektrolyten ist nach einer Dickdarm-OP allerdings noch möglich, da diese auch im Dünndarm geschieht.

Bei einem Dünndarm-Stoma geht dies leider nicht. Die Folge kann ein wässriger dünner Stuhl sein. Leider lässt sich in dem Fall nicht viel über die Ernährung steuern. In beiden Fällen müssen jedoch Unverträglichkeiten berücksichtigt werden und es gibt generelle Empfehlungen, die einen Einfluss auf die Stuhlkonsistenz und Blähungen haben können.

  • Da wir alle verschieden sind, empfiehlt es sich zu beobachten, was Du verträgst und was nicht. Ein Ernährungstagebuch kann Dir helfen den Überblick zu behalten. Dort trägst Du nicht nur ein, was Du wann und in welchen Mengen gegessen hast, sondern Du dokumentierst auch, wie Dir das Essen bekommen ist. Also wie Du Dich nach dem Essen fühlst und ob die Mahlzeit irgendwelche Symptome auslöst.
  • Im Daily-Check kannst Du täglich Deine Symptome dokumentieren und sie danach in Deinem Kalender ansehen. Das kann Dir und Deinem Arzt bei der Ursachensuche für Deine Verdauungsproblem helfen.
  • Viele kleine, dafür kalorienreiche Mahlzeiten (alle 1-2 Stunden) haben sich als gut verträglich erwiesen. Die regelmäßige Nahrungsaufnahme kann einen gleichbleibenden Entleerungsrhytmus unterstützen und zu einer stabilen Energiezufuhr beitragen.

Dünndarm-Stoma: Illeostomie

Solltest Du ein Dünndarm-Stoma haben, empfiehlt es sich darauf zu achten, alles langsam zu essen und zu trinken. Eine Nahrungsaufnahme hat in diesem Fall meist auch eine Entleerung zur Folge. Da die Wasser- und Elektrolytaufnahme (Mineralstoffaufnahme) über den Dickdarm nicht geschieht, wird empfohlen ausreichend Flüssigkeit und Kochsalz zuzuführen. Die generelle Empfehlung ist 6-9g pro Tag. Bei vielen Patienten liegt der Bedarf bei 3 Liter Flüssigkeit pro Tag. Bitte sprich aber über Mengen und wie Du dies am besten umsetzen kannst mit Deinem Arzt.

Tipp: Salzreiche Fleisch- und Gemüsebrühen können Dir gleichzeitig Kochsalz und Flüssigkeit liefern.

Am Anfang wirst Du eine Anpassungsphase brauchen.
Diese kann zwischen 3 und 12 Monaten dauern. Während dieser Zeit wirst Du feststellen, was Du am besten verträgst.
Welche Nahrungsmittel eine stopfende oder quellende Wirkung haben. Hierzu gehören z.B. Bananen, Haferflocken, Reis und Kartoffeln. Da Ballaststoffe vorwiegend im Dickdarm zum Einsatz kommen, solltest Du Dich bei einem Dünndarmstoma im allgemeinen ballaststoffarm ernähren.
Eine ballaststoff- und baserreiche Ernährung kann eine Verstopfung des Stomas zur Folge haben.

Lebensmittel die eine Stopfende Wirkung haben können:

Obst: Apfel (gerieben), Bananen, Rosinen und Heidelbeeren. Dies kann aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.

Gemüse: gekochte Kartoffeln, Rote-Bete, gekochte Möhren, Mais, Sellerie.

Getreide: Brot, Gebäck, Getreideflocken (Hafer, Dinkel, Buchweizen), geschälter und vollkornreis. Teigwaren. Milchprodukte: Käse (Gouda, Appenzeller, etc.)

Tee: Schwarztee

Sonstiges: geriebene Nüsse, Kokosflocken, Schokolade, Kakaopulver

Lebensmittel die eine abführende Wirkung haben können:

Alkohol, Zwiebeln, Hülsenfrüchte, scharf gebratene und gewürzte Lebensmittel, Trockenobst ( ausser Rosinen), saures Obst.

Lebensmittel, die Blähungen entgegenwirken können:

Joghurt (nicht wärmebehandelt), Tee (Kümmeltee, Fencheltee, Anis Tee)

Gewürze: Kümmel, Kreuzkümmel, Fenchelsamen

Lebensmittel die Blähungen verursachen können:

Kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol, frisches Obst (Birnen), Rhabarber, Zwiebeln, Knoblauch, Hülsenfrüchte, Kohlsorten, Paprika, Spargel, Pilze, Eier oder Eihaltige Lebensmittel wie z.B. Mayonnaise, Kuchen, Nachspeisen.

Trotz all dieser Tipps, möchten wir Dich bitten, Dich aber in jedem Fall an dass zu halten, was Dein Arzt oder Ernährungstherapeut Dir empfohlen hat und frage im Zweifelsfalle bitte immer nach. Für Rezeptanregungen schaue gerne mal in unsere Rezeptauswahl.

MCT-Fette sind industriell hergestellte Fette mit mittelkettigen Fettsäuren, deren Verdauung und Aufnahme vom Körper, anders als bei natürlich vorkommenden langkettigen Fettsäuren, schneller erfolgt.
Natürliche Fette brauchen normalerweise für die Aufnahme vom Körper Gallensäuren. MCT-Fette hingegen nicht, sind besser wasserlöslich und werden im Blut ohne die Bindung an Gallensäuren direkt transportiert.
Aus diesem Grund werden diese Fette oft bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts eingesetzt. Es ist weiterhin noch zu beachten, dass MCT-Fette nicht wie normale Fette verwendet werden sollten. Sie sollten nicht erhitzt werden und erst beim Servieren der Mahlzeit hinzugefügt werden.
MCT-Fette können ebenfalls Nebenwirkungen wie Blähungen, Bauchschmerzen, Erbrechen, etc. hervorrufen, daher sollten sie unter Anleitung des behandelnden Arztes oder Ernährungstherapeuten langsam und Anfangs nur in kleinen Mengen in den Speiseplan eingebaut werden.
Da unter einer Ernährung mit MCT-Fetten die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen und essentiellen Fettsäuren vermindert ist, muß hier besonders auf eine ausreichende Zufuhr geachtet werden.

Quellenangaben

  1. G.Krause-Fabricius. (2014). Wie ernähre ich mich bei Krebs? Was nützt, was nicht- praktische Hilfen für den Alltag. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW e.V. ISBN: 978-3-8336-045-0.
  2. C. Shaw PhD. (2015). The Royal Marsden Cancer Cookbook. London: Kyle Books. ISBN: 978-85-783 232 0.
  3. M.Murray, Dr. J.Pizzorno (2006). The Encyclopaedia of Healing Foods. Time Warner Books, London: Little Brown Book Group.
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2011) Mittelkettige Triglyceride für die Adipositastherapie nicht empfehlenswert.
  5. https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/mittelkettige-triglyceride-adipositastherapie/ (18.09.2018)
  6. Ernährung.de (2018) MCT Fette http://www.ernaehrung.de/lexikon/ernaehrung/m/MCT-Fette.php (18.09.2018)
  7. http://www.ernaehrung.de/lexikon/ernaehrung/m/MCT-Fette.php (18.09.2018)

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