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Covid-19: Schütze dich und dein Herz

Covid-19: Schütze dich und dein Herz

Krebstherapien können Herzerkrankungen verursachen. Kommt eine Coronainfektion hinzu, kann es für Betroffene gefährlich werden.


Was Du erfährst

Die modernen Krebstherapien können dem Herz-Kreislauf-System Schaden zufügen - selbst Jahre nach der Therapie. Ein frühzeitiges Screening als fester Bestandteil der Krebsnachsorge würde rechtzeitige Vorsorgemaßnahmen möglich machen.

Warum das wichtig für Dich ist

Kommt zu einem angegriffenen Herz noch eine Corona-Infektion hinzu, kann es Komplikationen geben. Schütze Dich jetzt besonders gut vor Ansteckung!

Was Du jetzt tun kannst

  • Besprich mit Deinem Behandlungsteam,
  • ob Dein Herz-Kreislauf-System angegriffen ist und
  • ob Du jetzt zusätzliche oder andere Medikamente benötigst.
  • Minimiere Praxisbesuche.
  • Folge den Empfehlungen zu Covid-19 (veröffentlichen wir in Mika).
  • Ernähre Dich gesund, bewege Dich regelmäßig und stelle das Rauchen ein.

Du magst Burger und Sandwiches? Sehr schön, denn dieser Artikel ist wie ein Sandwich aufgebaut. Das untere Brötchen ist die gute Nachricht, die zuerst kommt. Leider folgen dann auch ein paar negative Aspekte, die jedoch für Dich und Deine gesundheitliche Situation wichtige Informationen beinhalten könnten. Am Ende, als oberes Brötchen, folgt wieder eine gute Nachricht. Im Gegensatz zu vielen anderen Artikeln geht es hier explizit um medizinisches Wissen, das wir Dir vermitteln wollen. Aber keine Angst, dies wird verständlich und so einfach wie möglich passieren!

Zunächst die gute Nachricht: Krebstherapien werden immer moderner, neue Medikamente werden entwickelt – insgesamt wurden in den letzten fünf Jahren 60 neue Präparate zugelassen (1). Diese Entwicklung wirkt sich dabei positiv auf die Behandlungschancen aus, die immer weiter ansteigen. Gleichzeitig jedoch häufen sich Berichte über Nebenwirkungen, die das Herz-Kreislauf-System betreffen. Die Entwicklung scheint also nicht ausschließlich positiv zu sein.

Das ist die schlechte Nachricht, also der Mittelteil vom Sandwich. Warum kommt es zu häufigeren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und was genau ist damit gemeint? Hierzu ein bisschen kompaktes Hintergrundwissen:

Tumorerkrankungen werden in der Regel durch traditionelle Chemotherapeutika, Strahlentherapie, operativen Techniken und häufig neuen, zielgerichteten Medikamenten beziehungsweise Kombinationen aus diesen Elementen behandelt. Unabhängig von der Wirksamkeit der Medikamente weist ein Großteil von ihnen eine sogenannte Kardiotoxizität auf. Das bedeutet, dass sie dem Herz-Kreislauf-System Schaden zufügen können. Diese Schäden können sowohl bereits während aber auch erst nach der Therapie auftreten – in manchen Fällen auch erst Jahre oder gar Jahrzehnte später. Die häufigste Erkrankung ist dabei die eingeschränkte Pumpfunktion der linken Herzkammer. Sie tritt bei etwa 10 Prozent der Patienten, die sich einer Therapie mit dem Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung unterzogen haben, auf. Weiterhin kann es zu Verengung oder Verschluss von Herzkranzgefäßen oder erhöhtem Blutdruck kommen, der auf Dauer den Gefäßen und dem Herz schadet. Außerdem können Herzrhythmusstörungen und Blutgerinnsel (Thrombosen) auftreten.

Eine Langzeitstudie (2) untersuchte zwischen 2013 und 2016 insgesamt 951 Erwachsene, die als Kind oder Jugendlicher an Krebs erkrankt waren und verglich die Ergebnisse mit denen von 15.000 Menschen aus der übrigen Bevölkerung. Als Ergebnis wurde die Prozentzahl früherer Krebspatienten, die später an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, auf 4,5 Prozent beziffert – in der Mehrzahl waren die Patienten noch unter 40 Jahren, und damit beinahe acht Jahre jünger, als Betroffene in der übrigen Bevölkerung.
Es zeigt sich also, dass bereits die Medikamente, die vor Jahren und Jahrzehnten verabreicht wurden, das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhten; eine Entwicklung, die mit moderneren Medikamenten zuzunehmen scheint.

So, das waren die negativen Aspekte; Nachrichten, die man nicht gerne hört. Die aber wichtig für Dich sein können, denn – und jetzt kommt wieder die gute Nachricht: Es ist möglich, diese Spätfolgen zu vermeiden. Univ.-Prof. Dr. Jörg Faber, Leiter des Kinderonkologischen Zentrums im Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT Mainz) betont die Bedeutung von regelmäßigen Untersuchungen (3):

„Frühe Screeningprogramme, die insbesondere Bluthochdruck und erhöhte Fettwerte im Fokus haben, sollten fester Bestandteil einer strukturierten Krebsnachsorge werden – unabhängig davon, um welche Krebsart es sich handelt.“

Bisher erfolgen Nachsorgeuntersuchungen lediglich für fünf bis zehn Jahre und fokussierten sich meist ausschließlich auf die bewältigte Krebserkrankung. Untersuchungen, die sich zudem speziell das Herz-Kreislauf-System konzentrieren, werden bisher nur bei bestimmten Tumorarten und nach bestimmten Therapien empfohlen. Das frühe Entdecken von Symptomen macht beispielsweise eine frühzeitige Umstellung des Lebensstils oder die Einnahme von Blutdruck senkenden Medikamenten möglich, um so eine ernsthafte Erkrankung abzuwenden. Regelmäßige Checks beim Arzt sind somit ein Muss – auch Jahrzehnte nach der erfolgten Therapie.

Zudem soll auch vor Beginn einer Therapie, die Medikamente mit einer möglichen Nebenwirkungen am Herz-Kreislauf-System miteinschließt, das allgemeine Risiko für eine derartige Erkrankung erfasst werden. Darüber hinaus kannst Du durch Deinen eigenen Lebensstil auch selbst vorbeugend tätig werden. Regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und ein rauchfreies Leben sind zwar keine hundertprozentige Garantie, nicht zu erkranken – sie verringern das Risiko jedoch sehr.

Und auch die Wissenschaft arbeitet an der Erforschung der Nebenwirkungen moderner Medikamente (3). Das Ziel ist, diese einzudämmen oder ganz loszuwerden. Damit der mittlere Teil des Sandwiches in Zukunft auch genießbar ist!

Quellenangaben

  1. Hohmann, C., Baldus, S., & Pfister, R. (2019). Krebserkrankungen heilen und das Herz schützen.Herz,44(2), 175-188. https://link.springer.com/article/10.1007/s00059-019-4787-6
  2. Faber, J., Wingerter, A., Neu, M. A., Henninger, N., Eckerle, S., Münzel, T., ... & Peters, A. (2018). Burden of cardiovascular risk factors and cardiovascular disease in childhood cancer survivors: data from the German CVSS-study. European heart journal, 39(17), 1555-1562. https://academic.oup.com/eurheartj/article/39/17/1555/4924867
  3. https://www.mta-dialog.de/artikel/krebs-erhoehtes-risiko-fuer-herz-kreislauf-erkrankungen.html[aufgerufen am 30.07.19]
  4. Bildnachweis: © jat306 – atock.adobe.com

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