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Bewegung während der Strahlentherapie bei Brustkrebs

Bewegung während der Strahlentherapie bei Brustkrebs

Die Strahlentherapie geht oft mit Begleiterscheinungen einher. Ein angepasstes Bewegungsprogramm kann Dir helfen diese zu mildern.

Bei Frauen ist Brustkrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebsart.
Allein im Jahr 2014 wurden weltweit mehr als 1,8 Millionen Neuerkrankungen festgestellt. In Deutschland ist jede achte Frau innerhalb ihres Lebens damit konfrontiert und jährlich werden etwa 70.000 neue Diagnosen gestellt.
Durch moderne Untersuchungsmöglichkeiten und Therapien liegt heutzutage die Heilungsrate bei über 80 %. Die Strahlentherapie gilt dabei als die Standardbehandlung, die bei mehr als 90 % der betroffenen Frauen angewendet wird. Sie reduziert sowohl die Wiedererkrankung als auch die Sterblichkeitsrate.

Müdigkeit und Erschöpfung

Allerdings geht die Strahlentherapie oft mit Begleiterscheinungen einher. Zu den häufigsten zählen hierbei die Ermüdung und Erschöpfung.
Mindestens zwei von drei Frauen sind davon betroffen. Über den Therapieverlauf steigt die Intensität der Symptome eher an und erreicht ihren Höhepunkt zum Ende der Behandlung. In vielen Fällen ist die Ermüdung und Erschöpfung auch darüber hinaus noch anhaltend.
Erst nach durchschnittlich sieben Monaten geht dann das Ermüdungs- und Erschöpfungsgefühl in der Regel wieder auf den Ausgangszustand zurück.

Die Ursachen hierfür sind nicht umfassend bekannt. Es wird angenommen, dass entzündungsfördernde Proteine und/oder eine Störung des Stoffwechsels, jeweils bedingt durch die Strahlentherapie, zur Ermüdung und Erschöpfung beitragen. Eine erworbene Blutarmut (Anämie) durch die Behandlung kann dies zudem weiter begünstigen.

In der Vergangenheit wurde den Betroffenen geraten, sich verstärkt auszuruhen und körperlich anstrengende Aktivitäten zu vermeiden. Heutzutage weiß man allerdings, dass gerade körperliche Bewegung den Ermüdungs- und Erschöpfungszustand vorbeugen und reduzieren kann.
Mit der richtigen Dosierung (Häufigkeit, Dauer und Intensität) ist dies vor allem auf eine verbesserte Kapazität des Herz-/Kreislaufsystems zurückzuführen.

Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2017. Die Autoren zeigten, dass durch Bewegung im Allgemeinen das Ermüdungs- und Erschöpfungsgefühl während einer Strahlentherapie abnimmt. Übungen, die unter Anleitung durchgeführt wurden, waren diesbezüglich effektiver als Übungen, die allein zu Hause gemacht wurden. Zudem waren solche Übungsprogramme besser, die aus einer Kombination von Kraft- und Ausdauerübungen bestanden.
Verglichen mit einer Untersuchungsgruppe die kein spezifisches Übungsprogramm absolvierte, ist aber auch ein alleiniges Ausdauertraining, das dreimal pro Woche, mit niedriger bis moderater Intensität, über 20 bis 30 Minuten durchgeführt wird, im Vorteil.

Schlafbeschwerden

Eine weitere häufige Begleiterscheinung während und/oder nach der Strahlentherapie sind Schlafbeschwerden.
Diese gehen oft mit einem höheren Ermüdungs- und Erschöpfungsgefühl, vermehrten Sorge- und Angstzuständen, depressiven Verstimmungen und reduzierten sozialen Kontakten einher.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie untersuchte den Einfluss eines Übungsprogrammes, welches zeitgleich mit der Strahlentherapie begann, auf die Schlafqualität. Über zwölf Wochen führten die Frauen zweimal wöchentlich, über eine Stunde, ein angeleitetes Kräftigungstraining durch. Verglichen wurden sie mit einer anderen Gruppe, die stattdessen eine Muskelentspannungsmethode ausübte.
Das Kräftigungstraining führte über den Zeitraum zu einer leichten Abnahme der Schlafbeschwerden, wohingegen es bei der Muskelentspannung zu einer geringen Zunahme kam. Zudem erreichten die Krafttrainierenden etwas früher ihr ursprüngliches Schlafverhalten, nachdem die Strahlentherapie abgeschlossen war.
Die reduzierte Schlafqualität war dadurch gekennzeichnet, dass die Teilnehmerinnen häufiger in der Nacht aufwachten, größere Schwierigkeiten hatten innerhalb von 30 Minuten einzuschlafen und morgens zu früh aufwachten.

Erhöhe Deine Lebensqualität

Letztendlich gehen Müdigkeit und Erschöpfung sowie Schlafbeschwerden mit einer deutlichen Minderung der Lebensqualität einher.
Ein kontinuierliches Übungsprogramm, beispielsweise zweimal pro Woche für 40 bis 60 Minuten, kann Dir jedoch helfen, diese nachweislich zu steigern.

Wichtig ist jedoch, dass Du es so gestaltest, wie es für Dich gut ist und Dir Spaß macht. Bisherige Bewegungs- und Übungsgewohnheiten und Deine Lebensumstände solltest du dabei berücksichtigen. Es macht auch einen Unterschied, ob Du zu Hause Fitnessgeräte, Hilfsmittel und Kleingeräte hast oder ob Du lieber in einen Verein gehst, um unter Menschen zu sein.
Dadurch, dass Du ein Training wählst, dass zu Dir passt, kannst Du Deine Motivation aufrechterhalten, auch wenn Dir mal nicht so sehr danach ist. Bewegung sollte in jedem Falle langfristig einen hohen Stellenwert einnehmen.

Tipps für die Durchführung eines Bewegungsprogrammes

Wenn Du Dir bezüglich der Wahl eines Bewegungsprogrammes unsicher bist, dann halte am besten Rücksprache mit Deinem Arzt. Er kann Dir gegebenenfalls Hinweise geben, auf Die Du im Speziellen achten solltest.

Auch ein Physiotherapeut kann Dir ein auf Dich abgestimmtes Programm zusammenstellen. Dabei kann er auch gleichzeitig andere körperliche Beschwerden mitberücksichtigen.

Hole Dir auch einen fachlichen Rat ein, wenn du beispielsweise zusätzlich Osteoporose hast oder ein Lymphödem entstanden ist.

Osteoporose ist eine Schwächung des Knochens und bei einem Lymphödem kommt es zu einer Schwellung des Bindegewebes, durch vermehrte Lymphflüssigkeit. Meist ist dies im Bereich des Armes bis hinunter zu der Hand und den Fingern zu erkennen. Aber auch der Brustbereich kann davon betroffen sein. In beiden Fällen ist es wichtig, dennoch in Bewegung zu bleiben.

Gewöhnlich verursacht oder verschlimmert sie nicht die Probleme – ganz im Gegenteil, die Symptome können sich dadurch sogar verbessern.
Das Bewegungsprogramm muss nur auf Dich angepasst werden. Solltest Du aufgrund eines Lymphödems einen Kompressionshandschuh erhalten haben, dann trage diesen auch während Deines Übungsprogrammes.

Denke daran, dass während der Strahlentherapie Dein Immunsystem geschwächt sein kann.
Wasche Dir daher nach dem Anfassen von Geräten, die auch andere benutzen, zum Beispiel Hanteln oder ein Laufband, gründlich Deine Hände. Bedenke auch, dass, wenn Deine Haut auf die Strahlentherapie besonders reagiert hat, du Schwimmen vermeiden solltest.
Die CheMikalien im Wasser können eine weitere Hautreaktion auslösen.

Solltest Du durch dein Bewegungsprogramm negative Auswirkungen feststellen, wie zum Beispiel eine Schwellung, dann kontaktiere umgehend Deinen Arzt. Dies kommt jedoch nur in seltenen Fällen vor.

Fazit

Ein für dich angepasstes Bewegungsprogramm kann Dir helfen, häufige Begleiterscheinungen einer Strahlentherapie, wie Müdigkeit und Erschöpfung sowie Schlafbeschwerden, zu mildern.
Es trägt zudem zu einer höheren Lebensqualität bei. Kräftigungs- und Ausdauerübungen sind beispielsweise gut geeignet.
Bereits ein 2x pro Woche durchgeführtes Training steigert nachweislich Dein Wohlbefinden.

Beginne am besten gleich heute damit. Gewöhne Dich langsam an die Aktivität und steigere dann allmählich. Kontaktiere bei Unsicherheit Deinen Arzt oder einen Physiotherapeuten.

Quellenangaben

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  4. Shobeiri F, Masoumi SZ, Nikravesh A, Heidari Moghadam R, Karami M. The Impact of Aerobic Exercise on Quality of Life in Women with Breast Cancer: A Randomized Controlled Trial. J Res Health Sci. 2016;16(3):127–32.
  5. Baumann FT, Bieck O, Oberste M, Kuhn R, Schmitt J, Wentrock S, u.a. Sustainable impact of an individualized exercise program on physical activity level and fatigue syndrome on breast cancer patients in two German rehabilitation centers. Support Care Cancer. 2017;25(4):1047–54.

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