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Behandlungsmethoden bei Brustkrebs

Behandlungsmethoden bei Brustkrebs

Diagnose Brustkrebs? Hier erfährst Du welche Behandlungsmöglichkeiten es für Dich gibt und wer die Kosten übernimmt.

Nach der Diagnosestellung wird Dein Arzt alle für Dich in Frage kommenden Behandlungsmöglichkeiten mit Dir besprechen. Welche Therapie es dann letztendlich sein wird, hängt von vielen Faktoren ab.

So ist es beispielsweise wichtig, wie groß der Tumor ist, wie schnell er wächst und ob er sich bereits in andere Organe ausgebreitet hat.

Nicht zuletzt ist es aber auch Deine ganz persönliche Entscheidung. Um gemeinsam mit dem Arzt festzulegen welchen Weg Du gehen möchtest, ist es wichtig sich über alle Möglichkeiten zu informieren. Wer hinter seiner Therapie steht, meistert die Behandlung meist besser. Auch kann ein gutes Hintergrundwissen dabei helfen, Ängste zu vermeiden.

Heutzutage sind die Behandlungsmöglichkeiten sehr vielfältig und die Therapie wird genau auf Dich und Deine Erkrankung zugeschnitten. In der Regel setzt sie sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen: der Operation, der Bestrahlung und verschiedenen Medikamenten wie der Chemo-, Antihormon- oder zielgerichteten Therapie. Diese können und müssen nicht immer alle zum Einsatz kommen. Manchmal genügt es den Tumor im Rahmen einer Operation nur zu entfernen und die betroffene Stelle zusätzlich zu bestrahlen.

Teilweise wird nach erfolgter OP noch eine Chemotherapie nötig. In wieder anderen Fällen erfolgt die Chemotherapie vor der Operation, um den Tumor zu verkleinern und die Entfernung zu erleichtern. Von führenden Experten wurde dazu eine so genannte Behandlungsleitlinie erarbeitet, die angibt, wann welche Therapie zum Einsatz kommen sollte. Egal, welche Behandlung letztendlich erfolgt, Ziel ist es dabei im Regelfall die Heilung oder eine bestmögliche Kontrolle des Tumorwachstums, bei zugleich möglichst schonendem und schmerzarmem Vorgehen und ggf. unter Erhaltung der Brust.

Die Operation – was solltest Du wissen?

Ist eine Operation notwendig, heißt das nicht, dass gleich die komplette Brust entfernt werden muss. War dies in den 80er Jahren noch Standard, werden heute etwa zwei Drittel der erkrankten Frauen brusterhaltend operiert. Bei der so genannten BET (brusterhaltenden Therapie) wird der Tumor vollständig entfernt. Gleichzeitig wählt der Arzt die Schnittführung und Operationstechnik so, dass das gesunde Gewebe so gut wie möglich geschont werden kann.
Damit die Folgen der Operation nicht sofort sichtbar werden, gibt es vielfältige Möglichkeiten: durch körpereigenes Gewebe oder Prothesen kann die Form der Brust weitestgehend wiederhergestellt werden.

Zusätzlich zum Tumorgewebe werden oft auf der betroffenen Seite auch Lymphknoten mit entfernt, diese sitzen in der Achselhöhle. Da sich Brustkrebs über die Lymphbahnen in andere Körperregionen ausbreitet, lässt sich anhand einer Untersuchung der Lymphknoten abschätzen, ob die Erkrankung bereits gestreut hat.

Mastektomie oder Ablatio - was ist damit gemeint?

In seltenen Fällen kann es nötig sein, dass das gesamte Brustgewebe entfernt werden muss. Dein Arzt spricht dann von einer Ablatio oder Mastektomie. Diese Abnahme der Brust, oftmals mitsamt den Brustwarzen, wird dann durchgeführt, wenn die Gefahr sehr groß ist, dass der Krebs zurückkehrt oder Du Dich nach reiflicher Überlegung zu dieser Maßnahme entscheidest. Folgende Kriterien sprechen für eine Brustamputation:

  • Im Verhältnis zur Brust ist der Tumor sehr groß
  • Der Knoten weist entzündliche Anteile auf
  • Neben dem Brustgewebe sind auch die Milchgänge betroffen
  • Es liegen mehrere Knoten in der Brust vor
  • Die Brustwarze ist betroffen oder liegt sehr nahe an verändertem Gewebe
  • Es liegt eine Geschwürbildung durch die Haut vor
  • Die Erkrankung ist nach brusterhaltender Operation und Bestrahlung wieder zurückgekommen
  • Du hast Dich aus freien Stücken dazu entschieden, obwohl auch eine BET möglich wäre

Eine Ablatio kann auch sinnvoll sein, wenn Du Dich bewusst gegen eine Bestrahlung entscheidest oder die Erkrankung mit Ultraschall oder Mammographie nur schlecht überwacht werden kann. Manchmal ist es auch eine rein kosmetische Entscheidung, wenn eine brusterhaltende Operation ein weniger schönes Ergebnis hinterlassen würde.

Strahlentherapie – was ist wichtig?

Wird bei Dir eine brusterhaltende Operation durchgeführt, wird Dein Arzt meist zu einer anschließenden Bestrahlung raten. Dadurch lässt sich die Wahrscheinlichkeit für ein Wiederauftreten der Erkrankung um bis zu 80 Prozent verringern. Durch die Bestrahlung sollen kleine, mit bloßem Auge nicht sichtbare Reste des Tumors vernichtet werden.

Wie und wann erfolgt die Bestrahlung?

Bei der Bestrahlung werden, mittels eines so genannten Linearbeschleunigers, energiereiche Röntgenstrahlen auf das Tumorgewebe gelenkt. Die veränderten Zellen sterben dadurch ab. Während der Behandlung liegst Du auf einer beweglichen Patientenliege. Zur Bestrahlung wird diese dann mit dem Bestrahlungsgerät ausgerichtet, sodass lediglich der vorher definierte Bereich, im Regelfall das Tumorbett, bestrahlt wird.
Um umliegendes Gewebe zu schonen ist es daher wichtig möglichst ruhig zu liegen. Die eigentliche Behandlung dauert lediglich wenige Minuten oder gar nur Sekunden und ist völlig schmerzlos. Meist erfolgt die Bestrahlung an fünf aufeinanderfolgenden Tagen der Woche, über einen Zeitraum von mehreren Wochen.

Wann genau mit der Bestrahlung begonnen wird, hängt davon ab, ob noch andere Therapien geplant sind. Wird keine Chemotherapie eingesetzt, beginnt die Bestrahlung meist etwa 4 bis 6 Wochen nach der Operation. Ansonsten erfolgt sie in der Regel im Anschluss an diese. Es ist aber auch möglich, sie in den Pausen zwischen den jeweiligen Chemotherapie-Zyklen anzuwenden.

Medikamentöse Therapie - die passende Behandlung finden

Neben der Operation und Bestrahlung stehen zusätzlich medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Gerade in den vergangenen Jahren hat sich hier viel getan. Je nach Art des Tumors und Erkrankungsstadium wird die passende Therapie gewählt, ganz individuell auf Dich abgestimmt.

Die Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie werden Medikamente eingesetzt, die über den ganzen Körper, also systemisch, wirken. Diese so genannten Zytostatika werden meist per Infusion direkt über die Vene oder einen Port (Silikonreservoir, dass unter das Schlüsselbein implantiert wird und die Medikamente direkt in die Blutbahn abgeben kann.
Hierzu wird eine Nadel – ähnlich wie bei der Gabe über die Vene – in den Port gelegt und die Infusionen daran angeschlossen. Nach Abschluss der Chemotherapie wird dieser dann wieder unter Betäubung entfernt.) verabreicht. Im Körper angekommen sollen sie auf alle noch vorhandenen Tumorzellen wirken – ganz egal ob es sich dabei um ganze Metastasen oder lediglich einzelne Zellen handelt. Die Medikamente sorgen dafür, dass sich diese nicht mehr teilen und nach und nach absterben.

Was sind die Nachteile der Chemotherapie?

Wichtig zu wissen: Die Chemotherapie wirkt hauptsächlich auf diejenigen Zellen, die sich schnell teilen. Tumorzellen gehören zu diesem Typ. Doch auch einige andere Zellen unseres Körpers: beispielsweise die der Haarwurzeln, der Schleimhäute im Mund und Magen-Darm-Trakt und der blutbildenden Zellen im Knochenmark. Dies erklärt warum es bei einer Chemotherapie oftmals zu Nebenwirkungen wie Haarausfall, Problemen mit den Schleimhäuten sowie Übelkeit, Erbrechen und Blutarmut oder Infektanfälligkeit kommen kann.

Mit Hormonen gegen die Erkrankung

Auch wenn sie oftmals als Hormontherapie bezeichnet wird, handelt es sich eigentlich um eine Anti-Hormonbehandlung. Hormone, die das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen können, werden gezielt ausgeschaltet. Die Behandlung wird häufig bei so genannten östrogenrezeptor-positiven oder östrogenabhängigen Tumoren angewandt und richtet sich gegen das weibliche Hormon Östrogen.
Für die Anti-Hormontherapie stehen verschiedene Medikamente zur Auswahl, die die Bildung des Hormons im Körper blockieren. Ein Fortschreiten der Erkrankung oder ein Rückfall kann dadurch oftmals verhindert oder verzögert werden.

Was sind die Nachteile der Hormontherapie?

Auch die Anti-Hormontherapie wirkt auf den gesamten Körper. Wird die Produktion der weiblichen Hormone plötzlich durch Medikamente unterbunden, wird der Körper in die Wechseljahre versetzt. Damit verbunden können die typischen Wechseljahresbeschwerden wie beispielsweise Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Schlafstörungen oder Gelenk-und Muskelschmerzen auftreten.

In Mika findest Du noch weitere Artikel zum Thema.

Die Antikörpertherapie

Antikörper sind Teile unseres Abwehrsystems, dem Immunsystem. Sie können Eindringlinge von außen, wie Giftstoffe oder Krankheitsauslöser aufspüren und machen diese unschädlich. Doch die Antikörper können noch mehr: sie sind unter bestimmten Bedingungn in der Lage kranke, entartete Zellen unseres Körpers zu erkennen und zu vernichten. Bei der Antikörpertherapie werden Antikörper im Labor hergestellt und diese dann per Infusion in die Vene verabreicht.
Diese Behandlung soll das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen die Erkrankung unterstützen. Dabei werden die Krebszellen von den Antikörpern besetzt und können dann von unserem Abwehrsystem erkannt und zerstört werden. Voraussetzung für die Behandlung ist jedoch, dass der Tumor bestimmte Strukturen aufweist. Dies muss vor Therapiebeginn anhand des Tumorgewebes untersucht werden.
Diese Art der Behandlung bisher nur zugelassen, wenn bereits Tochtergeschwülste, also Metastasen vorhanden sind.

Was sind die Nachteile der Antikörpertherapie?

Die Antikörpertherapie kann grippeähnliche Beschwerden wie Fieber und Muskelschmerzen verursachen. Diese lassen sich jedoch meist gut behandeln. Im Gegensatz zur Chemotherapie wirkt die Behandlung mit Antikörpern lediglich auf den Tumor, gesunde Zellen bleiben davon verschont. Das heißt, es tritt im Regelfall weder Haarhausfall auf, noch kommt es zu Übelkeit oder einer Veränderung des Blutbildes.

Zielgerichtete Therapie – was ist das?

Seit einigen Jahren sind die so genannten zielgerichteten Therapien oder targeted therapies verfügbar. Auch dabei werden Medikamente eingesetzt, die direkt auf Krebszellen wirken. Genauer gesagt blockieren sie ganz gezielt (= targeted) Vorgänge in den Krebszellen, die für das Wachstum des Tumors verantwortlich sind.
Das Tumorgewebe wird nach und nach kleiner oder verschwindet sogar irgendwann ganz.

Was sind die Nachteile der zielgerichteten Therapie?

Auch die targeted therapies verursachen leider Nebenwirkungen, da das gesunde Gewebe teilweise auf die Wirkstoffe reagiert. So können beispielsweise unerwünschte Hautreaktionen wie Rötungen und Blasenbildung an Händen und Füßen, aber auch Bluthochdruck und Durchfall auftreten.

Zu diesem Thema findest Du im Magazin auch noch weitere Artikel.

Wer kommt für die Kosten Deiner Behandlung auf?

In der Regel wird die Behandlung von der Krankenkasse übernommen. Die Voraussetzungen dafür sind unter anderem:

  • Die Therapie muss medizinisch notwendig sein
  • Sie wird von Deinen Ärzten empfohlen
  • Sie entspricht den medizinischen Leitlinien zur Behandlung der Erkrankung

Wenn Du eine Behandlung in Anspruch nehmen möchtest, die derzeit in den Leitlinien noch nicht empfohlen wird, hast Du die Möglichkeit, die Kostenübernahme bei der Krankenkasse zu beantragen. Grund dafür könnte sein, dass

  • Du ein neues Medikament erhalten möchtest
  • Du ein neuartiges Verfahren in Anspruch nehmen willst
  • Du einen naturheilkundlichen Ansatz nutzen möchtest

Die Krankenkasse wird dann nach Rücksprache mit Deinem behandelnden Arzt über eine Kostenübernahme entscheiden.

Quellenangaben

  1. Esteva, F. J., & Hortobagyi, G. N. (2009). Fortschritte in der Brustkrebstherapie. Spektrum der Wissenschaft, 3(09), 38-45.
  2. Thiel, I. Bedeutung von Compliance/Adherence für eine erfolgreiche Brustkrebstherapie. Facharzt Gynäkologie/Urologie. 2010; 19 (2): 4–5.

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