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Lungenkrebs = Atemnot?

Autor: Dr. Nicole Strauch • Fachliche Prüfung: Dr. Henriette Quack
Lesedauer ca. 8 Minuten

Vielleicht geht es Dir wie vielen Patienten nach der Diagnose Lungenkarzinom und Du befürchtest, dass Du in absehbarer Zeit unter Luftnot und Problemen beim Atmen rechnen musst. Wir wollen Dir hier einige Erkenntnisse dazu erläutern.

Mit einer Krebsdiagnose sind auch immer Gedanken und Sorgen über den weiteren Verlauf der Erkrankung verbunden. Das ist menschlich und ganz normal. Der Versuch den Schock der Diagnose durch organisiertes Handeln, Planen und Vorbereiten besser verarbeiten zu können stellt einen Überlebensmechanismus des Menschen dar.
Bei der Diagnose Lungenkrebs denken viele Patienten sofort daran, dass sie möglicherweise nun zunehmend Probleme mit dem Atmen bekommen könnten, da die Vorstellung schlecht Atmen zu können immer auch Angst auslöst. Wir brauchen Sauerstoff, um leben zu können. Möglicherweise kennst Du diese Gedanken auch!?

Vorab kann hier schon gesagt werden, dass meist erst in einem fortgeschrittenen Krebsstadium Atemnot (Dyspnoe) auftritt und dass es auch hier Methoden und Behandlungsmöglichkeiten gibt, um Dir zu helfen.

Atemnot ist ein sehr subjektives Gefühl, für das es kein direktes Messverfahren gibt. Außerdem kann es aus medizinischer Sicht unbedenklich bzw. sogar normal sein, dass Du zeitweise schlechter Atmen kannst wie z.B. direkt nach einer größeren Operation oder wenn Du gerade aufgeregt oder ängstlich bist.

Daher empfiehlt es sich ein „Atemtagebuch“ zu führen. Dort kannst Du dann aufschreiben, wie sich Deine Atmung anfühlt und kannst bei einer auffälligen Verschlechterung dem Arzt Bescheid geben, so dass dieser Dir die entsprechenden Maßnahmen anordnen kann.
Hierzu kannst Du kreativ sein. Du könntest zum Beispiel einen eigene Skala entwerfen, die entweder von „ich bekomme gut und beschwerdefrei Luft“ bis zu „ich habe starke Probleme zu Atmen“ geht. Oder Du nimmst eine Skala von 0 für „ohne Probleme“ bis 10 für „sehr schwer“. Eine andere Möglichkeit wäre auch das Arbeiten mit Smileys bis .

Was kann helfen?

Wie schon beschrieben kann Atemnot auch emotionale Gründe wie Angst oder Aufregung haben bzw. kann sich die vorhandene Atemnot auch durch diese Gefühle verstärken.

Hier ist das Hauptziel: Ruhe bewahren!
Hierzu gibt es verschiedene Methoden. Du kannst hier im Magazin unter der Kategorie „mentale Gesundheit“ einmal stöbern und findest Anleitungen für Entspannungsübungen oder Meditationsanleitungen. Du kannst auch bei Deinem Arzt nach einem Rezept zur Physiotherapie fragen, wo man Dir dann bestimmte Dehnübungen und Atemtechniken zeigen kann, die die Lunge entlasten und Dir das Atmen erleichtern. Schau auch mal im Internet oder bei Deinem Arzt/Klinik, ob es möglicherweise Selbsthilfegruppen oder Atemgruppen in Deiner Nähe gibt, an denen Du teilnehmen kannst. Die Gemeinschaft mit anderen Patienten und der Austausch über die Nebenwirkungen der Erkrankung können Dir sicher auch helfen, Dich nicht alleine zu fühlen und besser damit umgehen zu können.
Gespräche mit einem Psychoonkologen können auch helfen, mit der Situation, der Diagnose und den Behandlungen besser im Alltag zurecht zu kommen. Das professionelle Umfeld kann es leichter machen, sich einmal alles von der Seele zu reden und somit im bildlichen Sinne „die Last von den Schultern“ zu nehmen. Sprich Deinen Arzt gerne darauf an. Er hat sicher Adressen oder Anlaufstellen in der Nähe, an die Du Dich wenden kannst. Der Psychoonkologe kann auch mit Dir zusammen neben den Gesprächen in Übungen dafür sorgen in angespannten Situationen Werkzeuge zu besitzen, die Dir das Leben leichter machen.

Sollten die Probleme beim Atmen aber dazu führen, dass Du nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wirst, so kann Dein Arzt auch über die Verschreibung eines Sauerstoffgerätes nachdenken. Hierzu muss im Vorfeld die Sauerstoffsättigung bei Dir gemessen werden. Dies wir meist durch einen einfachen Fingerklipp beim Arzt bewerkstelligt. Dann muss Dein Hausarzt testen, ob Deine Atembeschwerden durch Sauerstoffgabe verbessert wird. Deshalb wird er Dir zweimal arterielles Blut (meist aus dem Handgelenk) abnehmen. Einmal am Anfang ohne Sauerstoffzufuhr und dann einmal mit einer Stunde kontinuierlicher Sauerstoffgabe. Wenn sie die sogenannten Blutgase (Sauerstoff und Kohlendioxid) danach deutlich besser sind, wird ein Sauerstoffgerät per Rezept verschrieben.
Die modernen Sauerstoffgeräte sind oft schon so klein und leicht, dass sie in einem Rucksack getragen werden können, so dass Du auch weiterhin mobil bleibst und am täglichen Leben teilnehmen kannst. So bleibt Dir sicher mehr Lebensqualität verfügbar.
Meist wird eine kleine Einführung oder Schulung durch das Sanitätshaus, dass Dir das Gerät zur Verfügung stellt durchgeführt, so dass Du auch sicher im Umgang mit der Technik bist. Die Kosten für die Geräte und die Sauerstoffpatronen trägt in der Regel die gesetzliche Krankenversicherung.

Wenn der Tumor selbst auf die Bronchien beengt oder die Atemwege blockiert, so besteht die Möglichkeit mithilfe von Bestrahlung (Radiotherapie), Laserbehandlungen oder dem Implantieren von Stents eine Verbesserung herbeizuführen. Ein Stent ist eine Art Netzröhrchen aus Metall, das in einem kleinen operativen Eingriff als Schiene in die Atemwege eingesetzt wird und so wieder Platz schafft, die Atemluft ungehindert zirkulieren zu lassen.

Wie oben bereits beschrieben gibt es häufig einen Zusammenhang zwischen Luftnot und Angst und beide können sich wie in einem Teufelskreis gegenseitig beeinflussen. Um diesen Kreis zu durchbrechen kann Dein Arzt auch mithilfe von Medikamenten weiterhelfen. Welches Medikament in Deinem Fall ratsam ist, wird Deine Arzt mit Dir besprechen und ihr könnt gemeinsam überlegen welches die beste Form der Einnahme für Dich darstellt. Viele Medikamente gibt es nämlich nicht nur in Tablettenform, sondern auch als Zäpfchen, Tropfen oder Injektionen.
Du solltest aber auf gar keinen Fall eigenständig eine solche Einnahme ohne Absprache mit Deinem Arzt vornehmen, da es auch zu nicht gewollten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen kann und auch die richtige Dosierung eine wichtige Rolle spielt. Außerdem gehören einige dieser Medikamente zur Gruppe der Betäubungsmittel und der Arzt ist gesetzlich verpflichtet die Einnahme engmaschig zu überwachen.

Du musst Dich nicht sorgen, dass es einen Punkt gibt, an dem man Dir aber mit all diesen Techniken und Methoden nicht mehr helfen kann. Die moderne Medizin hat vielfältige Medikamente und Möglichkeiten auch bei einer Verschlechterung Deines Zustandes dafür zu sorgen, dass Du keine unnötigen Schmerzen aushalten und leiden musst.
Sprich Deinen behandelnden Arzt gerne auf diese Fragen und Befürchtungen an und ermutige auch Deine Angehörigen solche Gespräche mit den Ärzten zu führen oder Dich zu begleiten. Es ist für alle Beteiligten besser, wenn offen über diese Dinge gesprochen wird und ein realistisches Bild der Erkrankung und der Möglichkeiten entsteht.

Unbegründete Ängste und falsche Erwartungen müssen nicht sein und sollten Dich nicht zusätzlich belasten.

Wichtig ist, dass Du regelmäßig Deinen Arzt besuchst. Wenn Du eine plötzliche deutliche Verschlechterung der Luftnot wahrnimmst, sollte dies Dein Arzt wissen um richtig und rechtzeitig handeln zu können.

Quellenangaben
  1. Krebsinformationsdienst. (2021). Behandlungsverfahren bei Lungenkrebs. Abgerufen am 22.03.2021. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/behandlung-uebersicht.php
  2. https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/therapie-besondere-probleme.php (21.05.2019)
  3. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/bronchial-karzinom/article/397352/anxiolytika-lindern-atemnot-lungenkrebs.html (21.05.2019)
  4. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/article/400711/laesst-atemnot-tumorpatienten-effizient-lindern.html (21.05.2019)
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