Ist die chronische myeloische Leukämie heilbar?

Autor: Dr. Volker Henn • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
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Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist eine sehr langsam voranschreitende Leukämie, die sich oft dauerhaft aufhalten lässt.

In diesem Artikel erfährst Du:

  • Was die Diagnose CML für Dein Leben bedeutet
  • Wie die Erkrankung häufig entsteht
  • Welche Symptome auftreten
  • Wie die Diagnose erfolgt
  • Welche Therapien es gibt
  • Wie die Aussichten sind

Das Gute vorweg: Für die chronischen myeloischen Leukämie gibt es dauerhaft wirksame Therapien. Daher gilt die Erkrankung heute eher als chronische Veränderung des Knochenmarks. Die meisten Betroffenen haben einen normalen Alltag und eine gute Lebensqualität!

Dennoch kann es sinnvoll sein, dass Du Dich jetzt genauer mit der Krankheit beschäftigst und Dich informierst. So weißt Du genau, was jetzt wichtig ist und kannst Deinen Behandlungsweg positiv beeinflussen.

Die CML gehört zu den seltenen Krebsformen. In Deutschland kommt es jährlich zu etwa 1000 bis 1200 Neuerkrankungen. Sie kann in allen Altersstufen auftreten, am häufigsten trifft es jedoch Menschen im Alter von 50 bis 60 Jahren. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.

Was genau ist eine chronische myeloische Leukämie?

Leukämien nennt man Krebserkrankungen, bei denen im Knochenmark zu viele weiße Blutkörperchen produziert werden. Fachleute unterscheiden verschiedene Arten von Leukämien, je nachdem, welche Art von weißen Blutkörperchen betroffen sind und ob die Leukämie schnell oder langsam voranschreitet.

Die chronische myeloische Leukämie entsteht im Knochenmark. Dort hast Du Stammzellen, die für die Blutbildung zuständig sind. Diese funktionieren im Fall der CML nicht mehr normal und erzeugen viel zu große Mengen von weißen Blutzellen. Zunächst fällt das nicht weiter auf. Aber im Laufe der Jahre steigt die Zahl dieser weißen Blutzellen stark an, gleichzeitig werden andere Blutzellen, wie die roten Blutkörperchen, seltener gebildet.

Die Folge: Der Mangel an roten Blutkörperchen verursacht eine Blutarmut und Veränderungen der Blutplättchen stören die Blutgerinnung. Weiße Immunzellen drängen in großer Zahl aus dem Knochenmark in Dein Blut und können weitere Beschwerden verursachen.

Was machen eigentlich weiße Blutkörperchen?

Weiße Blutkörperchen haben viele Namen: Fresszellen, Killerzellen, Abwehrzellen, weiße Blutzellen oder Leukozyten, wie sie in der Fachsprache genannt werden. Sie fließen über die Blutbahnen durch Deinen ganzen Körper. Entdecken sie einen Krankheitserreger oder eine Zelle Deines Körpers, die nicht mehr richtig funktioniert, nehmen sie diese in sich auf und machen sie so unschädlich.

Was ist die Ursache von CML?

Bei mehr als 9 von 10 Menschen mit CML tragen die Krebszellen ein besonderes Merkmal, das sogenannte Philadelphia-Chromosom. Der Name stammt vom Ort der Entdeckung dieser Chromosom-Veränderung: Erstmals wurde diese verkürzte Form des Chromosoms 22 1960 in der US-amerikanischen Stadt Philadelphia beschrieben.

Auf dem Philadelphia-Chromosom haben sich Teile des Erbguts anders zusammengefügt und ein neues Gen erschaffen. Dieses neue Gen erzeugt ein besonderes Enzym, eine sogenannte Tyrosinkinase mit dem Namen BCR-ABL. Die Tyrosinkinase BCR-ABL ist für die unkontrollierte Vermehrung der Krebszellen verantwortlich.

Warum sich das Erbgut verändert und das neue Gen erzeugt, ist noch nicht abschließend erforscht. Radioaktive Strahlung und manche chemische Substanzen können das Risiko einer Erkrankung erhöhen. Die CML ist aber nicht erblich oder ansteckend.

Welche Symptome löst die CML aus?

Viele Menschen mit CML spüren die Erkrankung anfangs nicht. Oft dauert es Jahre, bis sich die ersten Beschwerden einstellen. Die Symptome weisen nicht unbedingt auf eine Leukämie hin, da sie auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Dazu gehören vor allem:

  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Leistungsminderung
  • Kurzatmigkeit
  • Appetitverlust und Gewichtsabnahme
  • Oberbauchbeschwerden durch eine vergrößerte Milz
  • Knochenschmerzen
  • Blässe
  • Fieber und Nachtschweiß
  • Depressive Verstimmung

Wie wird die CML diagnostiziert?

Da die Erkrankung anfangs kaum Beschwerden verursacht, handelt es sich meist um Zufallsbefunde: Häufig zeigt eine routinemäßige Untersuchung der Blutwerte, dass die Zahl der weißen Blutzellen stark erhöht ist. So wird CML oft in einem frühen Stadium erkannt.

Unter dem Mikroskop kann die Form und Zahl der Krebszellen erste Hinweise auf die Art der Erkrankung geben. Für die endgültige Diagnose muss Dein Behandlungsteam eine Probe aus dem Knochenmark entnehmen. Unter örtlicher Betäubung wird eine Spritze in den oberen Rand des Beckenknochens eingeführt. Der Eingriff erfolgt ambulant und dauert nur wenige Minuten, kann aber etwas unangenehm sein.

Fachleute begutachten die Zellen unter dem Mikroskop und untersuchen das Erbgut der weißen Blutzellen. Wenn sie das Philadelphia-Chromosom nachweisen, gilt die Diagnose CML als gesichert.

Wie verläuft die Erkrankung?

Der Verlauf der CML wird in drei Phasen eingeteilt.

  1. Chronische Phase

In der ersten, chronischen Phase verursacht die Erkrankung keine oder nur wenig Beschwerden. Da die Zahl der weißen Blutzellen bereits erhöht ist, kann die Erkrankung in diesem Stadium bereits zufällig bei Routineuntersuchungen auffallen.

  1. Akzelerierte Phase

In dieser Phase nehmen Deine Beschwerden zu und Dein Blutbild verschlechtert sich. Es treten vermehrt unreife Vorstufen der weißen Blutkörperchen auf. Im Erbgut der Krebszellen können zusätzliche Veränderungen auftreten.

  1. Blastenphase

Im Knochenmark entstehen zahlreiche unreife weiße Blutzellen oder ganz junge Zellen, die noch keine bestimmte Funktion haben, die sogenannten Blasten. Sie dringen in Dein Blut vor und stören die Funktion der normalen Blutzellen. Durch diese Verdrängung treten häufig Infektionen, Entzündungen, Blutungen und Blutarmut auf. Dein Allgemeinzustand verschlechtert sich deutlich. Diese Phase ähnelt einer akuten Leukämie.

Wie wird die CML behandelt?

Dein Behandlungsteam hat mehrere Optionen, Deine Erkrankung zu behandeln. Je früher die Diagnose erfolgt, desto besser sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Therapie. Doch auch fortgeschrittene Stadien lassen sich noch wirksam zurückdrängen. Zu den Optionen zählen:

  • Tyrosinkinasehemmer: Diese zielgerichteten Medikamente sind der Grundstein der Behandlung einer CML. Sie hemmen das Enzym BCR-ABL in den Krebszellen und ermöglichen in der Regel ein jahrzehntelanges Überleben.
  • Chemotherapie: In späteren Phasen der Erkrankung oder wenn es zu Rückfällen kommt, kann eine Chemotherapie den Krebs wirksam zurückdrängen.
  • Stammzelltransplantation: Eine hochdosierte Chemotherapie meist mit anschließender Ganzkörperbestrahlung kann Dein Knochenmark und damit alle Leukämiezellen restlos zerstören.Gespendete Stammzellen bauen Dein Blutsystem neu auf.

Die genannten Therapien können Beschwerden und Nebenwirkungen mit sich bringen. Welche Therapie für Dich die beste ist, wird Dein Behandlungsteam mit Dir besprechen.

Wie wird der Verlauf kontrolliert?

Ziel der Therapie ist es meist, die CML in eine beschwerdefreie, chronische Erkrankung zu überführen. Dein Behandlungsteam wird regelmäßig kontrollieren, ob die Therapie weiterhin wirkt und die Krebszellen zurück drängt.

Der medizinische Fachbegriff für den Rückgang der Leukämie lautet Remission. Eine vollständige Remission kann auf drei Arten bestimmt werden:

  • Hämatologische Remission: Das Blutbild und die Größe der Milz sind normal, alle Krankheitssymptome sind verschwunden.
  • Zytogenetische Remission: Im Knochenmark lässt sich kein Philadelphia-Chromosom mehr nachweisen.
  • Molekulare Remission: Moderne genetische Nachweismethoden geben keinen Hinweis auf Leukämiezellen.

Wie ist die Prognose?

In Vergleich zu anderen Leukämien hat die CML eine gute Prognose. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, kann ihr Fortschritt oft dauerhaft gestoppt werden. Deine Lebenserwartung und die Lebensqualität ist dann vergleichbar mit gesunden Personen. Auch spätere Phasen der Erkrankung können wirksam behandelt werden. Durchschnittlich leben 86 von 100 Frauen und 74 von 100 Männer noch mindestens fünf Jahre nach der Diagnose.

Zusammengefasst

Bei der CML entsteht im Knochenmark eine große Zahl weißer Blutzellen, die die Funktion des Blutsystems beeinträchtigen. Die Diagnose gilt als gesichert, wenn eine auffällige Veränderung im Erbgut, das sogenannte Philadelphia-Chromosom, entdeckt wird. Ein Gen auf dem Philadelphia-Chromosom dient auch als Ansatzpunkt für zielgerichtete Medikamente, die häufig die Krebszellen dauerhaft zurückdrängen können.

Das kannst Du tun

  • Informiere Dich gut über die Krankheit und ihren Verlauf.
  • Nimm regelmäßig Kontrolluntersuchungen wahr.
  • Teile neu auftretende Symptome frühzeitig Deinem Behandlungsteam mit.
  • Vermeide Stress und versuche, einen erholsamen und gesunden Lebensstil zu pflegen. Auch damit kannst Du zu einem positiven Krankheitsverlauf beitragen.
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Quellenangaben
  • Stiftung Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe, Chronische Myeloische Leukämie – Ratgeber für Patienten, Mai 2017, Broschüre, stiftung-dlh.de, www.leukaemie-hilfe.de
  • Bundesministerium für Gesundheit, Chronische myeloische Leukämie (CML), 14.08.2020, gesund.bund.de, abgerufen am 23.06.2021 von gesund.bund.de
  • Kompetenznetz Maligne Lymphome, Chronische myeloische Leukämie (CML), 05.10.2015, lymphome.de, abgerufen am 23.06.2021 von www.kompetenznetz-leukaemie.de
  • Bildnachweis: © wirojsid stock.adobe.com
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