Hilft mRNA-Impfstoff künftig auch bei Krebs?

Autor: Dr. Volker Henn • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
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Impfstoffe können dem Immunsystem helfen, gezielter gegen Krebs vorzugehen. Dies kann in Zukunft dabei helfen, die Wirkung anderer Therapieformen zu verstärken.

Nach dem Lesen des Artikels weißt Du:

  • Warum ein Impfstoff gegen Krebs helfen kann
  • Welche Vorteile mRNA-Impfstoffe bieten
  • Welche Erfolge bislang erzielt wurden
  • Was Krebs-Impfstoffe in Zukunft leisten könnten

Dieser Artikel wurde am 25.02.2021 aktualisiert.

Sicher hast Du bereits einiges über die mRNA-Impfstoffe gehört, die bei COVID-19 so wirksam sind. Was Du aber vielleicht nicht weißt: Diese Impfstoffe werden schon seit über 20 Jahren getestet, auch in der Krebstherapie. Bei manchen Patienten erzielten sie Erfolge, bei anderen nicht. Ein Beweis der Wirksamkeit steht noch aus.

Wie unterstützt eine Impfung die Krebstherapie?

Im Kampf gegen das Coronavirus sorgen Impfstoffe dafür, dass das Immunsystem den Erreger frühzeitig erkennt. Eine ähnliche Aufgabe hat auch die Impfung bei Krebs: Immunzellen sollen lernen, Tumore und normales Körpergewebe voneinander zu unterscheiden. Der Impfstoff kann den Zellen zeigen, auf welche Merkmale sie bei Krebs achten müssen.

Allerdings werden Impfstoffe gegen Viren vor der Infektion verabreicht, sie wirken vorbeugend und können die Erkrankung verhindern. Impfstoffe gegen Krebs hingegen können die Entstehung von Krebs nicht verhindern. Sie werden erst nach Auftreten der Erkrankung eingesetzt und sollen die Behandlung unterstützen.

Welche Vorteile haben mRNA-Impfstoffe?

Jeder Krebs ist anders. Und so weist auch jeder Krebs andere Merkmale auf seiner Oberfläche auf. Forscher können das Erbgut genau analysieren und herausfinden, in welchen Merkmalen sich der Tumor vom umliegenden Gewebe unterscheidet. Dieses Wissen hilft, einen Impfstoff zu entwickeln.

Wahrscheinlich wirken Impfstoffe, die maßgeschneidert für einzelne Patienten hergestellt werden. Die technischen Voraussetzungen dafür gibt es schon länger, aber es bleibt ein sehr komplizierter Prozess. mRNA-Impfstoffe vereinfachen diesen Prozess in der Theorie deutlich, da sie:

  • sich schnell und günstig herstellen lassen
  • problemlos an einzelne Patienten angepasst werden können
  • gut von Körperzellen aufgenommen werden
  • sehr wirksam sind
  • kein Erkrankungsrisiko darstellen
  • nur geringe Nebenwirkungen haben

Was wurde bislang erforscht?

mRNA-Impfstoffe werden seit Mitte der neunziger Jahre an Tieren getestet, seit 2008 auch am Menschen. Seitdem wurden einige Studien gestartet, die sich mit unterschiedlichen Formen von Krebs beschäftigten. Die Resultate waren nicht einheitlich, aber ein grundsätzlich positiver Trend ist erkennbar: Impfungen können eine positive Wirkung haben, die aber nicht besonders stark ist.

Positiv ist jedoch, dass mRNA-Impfstoffe eine Immunantwort gegen bestimmte Krebsmerkmale auslösen können. Es bleibt jedoch unklar, ob die Immunantwort dauerhaft hilft und ob sie besser wirkt als andere Therapien. Trotz intensiver Forschung kommt die Entwicklung hier nur langsam voran.

Was können Impfstoffe gegen Krebs leisten?

Viele Forscher hoffen, dass Impfungen in Zukunft die Krebstherapie voranbringen können. Allerdings werden die Impfstoffe wohl nicht eigenständig wirken, sondern andere Therapieformen unterstützen. Möglich wäre beispielsweise eine Kombination mit den Checkpoint-Inhibitoren, da sich die Wirkungen gegenseitig ergänzen: Impfstoffe machen den Krebs sichtbar, Checkpoint-Inhibitoren verstärken den Angriff der Immunzellen.

Zudem wird Krebs wohl nicht in jeder Form und jedem Stadium behandelbar sein. So setzen manche Studien die mRNA-Impfstoffe erst nach einer erfolgten Behandlung ein, um die Rückkehr des Tumors oder das Auftreten neuer Metastasen zu unterdrücken. Diese Studien benötigen noch viel Zeit. Es wird daher selbst im besten Fall noch Jahre dauern, bis mRNA-Impfstoffe auch in der Krebstherapie eingesetzt werden.

Zusammengefasst

Impfstoffe können das Immunsystem auf den Krebs aufmerksam machen. Es ist aber noch jahrelange Forschung notwendig.

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Quellenangaben
  1. Blass, E., & Ott, P. A. (2021). Advances in the development of personalized neoantigen-based therapeutic cancer vaccines. Nature Reviews Clinical Oncology, 1–15. https://doi.org/10.1038/s41571-020-00460-2
  2. Pardi, N., Hogan, M. J., Porter, F. W., & Weissman, D. (2018). mRNA vaccines – A new era in vaccinology. Nature Reviews Drug Discovery, 17(4), 261–279. https://doi.org/10.1038/nrd.2017.243
  3. Sahin, U., & Türeci, Ö. (2018). Personalized vaccines for cancer immunotherapy. Science, 359(6382), 1355–1360. https://doi.org/10.1126/science.aar7112
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