Fortschritte in der Leukämietherapie

Autor: Dipl. Biol. Esther Witte • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
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Eine chronische lymphatische Leukämie bedeutet oft lebenslange Medikamenteneinnahme. Spezifische Kombinationstherapien könnten dies ändern.

Es gibt einige Krebsarten, die nur schwer zu behandeln sind. Eine davon ist die chronische lymphatische Leukämie (Blutkrebs), die weniger aggressiv als die akute Leukämie ist, dafür aber dauerhaft behandelt werden muss. Patienten mit chronischer Leukämie bemerken die Krankheit oft lange Zeit gar nicht, bis der Arzt sie im Zuge einer Routineuntersuchung feststellt. Die Symptome sind sehr unspezifisch und reichen von einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Blässe, Nachtschweiß, Blutungsneigung, Gewichtsverlust bis hin zu vergrößerter Milz und Leber.

Eine Heilung ist nur durch eine Knochenmarktransplantation möglich, die allerdings ein risikoreicher Eingriff ist und nicht für jeden Patienten geeignet ist. Deswegen wird die chronische Leukämie meist mit Medikamenten behandelt, die den Krebs am Wachstum hindern und die Symptome lindern. Die möglichen Medikamente ermöglichen zwar häufig ein langes Überleben, den Krebs komplett heilen können sie aber in der Regel nicht. Da die Medikamente lebenslang eingenommen werden müssen, muss Dein Arzt Dich und Dein Blut regelmäßig untersuchen. Außerdem können die Medikamente z.T. einschränkende Nebenwirkungen, wie Fieber, chronischer Müdigkeit und Schmerzen verursachen [1].

Eines der gängigsten Medikamente gegen eine chronisch lymphatische Leukämie und meist das Mittel der ersten Wahl ist Ibrutinib. Es greift ein bestimmtes Enzym an, das nur von Leukämiezellen gebildet wird. Ibrutinib kann zwar das Wachstum der Krebszellen verhindern, aber den Krebs in der Regel nicht gänzlich besiegen. Neben der lebenslangen Einnahme birgt eine Monotherapie wie diese leider auch immer die Gefahr, dass sich Resistenzen in den Krebszellen bilden und die Therapie am Ende nicht mehr wirkt. All das könnte sich in Zukunft ändern [2].

Forscher der österreichischen Akademie der Wissenschaften haben sich in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien Gedanken gemacht, wie man die Leukämie-Patienten effektiver und zugleich schonender behandeln kann. Herausgekommen ist eine Studie, die zeigt, wie man durch Genanalysen und engmaschiges Monitoring die jeweils bestmöglichen Therapieoptionen kombinieren, den Krebs in Schach halten und zugleich eine gute Lebensqualität erhalten könnte.

Epigenetische Analysen und automatische Mikroskopie

Die Forscher wussten zu Beginn der Studie, dass im Krankheitsverlauf bei manchen Patienten in den erkrankten Blutzellen genetische Veränderungen auftreten können [3]. Diese Veränderungen können natürlich auch Einfluss auf die Wirksamkeit der Medikamente haben. Also haben sie die mit Ibrutinib behandelten Patienten engmaschig überwacht und ihnen vor und während der Behandlung Blut abgenommen, um eventuelle genetische Veränderungen in den bereits geschwächten Leukämiezellen aufdecken zu können. Sobald eine charakteristische Veränderung identifiziert werden konnte, musste mit Hilfe der Mikroskopie aus dem Pool der möglichen Therapeutika die wirksamste Kombination herausgefunden werden. Die Idee dabei war, den Leukämiezellen durch eine gezielte Anschlusstherapie massiven Schaden zu zufügen und gleichzeitig Resistenzen, schwerwiegende Nebenwirkungen und so die lebenslange Einnahme der Medikamente zu vermeiden. Denn durch die gezielten Kombinationen können Resistenzen vermieden werden. Einfach haben sich es die Forscher nicht gemacht, denn sie mussten dabei eine große Anzahl von Medikamenten parallel und effektiv nach vielversprechenden Kombinationen durchsuchen. Es ist gut möglich, dass in den kommenden Jahren diese Methode weiter ausgebaut wird und so eine weitere Möglichkeit für die Auswahl der Behandlung darstellen wird.

Arzt-Patienten-Kommunikation

Du bist mit Deiner Krankheit nicht alleine und dennoch bist Du damit einzigartig. Daher werden bei der Therapieauswahl auch immer Dein körperlicher Allgemeinzustand, Deine Gesamtsituation und eventuelle Vorbehandlungen und -erkrankungen berücksichtigt werden. Für manche Patienten kann es besser sein, mit einer risikoärmeren bzw. nebenwirkungsärmeren, dafür aber dauerhaften Erhaltungstherapie behandelt zu werden. Andere wiederum sind körperlich eher für eine der stärkeren Therapien geeignet. Auf jeden Fall soll mit der Therapie Deine persönliche, bestmögliche Lebensqualität erzielt werden. Besprich mit Deinem Arzt also in Ruhe die Vor- und Nachteile aller möglichen Therapieabläufe und nimm Dir für die Entscheidung Zeit.

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Quellenangaben
  1. Krebsinformationsdienst. (2020). Leukämie (Blutkrebs) bei Erwachsenen. Abgerufen am 23.03.2021. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/leukaemien/index.php
  2. Schweng, Eva, 28.01.2019, Leukämie-Therapie: Doppelt hält besser, abgerufen am 18.07.2019 von https://idw-online.de/de/news709540
  3. Marquardt, Vera, 21.03.2017, Therapie chronischer Leukämien, abgerufen am 18.07.2019 von https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/leukaemie/therapie/therapie-chronischer-leukaemien.html
  4. Schmidl, C. et. al., Nat Chem Biol. 2019 Mar;15(3):232-240, Combined chemosensitivity and chromatin profiling prioritizes drug combinations in CLL, abgerufen am 17.07.2019 von https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30692684
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