Fakten-Check: Kann Stress das Krebswachstum beeinflussen?

Autor: Dr. Volker Henn • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
Lesedauer ca. 5 Minuten
Teile diesen Artikel
Lesedauer ca. 5 Minuten

Ein Zusammenhang zwischen Stress und Krebs ist wissenschaftlich nicht belegt. Warum solltest Du lang anhaltenden negativen Stress dennoch vermeiden oder verarbeiten?

In diesem Artikel erfährst Du:

  • wie Stress die Krebsabwehr hemmen könnte
  • welche Stress-Signale das Wachstum von Krebszellen fördern können
  • warum stress ungesundes Verhalten fördert

Fast jeder kennt das Gefühl von negativem Stress, etwa jeder vierte Deutsche leidet sogar häufig darunter. Chronische Anspannung setzt auch dem Körper zu.
Die Gründe:

  • Erschöpfung wird durch Stress begünstigt.
  • Deine Anfälligkeit für Infektionen steigt.
  • Langfristig steigt das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken.


Fördert Stress das Wachstum von Krebs?

Theorien gibt es in diesem Bereich viele, wissenschaftliche Beweise jedoch nicht. Einerseits zeigen Labor- und Tierversuche, dass Stress das Krebsrisiko steigern könnte. Andererseits führen große Studien mit Menschen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Aktuell kann nicht abschließend beantwortet werden, ob Stress ein direkter Risikofaktor für eine Krebsentstehung ist.

Zwar ist ein Zusammenhang mit Krebs nicht bewiesen. Dennoch solltest Du dauerhaften negativen Stress möglichst vermeiden, da er Deinen Körper zusätzlich belastet.

Hinweis: Am Ende des Artikels findest Du Details zu den Forschungsergebnissen!

Was kannst Du tun?

Bei chronischem Stress – oder auch gerade nach einer Krebsdiagnose – fällt es oft schwer, einen Weg zur Entspannung zu finden. Ein erster Schritt kann für Dich darin bestehen, sehr aufmerksam mit Dir selbst umzugehen. Auch Unterstützung von außen ist oft sehr sehr hilfreich.

Anleitungen zum Stressabbau sind heute ein wichtiger Teil der Krebstherapie. Diese Unterstützung hilft vielen Menschen, die belastende Situation einer Krebserkrankung leichter zu meistern.

Hier findest Du Unterstützung:

  • Suche das Gespräch mit Deinem Behandlungsteam.
  • Wende Dich an Krebsberatungsstellen.
  • Besuche Kurse zum Stressabbau wie Meditation und Yoga. Viele Übungen findest Du auch direkt hier in der Mika App.

Doch auch im Alltag kannst Du die richtigen Weichen stellen. Vielleicht hast Du Verhaltensweisen angenommen, die scheinbar den Stress lindern – das Problem langfristig jedoch nur verstärken. Achte daher auf einen gesunden Lebensstil:

  • Vermeide Alkohol und Tabak.
  • Achte auf eine ausgewogene Ernährung.
  • Sorge für ausreichend körperliche Bewegung.

Plane Dir bewusst auch immer wieder Ruhe- und Besinnungsphasen ein. Oder, wenn die Gedanken kreisen, dann kann es auch eine gute Idee sein, nach Ablenkung zu suchen. Stressmanagement kann hier für jede Person und jede Situation anders aussehen.

Wichtig ist, dass Du Dich selbst beobachtest und danach guckst, was Dir wann guttut.


Zahlen & Fakten – mehr Details zum Thema
Stress kann die körpereigene Krebsabwehr hemmen

Viele Forschungsteams beschäftigen sich mit dem Zusammenhang zwischen Stress und Krebs. Ihr Interesse konzentriert sich oft auf das Immunsystem: Viele Abwehrfunktionen sind in einem chronisch gestressten Körper nur noch eingeschränkt aktiv. Es ist denkbar, dass eine geschwächte Immunabwehr auch die Ausbreitung von Krebs begünstigt. Labor- und Tierversuche lieferten dazu einige Hinweise:

  • Geschwächte Immunzellen können den Krebs nicht erkennen oder beseitigen.
  • Wiederkehrende Infektionen können chronische Entzündungen auslösen, die das Wachstum von Krebs fördern.
  • Stresshormone können Zellen daran hindern, Schäden am Erbgut zu reparieren und so der Entstehung von Krebs vorzubeugen.
  • Manche Forscherinnen und Forscher vermuten, dass Tumore die Signale von Stresshormonen auffangen und für das eigene Wachstum nutzen.

Studien mit Menschen haben jedoch keine eindeutigen oder widersprüchliche Ergebnisse geliefert. Um aussagekräftige Ergebnisse zu liefern, müssen Menschen viele Jahre untersucht werden. Es ist also auch methodisch herausfordernd, belastbare Belege beim Menschen zu erstellen.


Stress fördert Verhalten, dass die Gesundheit schädigt

Du kennst es vielleicht aus eigener Erfahrung: Stress fördert ungesunde Verhaltensweisen. Unter ständiger Anspannung entwickeln viele Menschen ungesunde Gewohnheiten, um Spannung abzubauen. Letztlich lindern diese Gewohnheiten kurzfristig, schaden aber mittel- und langfristig der Gesundheit.

Dazu gehören vor allem:

  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
  • ungesunde Ernährung
  • Bewegungsmangel

Jeder dieser Faktoren steigert auch das Risiko einer Krebserkrankung – ein indirekter Einfluss von Krebs auf Stress ist daher denkbar. Letztlich gilt aber auch hier: Es ist wissenschaftlich sehr schwer, den Anteil von Stress an der Entstehung von Krebs genau zu bestimmen. Studien mit Menschen konnten daher noch keinen überzeugenden Beweis liefern.

Zusammengefasst

Chronischer Stress könnte das Immunsystem hemmen und so die Verbreitung von Krebszellen erleichtern. Gestresste Menschen greifen zudem häufiger zu Alkohol und Tabak – bekannte Risikofaktoren für Krebs. Doch trotz vieler Hinweise ist es nicht zweifelsfrei bewiesen, dass Stress an der Entstehung von Krebs beteiligt ist.

Für Dein allgemeines Wohlbefinden und die Unterstützung Deiner Therapien ist es dennoch immer eine gute Idee, Stress so gut es geht zu vermeiden und Wege zu finden, Stress abzubauen.

Hast Du auch eine Gesundheitsfrage aus Deinem Alltag, über die Du nachgrübelst und für die Du Dir einen Fakten-Check wünschst? Dann schreibe der Mika-Redaktion eine Mail an content@fosanis.de.
Deine Frage landet in der Themenplanung für die nächsten Mika-Fakten-Checks und wird geprüft. Danke für Deine Mithilfe!

Teile diesen Artikel
Diese Artikel könnten Dich auch interessieren.
Quellenangaben
  1. Deutsches Krebsforschungszentrum, Stress und Krebsrisiko: Gibt es einen Zusammenhang?, Stand 02.10.2017, krebsinformationsdienst.de, abgerufen am 20.04.2022 von https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/stress.php
  2. Chen, G., Qiu, L., Gao, J., Wang, J., Dang, J., Li, L., Jin, Z., & Liu, X. (2021). Stress Hormones: Emerging Targets in Gynecological Cancers. Frontiers in Cell and Developmental Biology, 9, 699487. https://doi.org/10.3389/fcell.2021.699487
  3. Z. Adriana, Tragen psychosoziale Stressfaktoren zum Ausbruch, Fortschreiten oder Überleben von Krebs bei?, 05.01.2022, Prim Hosp Care Allg Inn Med, https://primary-hospital-care.ch/article/doi/phc-d.2022.20069
  4. Techniker Krankenkasse, Entspann dich, Deutschland!, TK-Stressstudie 2021, https://www.tk.de/resource/blob/2116464/9ff316aaf08870ed54aa8a664502ac67/2021-stressstudie-data.pdf
  5. © Krakenimages.com – stock.adobe.com
Klinische Forschung
Wirksamkeit von Mika in klinischer Studie nachgewiesen
Medizinprodukt
Mika ist ein Medizinprodukt nach deutschem Medizinproduktegesetz
Sicherheit
Wir arbeiten nach höchsten Datenschutz-Richtlinien

Schweres leichter machen

Mach mit in deiner Mika-App!
Gezieltes Training
gegen Fatigue mit Video-Anleitung
Image

Image
Image