Fakten-Check: Wieso ist Krebs noch nicht geheilt?

Autor: Dr. Volker Henn • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
Lesedauer ca. 7 Minuten
Teile diesen Artikel
Lesedauer ca. 7 Minuten

Die moderne Medizin hat viel ermöglicht: Herzen werden verpflanzt, Kinder können vor tödlichen Erbkrankheiten bewahrt werden und smarte Prothesen helfen nach Amputationen. Aber wieso gibt es dann kein „Allheilmittel“ gegen Krebs?

In diesem Artikel erfährst Du:

  • wieso Krebs zu behandeln, eine Herausforderung ist
  • welche Fortschritte die Krebstherapie in den letzten Jahrzehnten gemacht hat
  • warum die Pharmaindustrie kein „Heilmittel“ vor uns geheim hält

Die Krebsforschung der letzten Jahrzehnte hat große Schritte gemacht: Therapien sind wirksamer und verträglicher geworden und es gibt neue, vielversprechende Behandlungsmöglichkeiten. In immer mehr Fällen wird Krebs eher als chronische Krankheit verstanden, denn als akute Erkrankung.

Dennoch bleibt Krebs komplex: Tumore verhalten sich bei jedem Betroffenen anders. Das Erbgut in Zellen kann sich auf unzählige Arten krankhaft verändern. So können aus unterschiedlichen Geweben bei unterschiedlichen Menschen eine schier endlose Zahl an verschiedenen Krebsarten ausbilden. Sie alle haben spezielle Eigenschaften.

Bei einem Menschen wachsen und verbreiten sich Krebszellen womöglich sehr schnell, bei einem anderen schreitet die Krebserkrankung hingegen ganz langsam voran. Es kann daher auch kein „Allheilmittel“ gegen Krebs geben. Jeder Mensch mit Krebs benötigt eine Behandlung, die genau auf seine Erkrankung zugeschnitten ist.

Was kannst Du tun?

Es ist wichtig, dass Du Dich vertrauensvoll an Dein Behandlungsteam wenden kannst und mit ihm gemeinsam die notwendigen Entscheidungen triffst. Wenn Du Deiner Erkrankung aktiv entgegentrittst, kannst Du die Therapie nicht nur mitgestalten, sondern zusätzlich unterstützen und zu deren Erfolgschancen beitragen.

Zahlen und Fakten – Wissen im Detail: Warum ist Krebs so hartnäckig?

Krebs entsteht aus Zellen Deines Körpers. So verfügt er über alle Möglichkeiten, die auch Deine Körperzellen auszeichnen – manchmal sogar noch einige mehr. Als Folge weisen Tumore Eigenschaften auf, die die Medizin vor große Herausforderungen stellen:

  • Vielfalt: Es gibt mehr als 200 verschiedene Krebsarten. 500 bis 1000 verschiedene Gene für die Entwicklung von Krebs wurden bislang entdeckt. Und dabei hat die Forschung noch nicht alles entdeckt. Sogar innerhalb eines Tumors können die Zellen unterschiedliche Eigenschaften haben.
  • Ähnlichkeit: Oft genügen sehr kleine Veränderungen der Gene Deiner Zellen, damit Krebs entsteht. Die Unterschiede zwischen Tumor und Körpergewebe können so gering sein, dass Medikamente keinen passenden Angriffspunkt finden.
  • Wandelbarkeit: Krebszellen passen sich ständig an ihre Umgebung an. Sie können dabei die Fähigkeit entwickeln, sich der Wirkung von Medikamenten zu entziehen.

Jede Therapie stößt an Grenzen

Tumore verfügen über zahlreiche Möglichkeiten, den Folgen einer Therapie zu entgehen. Eine einzelne Methode reicht oft nicht aus, um alle Krebszellen zu beseitigen. Sie stößt häufig an folgende Grenzen:

  • Eine örtliche Behandlung verfehlt einzelne Krebszellen, die sich nicht im Behandlungsfeld befinden. Das kann hin und wieder der Fall sein. Und bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung haben sich Krebszellen möglicherweise bereits zu anderen Orten im Körper ausgebreitet, wo eine OP oder Bestrahlung nicht eingesetzt werden kann.
  • Es gibt Therapien, die im ganzen Körper wirken. Sie werden systemische Therapien genannt. Beispiele sind Chemotherapie oder Anti-Hormontherapie. Sie beeinflussen auch gesundes Körpergewebe, wodurch Nebenwirkungen entstehen. Systemische Therapien müssen also die Waage zwischen der erwünschten Wirkung auf Krebszellen und Nebenwirkungen halten. Das bietet manchen Krebszellen die Chance, zu überleben.
  • Zielgerichtete Medikamente richten sich gegen ausgewählte Schwachpunkte der Krebszellen. Jeder Tumor enthält jedoch viele unterschiedliche Krebszellen. Einige von ihnen werden möglicherweise nicht von den Medikamenten getroffen. Gleichzeitig können die Merkmale, gegen die sich die zielgerichteten Medikamente richtigen, auch gesunde Zellen beeinträchtigen. Das liegt daran, dass Krebszellen den Körperzellen ähnlich sind.

Auch wenn Krebs als Erkrankung viele Herausforderungen bereithält – Forscherinnen und Forscher fanden in den letzten Jahren viele Wege, um Therapien effektiver zu machen oder entdeckten gar neue Behandlungsmöglichkeiten.


Drei neuere Therapieformen

In den letzten Jahren wurden neue Therapieformen eingeführt, die die Überlebensraten bei manchen Erkrankungen erhöhen können. So zum Beispiel:

  • Checkpoint-Hemmer: Die Wirkstoffe lösen eine Bremse im Immunsystem, die Krebszellen nutzen, um sich vor dem Immunsystem zu verstecken. Sie werden unter anderem bei Haut-, Lungen- und Nierenzellkrebs eingesetzt.
  • CAR-T-Zellen: Körpereigene Immunzellen werden genetisch verändert. So können sie bestimmte Krebszellen erkennen und angreifen. Die Therapie ist derzeit für fortgeschrittene Lymphome, Leukämien und Myelome zugelassen.
  • Virotherapie: Gentechnisch veränderte Viren befallen den Tumor und zerstören ihn. Sie verschonen aber weitgehend gesundes Gewebe und lösen keine Krankheiten aus.


Fortschritte in der Krebstherapie verlängern Leben

Auch wenn nicht jeder Krebs heilbar ist – neue und bessere Behandlungsmöglichkeiten führen zu vielen Erfolgen. Dies zeigt eine Studie aus den USA, die die 5-Jahres-Überlebensraten nach einer Diagnose zwischen 1975 und 1999 und nach Diagnose zwischen 2000 und 2018 vergleicht. Hierfür wurden große Datenbanken und Register ausgewertet.

Bei zwei Krebsarten waren die Fortschritte besonders deutlich:

  • Brustkrebs: So stieg die Überlebensrate von 75 von 100 Patientinnen auf heute 90 von 100 Patientinnen, auch dank der Fortschritte bei der Hormontherapie.
  • Hodenkrebs: Eine verbesserte Chemotherapie in fortgeschrittenen Stadien führte dazu, dass die Überlebensrate von 83 von 100 Patienten auf heutzutage 95 von 100 Patienten anstieg.

Halten Pharmafirmen eine heilende Therapie zurück?

Vielleicht hast Du von dieser Behauptung gehört: Krebs sei heilbar, aber Pharmafirmen würden das verheimlichen – weil sie um ihren Profit fürchten. Hier drei der wichtigsten Gründe, warum die Behauptung falsch ist:

  • Es gibt keine Therapie, die jeden Krebs heilt – dafür gibt es zu viele Krebsarten und zu viele genetische Varianten.
  • Krebsforschung findet häufig an öffentlichen Instituten statt, die sich mit einer Verheimlichung von Therapien selbst schaden würden. Zudem forschen unzählige Wissenschaftler weltweit an Krebs – unmöglich, Durchbrüche geheim zu halten.
  • Jede zurückgehaltene Therapie bedeutet einen Verlust an Einnahmen. Denn jedes neue Medikament kostet die Entwickler des Medikaments mehrere Millionen an Forschungsgeldern. Es muss nämlich ausführlich geprüft und erforscht werden, bis es eingesetzt werden kann. Die Firmen würden sich mit einer Verheimlichung also selbst schaden, weil sie ohne die Einnahmen durch den späteren Verkauf des Medikaments diese großen Ausgaben nicht wieder reinholen könnten.

Zusammengefasst

Es gibt über 200 Krebsarten. Und jede Krebsart kann sich bei unterschiedlichen Menschen anders entwickeln. Es gibt daher nicht die eine Therapie, die gegen jeden Tumor hilft. Aber Fortschritte in der Krebsforschung ermöglichen immer wirksamere, schonende und auch neue Behandlungsmöglichkeiten.

Das kannst Du tun

  • Informiere Dich über Deine Erkrankung und die Behandlung. Wenn Du Zusammenhänge kennst, kannst Du Deine Therapie und Deinen Körper noch besser unterstützen.
Teile diesen Artikel
Diese Artikel könnten Dich auch interessieren.
Quellenangaben
Klinische Forschung
Wirksamkeit von Mika in klinischer Studie nachgewiesen
Medizinprodukt
Mika ist ein Medizinprodukt nach deutschem Medizinproduktegesetz
Sicherheit
Wir arbeiten nach höchsten Datenschutz-Richtlinien

Schweres leichter machen

Mach mit in deiner Mika-App!
Gezieltes Training
gegen Fatigue mit Video-Anleitung
Image

Image
Image