Image

Fakten-Check: Wie krebserregend ist alte Sonnencreme?

Autor: Dr. Volker Henn • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
Lesedauer ca. 6 Minuten

In manchen Sonnencremes reichern sich nach einiger Zeit bedenkliche Substanzen an. Wie gefährlich ist das?

In diesem Artikel erfährst Du:

  • ob eine alte Sonnencreme das Krebsrisiko erhöht
  • welcher Inhaltsstoff möglicherweise bedenklich ist
  • welche Sonnencremes empfehlenswert sind
  • wie Du Dich wirksam vor schädlicher UV-Strahlung schützt

Dieser Artikel wurde am 13.07.2022 veröffentlicht.

Vielleicht hast auch Du schon gehört, dass es gefährlich sein könnte, alte Sonnencremes zu benutzen. Stimmt das? Musst Du Dir Sorgen machen? Lieber die halbvolle Tube aus dem letzten Jahr wegschmeißen?

Fakt ist: Einige Sonnencremes enthalten den UV-Filter Octocrylen, der Deine Haut vor der Sonne schützt. Wird Octocrylen länger gelagert, entstehen geringe Mengen einer Substanz mit Namen Benzophenon. In Tierversuchen kann diese Substanz Krebs verursachen, wenn sie unter das Futter gemischt wird. Aus diesem Grund wird Benzophenon als möglicherweise krebserregend eingestuft.

Anders könnte es sein, wenn Benzophenon nicht geschluckt wird, sondern ausschließlich mit der Haut in Kontakt kommt: Für diese Situation fehlen Daten.

Ist alte Sonnencreme also doch nicht so schlimm?

Eine Sonnencreme mit bedenklichen Substanzen – damit reibst Du Dich sicher nur ungern ein. Doch wenn Du eine frische Creme mit Octocrylen nur wenige Male nutzt, bleibt auch das Risiko gering. Es gibt keinen direkten Beweis, dass Deine Haut dabei Schaden nimmt – oder sogar Krebs entsteht. Dies gilt auch, wenn Du bereits an Krebs erkrankt bist.

Eindeutig belegt ist hingegen, dass die UV-Strahlen der Sonne erhebliche Schäden verursachen können. Sie können das Erbgut der Hautzellen verändern und nach vielen Jahren Krebs hervorrufen. Du solltest Deine Haut nie ohne Schutz der Sonne aussetzen.

Wie sollst Du Dich verhalten?

Fachleute des Krebsinformationsdienstes in Heidelberg raten:

  • Verwende lieber eine alte Sonnencreme als gar keine!
  • Sorge rasch für frischen Nachschub.
  • Kaufe Sonnencreme ohne den Inhaltsstoff Octocrylen. Du findest mittlerweile eine reiche Auswahl an Sonnencremes, die auf diesen UV-Filter verzichten. Suche auf der Verpackung unter „Ingredients“ nach „octocrylene“ – falls der Eintrag nicht auftaucht, ist die Creme in diesem Punkt unbedenklich.

Was ist mit Naturkosmetik?

Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet vollständig auf chemische Substanzen. Als UV-Filter kommen nur Pigmente wie Titandioxid und Zinkoxid zum Einsatz. Diese sind unbedenklich und lange lagerbar.

Allerdings hat eine deutsche Verbraucherorganisation gezeigt, dass die Mehrzahl der Naturkosmetika nicht den versprochenen Lichtschutzfaktor aufweist: Ein wirksamer Schutz vor UV-Strahlen ist unter diesen Umständen kaum möglich.

______

Zahlen und Fakten – Wissen im Detail


Was sagen Studien?

Im Jahr 2021 haben Forscher und Forscherinnen aus Frankreich sechzehn beliebte Sonnencremes untersucht, die den UV-Filter Octocrylen enthielten. Octocrylen ist nicht stabil. Das heißt, es zerfällt bei längerer Lagerung und erzeugt die Substanz Benzophenon, die als möglicherweise krebserregend gilt. Schon beim Kauf enthielten alle Sonnencremes geringe Mengen dieser Substanz. Nach einem Jahr hatte sich die Menge von Benzophenon etwa verdoppelt.Das Studienteam wendete sich mit dieser Beobachtung an Aufsichtsbehörden. Sie forderten, dass Sonnencremes zügig überprüft werden sollen.

Zuvor hatten zwei andere Studien gezeigt, dass Benzophenon in Tierversuchen Krebs auslösen kann. Bei den Tieren traten Tumore in Leber und Niere sowie Leukämien und Lymphome auf. Das war aber nur der Fall, wenn die Tiere Benzophenon über ihr Futter aufgenommen hatten. Es gibt keine Daten, dass ein Kontakt mit der Haut zu Krebs führt. Zudem gibt es keine Studien, die beim Menschen einen Zusammenhang zwischen Benzophenon und Krebs nachweisen. Unter Berücksichtigung aller verfügbaren Daten wird Benzophenon deshalb international als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft.

Ob nun Octocrylen wiederum ein Krebsrisiko für den Menschen darstellt, darüber streiten sich Fachleute noch. Vorsichtshalber solltest Du auf Sonnencremes mit dem UV-Filter Octocrylen verzichten. Bisher gibt es aber keine Daten dafür, dass alte Sonnencremes mit Octocrylen Krebs hervorrufen.

Wie schützt Du Dich richtig vor der Sonne?

Die UV-Strahlen der Sonne können schwarzen und weißen Hautkrebs verursachen – Du solltest das Risiko nicht unterschätzen.

Wichtig: Gehe an sonnigen Tagen nicht ohne Sonnenschutz ins Freie. Behalte im Hinterkopf: Keine Sonnencreme kann Dich vollständig vor den UV-Strahlen schützen. Nutze deshalb vor allem in der Mittagssonne:

  • Kopfbedeckungen
  • Sonnenbrillen
  • langärmelige Kleidung
  • schattige Plätze

So wendest Du Sonnencreme richtig an:

  • Nutze Sonnencremes mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 20. Je mehr Sonne und je heller Deine Haut, desto höher sollte der Lichtschutzfaktor sein.
  • Trage die Sonnencreme 20 bis 30 Minuten vor dem Aufenthalt im Freien auf.
  • Verwende ausreichend Creme: Für den ganzen Körper benötigst Du etwa vier gehäufte Esslöffel.
  • Erneuere den Sonnenschutz nach dem Baden und Abtrocknen.
  • Kaufe jedes Jahr eine frische Sonnencreme: Viele UV-Filter verlieren mit der Zeit ihre Schutzwirkung.

Zusammengefasst

In alten Sonnencremes mit dem UV-Filter Octocrylen findet sich vermehrt eine Substanz, die in Tierversuchen Krebs auslöst. Daten beim Menschen gibt es nicht. Die kurzzeitige Nutzung einer alten Sonnencreme ist vermutlich weniger riskant als die Folgen eines Sonnenbrands. Du solltest dennoch vorsichtshalber nur frische Sonnencremes verwenden und Produkte mit dem Inhaltsstoff Octocrylen meiden.

Das kannst Du tun

  • Setze Dich nicht ungeschützt der Sonne aus.
  • Vermeide Sonnencremes mit dem UV-Filter Octocrylen.
Quellenangaben
  • Verbraucherzentrale NRW, Krebserregender Stoff in alter Sonnencreme?, 23.12.2021, abgerufen am 30.06.2022 von https://www.verbraucherzentrale.nrw/schadstoffe/kosmetik/projekt-schadstoffberatung/schadstoffberatung-kosmetik/krebserregender-stoff-in-alter-sonnencreme-58458
  • Deutsches Krebsforschungszentrum, Sonnencreme – was ist zu beachten?, Stand 20.05.2021, krebsinformationsdienst.de, abgerufen am 30.06.2022 von https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2021/news029-pressemitteilung-sonnencreme-uv-schutz.ph
  • Stiftung Warentest, Sonnenschutzmittel im Test: Testergebnisse für 20 Sonnenschutzmittel für Erwachsene, 24.06.2022, abgerufen am 30.06.2022 von https://www.test.de/Test-Sonnencreme-und-Sonnenspray-fuer-Erwachsene-4868984-5043936/
  • Downs, C. A., DiNardo, J. C., Stien, D., Rodrigues, A. M. S., & Lebaron, P. (2021). Benzophenone Accumulates over Time from the Degradation of Octocrylene in Commercial Sunscreen Products. Chemical Research in Toxicology, 34(4), 1046–1054 https://doi.org/10.1021/acs.chemrestox.0c00461
  • #Surber, C. (2021). Letter to the Editor Regarding Benzophenone Accumulates over Time from the Degradation of Octocrylene in Commercial Sunscreen Products. Chemical Research in Toxicology, 34(9), 1935–1937. https://doi.org/10.1021/acs.chemrestox.1c00201
  • Bildnachweis: © sosiukin – stock.adobe.com
Sicherheit
Wir arbeiten nach höchsten Datenschutz-Richtlinien
Medizinprodukt
Mika ist ein Medizinprodukt nach deutschem Medizinproduktegesetz
Entwickelt mit Expert:innen
Wir arbeiten nach höchsten Datenschutz-Richtlinien

Schweres leichter machen

Mach mit in deiner Mika-App!
Gezieltes Training
gegen Fatigue mit Video-Anleitung
Image

Image
Image