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Fakten-Check: Ist Strahlung von Mikrowelle, Handy & Co. für Dich gefährlich?

Autor: Dr. Volker Henn • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
Lesedauer ca. 12 Minuten

In Deiner Umwelt gibt es viele verschiedene Arten von Strahlungen. Können sie Deine Erkrankung negativ beeinflussen?

In diesem Artikel erfährst Du:

  • welche Strahlen auf Deinen Körper wirken
  • wieso die Strahlung durch Alltagsgeräte ziemlich sicher ungefährlich ist
  • wie Du geringe Rest-Risiken minimierst
  • was Studien sagen

Dieser Artikel wurde am 6.7.2022 veröffentlicht.

Egal ob Mikrowelle, Mobiltelefone oder 5-G-Funkmasten – als diese technischen Neuerungen auf den Markt kamen, stand die Frage im Raum: Können elektromagnetische Felder und deren Strahlung für den Menschen gefährlich werden? Vielleicht sogar Krebs auslösen?

Vielleicht fragst Du Dich das im Hinblick auf Deine Krebserkrankung jetzt wieder. Kannst Du etwas beachten? Und was ist mit Strahlen in der Medizin und der natürlichen Strahlung aus der Umwelt?

Strahlengefahr? Ein Überblick

Grundsätzlich kann Strahlung verschieden stark sein. Je stärker und energiereicher die Strahlung ist, desto gefährlicher wird sie. Sie kann dann kleine Teilchen aus Atomen oder Molekülen lösen und damit auch Zellen verändern und beschädigen. Das schafft jedoch nur die sogenannte ionisierende Strahlung.

1. „Elektrosmog“ von Mobiltelefonen oder Mikrowellen

Deine elektronischen Geräte funktionieren mit elektromagnetischer Strahlung. Dabei bildet sich ein elektromagnetisches Feld. Die Energie schließlich wird mit einer elektromagnetischen Welle transportiert und breitet sich räumlich aus. Die elektromagnetische Strahlung technischer Geräte wird umgangssprachlich auch „Elektrosmog“ genannt. Sie steht immer mal wieder im Verdacht, schädlich auf den Körper zu wirken.

Aber: Hier handelt es sich nicht um ionisierende Strahlung. Von den elektromagnetischen Feldern der Elektrogeräte aus unserem Alltag – also Handy, Mikrowelle und ähnlichen – kann keine direkte Gefahr für Deine Zellen ausgehen: Ihre Energie reicht nicht aus, um Moleküle zu verändern. Auch die Erbinformationen in Deinen Zellen kann nicht geschädigt werden, sodass Krebs entsteht.

Ob dennoch ein minimales Restrisiko vorhanden sein könnte, wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert. Das liegt vor allem an der methodischen Qualität der Daten und der Tatsache, dass es in vielen Fällen keine Langzeitdaten gibt.

Das kannst Du selbst tun, um ein geringes Restrisiko zu minimieren:

  • Achte auf guten Empfang – Dein Mobiltelefon sendet dann weniger Strahlung aus.
  • Erhöhe den Abstand zwischen Mobiltelefon und Kopf, am besten mit einem Headset.
  • Halte Dich kurz beim Telefonieren.
  • Kinder schützen: Die Wirkung der Strahlung auf kleine Kinder ist noch nicht gut erforscht, halte sie daher sicherheitshalber vom Mobiltelefon fern.
  • Kaufst Du Dir ein neues Mobiltelefon, kannst Du Dich an der sogenannten SAR-Wert-Liste des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) orientieren: https://www.bfs.de/DE/service/sar-suche/sar_suche_node.html
    Dort sind die „spezifischen Absorptionsraten“ aufgelistet. Das sind die Werte für die Energieaufnahme im Körper: je niedriger der SAR-Wert, desto geringer die Energieaufnahme Deines Körpers. Beachte: Hersteller aller Mobiltelefone müssen von vornherein sicherstellen, dass die Handys nicht den offiziellen SAR-Grenzwert überschreiten.

Studien zu Sendemasten geben ebenfalls Entwarnung: Das Krebsrisiko steigt nicht durch sie.

Mikrowellen sind sehr sicher gebaut. Normalerweise kann keine Strahlung von innen nach außen dringen. Achte darauf, dass Du kein beschädigtes Gerät nutzt.

2. Strahlen in der Medizin

In der Krebstherapie kannst Du mit ionisierender Strahlung in Berührung kommen. Das ist sehr energiereiche Strahlung, die auch Moleküle verändern kann, dazu zählen zum Beispiel:

  • Röntgenstrahlen zur Erstellung von Röntgenbildern
  • Strahlentherapie gegen Krebszellen
  • Nuklearmedizin/Radionuklidtherapie: Es wird ein strahlendes Medikament in den Körper eingebracht. Möglichst zielgenau sollen so Tumorzellen zerstört werden.

Alle diese Strahlen können Zellen in Deinem Körper verändern oder beschädigen. Im Fall der Strahlentherapie ist dies sogar gewünscht: Krebszellen sollen so zerstört werden.

In allen genannten Fällen gibt es das Risiko, dass die Strahlen gesunde Zellen negativ beeinflussen. Wie hoch das Risiko genau ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt von der Strahlendosis, dem Körperareal und der Häufigkeit der Strahlungen ab.

Dein Behandlungsteam macht eine Nutzen-Risiko-Abwägung: Ist das Risiko durch die vergleichsweise geringe Strahlenbelastung während der Untersuchungen oder Behandlungen so hoch, dass Du auf die Maßnahme besser verzichten solltest? Oder überwiegt das Risiko, möglicherweise eine schwerwiegende Erkrankung zu riskieren?

Dein Behandlungsteam wird darauf achten, dass Du keine unnötigen oder doppelten Untersuchungen bekommst. Auch eine Strahlentherapie wird sehr gut geplant und gezielt durchgeführt, sodass Dein Risiko möglichst gering bleibt. Kleinere Schäden können von Deinem Körper übrigens normalerweise gut verkraftet werden: Das Immunsystem kümmert sich um kaputte Zellen und repariert sie oder transportiert sie ab.

Das kannst Du selbst tun:

  • Wenn Du Deine Ärztin oder Deinen Arzt wechselt oder von Deiner Hausarztpraxis zu einer Fachpraxis überwiesen wirst, frage nach alten Aufnahmen. Die kannst Du dann zur neuen Praxis oder Klinik mitbringen. Oder die bisherige Praxis kann die Aufnahmen digital an die neue Stelle senden.
  • Frage nach, wenn Du Dir über den Grund oder der Notwendigkeit einer Maßnahme nicht sicher bist.

3. Natürliche Strahlung in Deiner Umwelt

Zur natürlichen Strahlung zählt die Strahlung aus dem Weltall, die auch zur Erde gelangt. Sie ist ebenfalls ionisierend. Jedoch wird ein Großteil dieser Strahlung durch das Magnetfeld der Erde und sogenannte Sonnenwinde in der Atmosphäre abgelenkt. Im Flugzeug oder auf Bergspitzen bist Du dieser Strahlung aber etwas verstärkt ausgesetzt.
Auch in der Erde, vor allem in Gesteinen, findet sich Strahlung. So gelangt sie auch in Ziegel, Beton und sogar in Pflanzen. Ganz geringe Mengen kannst Du also sogar über die Nahrung oder in der Natur aufnehmen. Diese Strahlung ist regional etwas unterschiedlich.

Kannst Du selbst etwas tun?

Du selbst kannst in Bezug auf diese natürliche Strahlung nichts tun. Grundsätzlich ist es ganz normal und unbedenklich, dass Du einer gewissen Strahlung ausgesetzt bist. Flugreisen oder Wanderungen auf Bergen fallen nicht ins Gewicht, auch wenn Du dort einer etwas höher belastet sein kannst.

Offizielle Stellen haben die regionalen Strahlenwerte im Blick und messen sie. Liegen Hinweise auf eine erhöhte Belastung in bestimmten Gebieten vor, werden Schutzmaßnahmen ergriffen.

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Zahlen und Fakten – Wissen im Detail

Was ist eigentlich Strahlung?

Als Strahlung bezeichnen Fachleute der Physik Energie, die sich ausbreitet. Diese Energie kann übertragen werden über

  • elektromagnetische Wellen oder
  • sich rasch bewegenden Teilchen

Es gibt verschiedene Arten von Strahlung, zum Beispiel

  • radioaktive Strahlung (ionisierend)
  • Röntgenstrahlung (ionisierend)
  • ultraviolettes Licht (Teile sind ionisierend)
  • sichtbares Licht
  • Mikrowellen oder Rundfunkwellen

Es gilt allgemein: Kurzwellige, hochfrequente Strahlung ist energiereicher als Strahlung mit großer Wellenlänge. Die vorige Auflistung beginnt mit sehr energiereicher Strahlung und endet mit energieärmeren Strahlen.

Funkmasten – zweifelhafte Studien sorgten für Verwirrung

In den Jahren 2004 und 2009 veröffentlichten deutsche Forscherinnen und Forscher Studien, die viel Aufsehen erregten: In der Nähe von Mobilfunk-Sendeanlagen war anscheinend die Zahl der Krebsneuerkrankungen erhöht. Diese Studien haben jedoch alle weiteren Risikofaktoren für Krebs ignoriert. Zudem traten insgesamt nur etwa 60 Krebsfälle auf – für eine sichere statistische Auswertung ist das viel zu wenig.

Hinzu kamen weitere methodische Einschränkungen. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält diese Ergebnisse daher für wenig aussagekräftig.

Wesentlich verlässlicher war eine Studie aus dem Jahr 2006. Das Krebsregister Bayern analysierte die Daten von 177 000 Menschen in 48 Gemeinden. Es gab keinen Hinweis auf ein erhöhtes Krebsrisiko in der Nähe von Mobilfunkmasten.

Deutlich seltener, dafür aber wesentlich leistungsstärker, sind die großen Sendeanlagen für Radio und Fernsehen. Doch strenge Auflagen gewährleisten, dass sie in ausreichendem Abstand zu Siedlungen und Häusern stehen. Zudem können die langwelligen, energiearmen Radiowellen nicht mit menschlichen Körperorganen oder -zellen in Wechselwirkung treten. Es gibt keine stichhaltigen Hinweise, dass Funkmasten für Radio und Fernsehen das Krebsrisiko erhöhen.

Mobiltelefon – die Strahlenquelle am Ohr

Das Mobiltelefon ist vermutlich die stärkste Strahlenquelle, die Dir im Alltag begegnet. Doch selbst zahlreiche Tier- und Laborversuche konnten nicht eindeutig klären, ob sie Krebs fördern können: Einen direkten Zusammenhang zwischen Mobilfunk und Gehirntumoren zeigten sie nicht.

Bei Untersuchungen mit Menschen ist das Bild etwas deutlicher: Eine der weltweit größten Studien über den Zusammenhang zwischen Mobilfunk und Krebsrisiko fand in Dänemark statt. Die Analyse umfasste 420 000 Personen, die bis zu 25 Jahre lang ein Mobiltelefon verwendeten. Weitere Risikofaktoren wurden allerdings nicht abgefragt, was die Aussagekraft der Studie einschränkt.

Die Ergebnisse wurden in mehrere Fachzeitschriften veröffentlicht, zuletzt im Jahr 2013: Es gab keine Hinweise für ein erhöhtes Krebsrisiko bei Mobiltelefon-Nutzerinnen und -Nutzern.

Mikrowelle – Funktion und Strahlenlecks

Die Wellen aus der Mikrowelle wirken recht gezielt, vor allem auf Wassermoleküle. Sie versetzen Wassermoleküle in Schwingungen und erzeugen so schnell Wärme durch Reibung der Moleküle. Wenn diese Mikrowellen nach außen dringen, könnten sie theoretisch auch Deinem Körper Schaden zufügen. Doch eine stabile Innenauskleidung aus Metall sorgt dafür, dass die Strahlung das Gerät nicht verlässt.

Allerdings gibt es zwei Stellen, an denen kleinste Mengen von Leckstrahlung entweichen: die Lochblende im Sichtfenster und der Spalt zwischen Gehäuse und Tür. Wenn der Herd nicht offenkundig beschädigt ist, ist die Leckstrahlung aber sehr gering. Messungen des Bundesamts für Strahlenschutz haben gezeigt, dass meist nur ein Hundertstel der zulässigen Obergrenze austritt. Ein Krebsrisiko oder andere Gesundheitsgefahren gehen von diesen Mengen nicht aus.

Und vom erhitzten Essen selbst kann auch keine Strahlengefahr ausgehen. Mikrowellen liegen in einem Frequenzbereich, der als nicht-ionisierend eingestuft wird. Sie können also Atome oder Moleküle nicht verändern.

Übrigens: Essen aus der Mikrowelle hat möglicherweise sogar mehr Nährstoffe als Essen aus dem Kochtopf: Wenn Du Dein Essen möglichst kurz in der Mikrowelle erhitzt, werden in der Regel weniger Nährstoffe zerstört als bei anderen Methoden. Der Grund dafür ist, dass das Erwärmen recht schnell geht und auch keine Nährstoffe ausgespült werden, wie beispielsweise beim Kochen von Gemüse in Wasser.

Flugreisen – Höhenstrahlung aus dem All

Teilchen aus dem Weltall treffen ständig auf die Erdatmosphäre und erzeugen eine starke Strahlung. Auf dem Boden kommt nur ein Bruchteil dieser Höhenstrahlung an, doch in einem Flugzeug ist die Belastung höher. Je länger und je höher das Flugzeug fliegt, umso mehr Strahlung bekommst Du ab.

Allerdings bist Du auch im Alltag ständig Strahlung ausgesetzt, die etwa aus den Gesteinen im Erdboden stammt. Im Vergleich dazu fällt eine Flugreise nicht ins Gewicht: Du müsstest jährlich zwanzigmal von Frankfurt nach New York und wieder zurückfliegen, um eine ähnliche Strahlenbelastung zu erhalten.

Bei gelegentlichen Flügen ist die Belastung durch Strahlung sehr gering. Gesundheitlich gilt Fliegen als unbedenklich.

Zusammengefasst

Viele Alltagsgeräte senden Strahlen aus. Es gibt allerdings keine Beweise, dass diese Strahlung das Krebsrisiko erhöht. Ein geringes Restrisiko kannst Du mit einfachen Maßnahmen senken.

Das kannst Du tun

  • Ruhe bewahren: Grundsätzlich ist die Strahlung in Deinem Alltag kein Grund zur Sorge.
  • Vermeide unnötige Röntgen-, CT- oder MRT-Aufnahmen.
  • Nutze beim Telefonieren mit dem Mobiltelefon ein Headset. Du kannst beim Handy-Kauf auf einen niedrigen SAR-Wert achten.
  • Nutze keine beschädigten Mikrowellen.
Quellenangaben
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