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Fakten-Check: Darfst Du noch Alkohol trinken?

Autor: Dr. Volker Henn • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
Lesedauer ca. 8 Minuten

Grundsätzlich gilt: Je weniger Alkohol Du zu Dir nimmst, desto besser.

Alkohol steigert das Krebsrisiko – direkt und indirekt.

In diesem Artikel erfährst Du:

  • wie gefährlich Alkohol für Dich ist
  • bei welchen Krebsarten das Risiko durch Alkohol direkt steigt
  • ob es eine unbedenkliche Menge gibt
  • was Du während Therapien beachten solltest

Dieser Artikel wurde am 16.05.2022 veröffentlicht.

„Ein Gläschen hat noch keinem geschadet“ – so heißt es oft. Doch bei einem Gläschen bleibt es selten: Im Schnitt nimmt jeder Mensch in Europa 9,5 Liter reinen Alkohol im Jahr zu sich. Abends zur Entspannung, beim Feiern mit Freunden, nach dem Essen für die Verdauung. Verteilt man diese Summe auf jeden Tag, sind das meist mehr als zwei Bier oder zwei Glas Wein am Tag.

Dieser durchschnittliche Alkoholkonsum überschreitet damit eine Grenze, ab der nachweislich das Risiko für einige Krebsarten steigt.

Wie gefährlich ist Alkohol in Bezug auf Krebs?

Fachleute der Internationalen Agentur für Krebsforschung gehen davon aus, dass 1 von 25 Krebsfällen mit dem Konsum von Alkohol zusammenhängt. Allein in Westeuropa sind das jährlich etwa 53 000 Erkrankte.

Oft ist nicht klar, auf welche Weise Alkohol die Entstehung von Krebs konkret fördert. Vermutlich unterscheiden sich die Ursachen von Krebsart zu Krebsart. Klar ist allerdings, dass Alkohol erwiesenermaßen ein Risikofaktor für Krebs in Mund, Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Leber, Darm und bei Frauen der Brust ist. Bei weiteren Krebsarten wird ein Zusammenhang vermutet, wie z.B. Magenkrebs.

Hinweis: Am Ende des Artikels findest Du Details zu den Forschungsergebnissen!

Zusätzlich fördert der Konsum von Alkohol das Übergewicht. Das wiederum ist selbst ein Risikofaktor für viele Krebsarten. Zudem werden durch Alkohol auch andere Erkrankungen wahrscheinlicher, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Vielleicht geht es Dir aber wie vielen anderen: Ein alkoholischer Drink kann für Genuss und positive Emotionen sorgen. Zudem ist es gesellschaftlich weit verbreitet. Daher kann es auch belastend sein oder schlicht nicht Deinem Wunsch entsprechen, wenn Du Dir Alkohol strikt verbietest.

Gibt es eine Menge, die als risikoarm gilt?

Alkohol erhöht das Krebsrisiko – eine unbedenkliche Menge gibt es nicht. Am besten verzichtest Du vollständig auf Wein, Bier und Schnaps.

Fachleuten ist allerdings bewusst, dass dieser Schritt vielen Menschen sehr schwerfällt und er sich wie ein Verlust von Lebensqualität anfühlen kann. Sie haben daher eine Grenze ermittelt, unterhalb derer der Alkoholkonsum als moderat und relativ risikoarm gilt: Für Frauen sind das 12 Gramm reiner Alkohol am Tag, für Männer 24 Gramm.

Die Menge von 12 Gramm Alkohol finden sich ungefähr in:

  • 0,3 l Bier
  • 0,125 l Wein
  • 4 cl Schnaps

Dabei bedeutet risikoarm nicht frei von Risiken: In Westeuropa tritt etwa 1 von 8 alkoholbedingten Krebsfällen bei Menschen auf, die durchschnittlich weniger als 20 Gramm Alkohol am Tag trinken. Auch ein gemäßigter Alkoholkonsum verursacht so jährlich etwa 6700 neue Krebsfälle in Westeuropa.

Welche Tipps helfen Dir, Alkohol zu reduzieren?

Es kann schwierig sein, den Konsum von Alkohol zu verringern oder gar ganz einzustellen. Folgende Tipps können Dir dabei helfen:

  • Lagere keinen Alkohol auf Vorrat ein.
  • Führe ein Trinktagebuch.
  • Trinke vor dem Alkohol ein Glas Wasser.
  • Trinke langsam und in kleinen Schlucken und am besten zu Mahlzeiten.
  • Verzichte auf Chips und Salzgebäck, die den Durst verstärken.

Was ist wichtig, wenn Du in Therapie bist?

Alkohol ist während der Krebstherapie zwar nicht immer völlig verboten. Aber es ist wichtig, dass Du daran denkst, dass die Wirkung einiger Medikamente durch Alkohol verstärkt oder geschwächt werden kann. Meist ist es daher wichtig, dass Du strikt auf Alkohol verzichtest, wenn Du Arzneien einnimmst.

Besprich in jedem Fall mit Deinem Behandlungsteam, ob Du während Deiner Therapie Alkohol trinken darfst und wenn ja, wo die Grenze liegt.

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Wieso genau ist Alkohol schädlich?

Alkohol beeinträchtigt den gesamten Körper, da es über das Blut gleichmäßig auf alle Organe und Gewebe verteilt wird. Allerdings reagieren manche Gewebe empfindlicher als andere. Oft ist nicht klar, auf welche Weise Alkohol die Entstehung von Krebs fördert. Vermutlich unterscheiden sich die Ursachen von Krebsart zu Krebsart.

Forscherinnen und Forscher fanden konkrete Hinweise in folgenden Fällen:

  • Der Stoffwechsel baut Alkohol ab und dabei entsteht die Substanz Acetaldehyd. Diese wiederum schädigt das Erbgut und fördert Mutationen, die das Krebsrisiko erhöhen.
  • In vielen Geweben löst Alkohol eine entzündliche Reaktion aufgrund einer direkten Schädigung aus. Neben Schleimhäuten wird vor allem die Leber dabei geschädigt: Sie kann eine Zirrhose entwickeln, die später in Krebs übergehen kann.
  • Alkoholkonsum verstärkt das Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre. Die Säure reizt die Schleimhäute und steigert das Risiko von Speiseröhrenkrebs.
  • Alkohol erhöht den Spiegel des Hormons Östrogen, das wiederum an der Entwicklung von Brustkrebs beteiligt ist.

Wie sehr steigt das Risiko?

Die Wissenschaft kann bei sechs Arten von Krebs sicher sagen, dass Alkohol ihre Entstehung fördert. Bei weiteren Krebsarten wird ein Zusammenhang vermutet. Alkohol gilt in jeder Dosis als schädlich, aber ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko lässt sich vor allem bei Menschen nachweisen, die täglich mindestens 50 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen (mehr als vier Standardgetränke).

Im Folgenden sind die Krebsarten und die relativen Krebsrisiken aufgeführt. Hierzu wurden in einer zusammenfassenden Studie die Ergebnisse von 572 Studien mit 486 538 an Krebs erkrankten Menschen zusammengetragen. Das angegebene relative Risiko berechnet sich durch den Vergleich von Menschen, die keinen Alkohol zu sich nehmen, mit jenen, die einen hohen Alkoholkonsum von mehr als 50 Gramm pro Tag haben:

  • Mund- und Rachenkrebs: Das Krebsrisiko steigt um 400 Prozent – das Risiko wird also fünfmal so hoch!
  • Kehlkopfkrebs: Das Krebsrisiko steigt um 170 Prozent – das Risiko wird fast dreimal so hoch.
  • Speiseröhrenkrebs: Das Krebsrisiko steigt um 400 Prozent
  • Leberkrebs: Das Krebsrisiko steigt um 100 Prozent
  • Dick- und Enddarmkrebs: Das Krebsrisiko steigt um 40 Prozent
  • Brustkrebs bei Frauen: Das Krebsrisiko steigt um 60 Prozent

Zusammengefasst

Alkohol ist allein in Westeuropa jährlich an 53 000 neuen Krebsfällen beteiligt. 1 von 8 der alkoholbedingten Krebsfälle ist auf mäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen – die Erkrankten tranken also weniger als ein bis zwei Getränke am Tag. Auch wenn das Krebsrisiko mit stärkerem Konsum deutlich ansteigt, gibt es keine unbedenklichen Mengen für Alkohol.

Das kannst Du tun

  • Versuche den Alkoholkonsum so weit es geht zu reduzieren.
  • Wenn Du Alkohol trinkst, dann tue dies so bewusst wie möglich.
  • Frage Dein Behandlungsteam, ob und wie viel an Alkohol für Dich während Deiner Therapie ok ist.

Wichtig: Wenn Du das Gefühl hast, dass Du selbst oder ein Dir nahestehender Mensch mit einer Alkoholsucht zu kämpfen hat, dann sprich darüber unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt.

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