Eierstöcke und Eileiter vorsorglich entfernen?

Autor: Dipl. Biol. Esther Witte • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
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BRCA1 und BRCA2 sind Gene, die Dein Leben entscheidend beeinflussen können. Ein Gentest kann dabei helfen, Dein persönliches Risiko einzuschätzen.

In Deiner nahen Verwandtschaft sind bereits mehrere Fälle von Eierstock- oder Brustkrebs aufgetreten. Nun machst Du Dir vermutlich Sorgen, ob auch Du an diesen Krebsarten erkranken könntest. Das ist nur zu verständlich. Tatsächlich gehören die beiden Krebsarten zu den Erkrankungen, die durch Genveränderungen entstehen können. Insofern können sie auch weitervererbt werden.

Wie kannst Du herausfinden, wie hoch Dein persönliches Risiko für Eierstockkrebs ist? Und was könntest Du gegebenenfalls zur Risikominderung tun?

Fragen zur Risikoabschätzung

Zunächst einmal solltest Du Dir einen Überblick über Krankheiten in Deiner Verwandtschaft verschaffen. Um Dein Risiko für Eierstockkrebs genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen:

  • Wie viele Verwandte an Eierstock- oder Brustkrebs erkrankt sind
  • Welcher Verwandtschaftsgrad zwischen Euch besteht
  • Wie alt die Betroffenen beim Ausbruch der Krankheit waren

Es sind bestimmte Konstellationen, die Dein persönliches Krebsrisiko erhöhen können. So trägst Du womöglich ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs aufgrund einer Veränderung in Deinen Genen, wenn in Deiner Herkunfts-Familie mindestens:

  • drei Frauen an Brustkrebs erkrankt sind
  • zwei Frauen an Brustkrebs erkrankt sind, wovon eine beim Ausbruch der Krankheit jünger als 51 Jahre war
  • eine Frau an Brustkrebs erkrankt ist, die bei Ausbruch der Erkrankung jünger als 35 Jahre war
  • eine Frau an Krebs beider Brüste erkrankt ist, die zum Ausbruch der Erkrankung jünger als 50 Jahre war,
  • ein Mann an Brustkrebs und eine Frau an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind
  • zwei Frauen an Eierstockkrebs erkrankt sind oder
  • eine Frau an Brust- und Eierstockkrebs erkrankt ist.

Weitere Risikofaktoren

Bestimmte Genmutationen erhöhen das Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Dennoch ist eine zuverlässige Voraussage nicht möglich, ob die Erkrankung tatsächlich ausbricht, selbst wenn Du die Mutationen in Deinen Zellen trägst. Auch andere Faktoren tragen zu einem erhöhten Krebsrisiko bei. Dazu gehören vor allem:

  • Fortschreitendes Alter
  • Hormontherapie zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Berufliche Exposition gegenüber Asbest
  • Kinderlosigkeit (keine Schwangerschaften)
  • Unfruchtbarkeit

Statt einem allgemeinen Risiko besteht also eher ein persönliches Risiko. Es ist daher sinnvoll, sich ausführlich über seine individuellen Risikofaktoren beraten zu lassen.

Die Genveränderungen bei Brust- und Eierstockkrebs

Brust- und Eierstockkrebs bieten einen entscheidenden Vorteil gegenüber manch anderen Krebserkrankungen: Einige Gene, die für den Ausbruch der beiden Krebsarten verantwortlich sein können, sind inzwischen bekannt. In 5% aller Fälle von Brust- und Eierstockkrebs liegen charakteristische Veränderungen, sogenannte Mutationen, an den Genen BRCA1 (BReastCAncer 1) und BRCA2 vor. Die Mutationen werden ebenfalls mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen weitergegeben. Wenn Deine Mutter also die Genmutation in sich trägt, können sowohl Du als auch Deine Geschwister sie geerbt haben.

Wie hoch das Risiko ist, tatsächlich zu erkranken, zeigen Dir folgende Zahlen.

Von 100 Menschen mit der genannten Mutation an den Genen erkranken zwischen 80-90 an Brustkrebs und 30 bis 60 an Eierstockkrebs.

Erblich bedingter Krebs ist zudem häufig durch ein frühes Erkrankungsalter (meist vor dem 50. Lebensjahr) gekennzeichnet.

Gentests für Frauen mit erhöhtem Risiko

Falls bei Dir der Verdacht besteht, dass erblich bedingter Krebs vorliegen könnte, kann ein Gentest durchgeführt werden. Dazu wird etwas Blut benötigt, in dem veränderte Gene sichtbar gemacht werden können. Bei begründetem Verdacht bezahlt die Krankenkasse alle Untersuchungen und Beratungstermine. Ist dieser Test dann positiv, bedeutet das aber nicht, dass Du zwingend auch erkranken musst. Statistisch gesehen erkranken an Eierstockkrebs ca. vier von zehn Frauen mit einer BRCA1-Mutation und ca. zwei von zehn Frauen mit einer BRCA2-Mutation.

Eierstockentfernung zur Risikominderung

Mit dem Wissen zu leben, dass Du möglicherweise an Krebs erkranken wirst, ist schwer. Sorgen und Ängste können Deine Lebensqualität beeinflussen. Das kann auf Dauer sehr belastend sein und therapeutische Begleitung notwendig machen. Möglicherweise wirst Du Dich bemühen, gesund zu leben. Doch eine 100-prozentige ‘Verhütungsmethode’ gibt es in diesem Fall leider nicht. Die effektivste Methode zur Risikominderung ist die vorsorgliche Entfernung beider Eierstöcke und Eileiter.

Die beidseitige Eierstockentfernung selbst kann inzwischen mit einer sogenannten Schlüssellochtechnik durchgeführt werden. Bei Frauen mit einer BRCA1-Mutation kann sie auch das Risiko für Brustkrebs verringern. Es bleibt jedoch ein geringes Restrisiko für die Entstehung eines Bauchfellkarzinoms.

Der richtige Zeitpunkt für die Operation

Nach einer solchen Operation können auf natürlichem Weg keine Kinder mehr entstehen. Daher muss der Zeitpunkt für die Operation gut überlegt werden. Je nach mutiertem Gen scheint die beste Zeit für die Operation zwischen dem 35. und dem 45. Lebensjahr zu sein.

Nebenwirkungen der Operation

Eine Operation hat immer auch mögliche Nebenwirkungen. Durch die Entnahme der Eierstöcke wird weniger Östrogen produziert. Die Frauen verlieren ihre Fähigkeit, Kinder zu zeugen und werden abrupt in die Menopause versetzt. Das macht sich durch typische Wechseljahrsbeschwerden bemerkbar, wiebeispielsweise:

  • Ausbleibende Monatsblutung
  • Hitzewallungen
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Scheidentrockenheit
  • Gewichtszunahme
  • Verringertes Lustempfinden

Außerdem steigt das Risiko für Knochenschwund (Osteoporose) und Herzinfarkt. Um diese Symptome zu verringern, kann eine Hormonersatztherapie hilfreich sein.

Beratungsangebote für Risikoträgerinnen

Mit diesem schweren Erbe hättest Du also viel zu überdenken und schwere Entscheidungen zu fällen. In vielen Städten gibt es Zentren zur Betreuung von Frauen mit dem Verdacht auf bzw. nachgewiesenem erblichen Brust- und Eierstockkrebs. Hier arbeiten Experten mit gynäkologischen, humangenetischen und psychoonkologischen Kompetenzen. So kannst Du umfassend beraten und betreut werden. Zu den Angeboten gehören vor allem:

  • Eine frauenärztliche Beratung über Früherkennungsmaßnahmen und vorbeugende Behandlungsmöglichkeiten
  • Eine Beratung über Dein individuelles genetisches Risiko
  • Beratung über die Möglichkeiten und Konsequenzen einer genetischen Untersuchung
  • Hilfestellung bei der Entscheidung für oder gegen die genetische Analyse
  • Eine psychoonkologische Beratung zur Hilfe in der psychosozialen Situation
  • Hilfe zur Situationsbewältigung und bei Entscheidungsschwierigkeiten
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Quellenangaben
  1. Patientenleitlinie Eierstockkrebs, April 2018, in „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe, Office des Leitlinienprogrammes Onkologie, Berlin, abgerufen am 20.01.2020 von https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Eierstockkrebs_1920018.pdf
  2. BRCA1/2: Neue Schätzungen zum Lebenszeitrisiko auf Mamma- und Ovarialkarzinom, 22.06.2017, Deutsches Ärzteblatt, abgerufen am 05.02.2020 von https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/76495/BRCA1-2-Neue-Schaetzungen-zum-Lebenszeitrisiko-auf-Mamma-und-Ovarialkarzinom
  3. Schenkl, Natascha, Eierstockkrebs: Symptome meist erst im Spätstadium, 11.09.2018, in Wechseljahre, Eierstockentfernung, abgerufen am 20.01.2020 von https://www.hormontherapie-wechseljahre.de/praevention/eierstockentfernung/
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