Die Therapien bei Gebärmutterhalskrebs

Autor: Dipl. Biol. Esther Witte • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
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Das Zervixkarzinom kann unterschiedlich behandelt werden. Eine Impfung beeinflusst dabei eventuell den Krankheitsverlauf.

Das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) in den Industrieländern wird zunehmend geringer. Das liegt zum einen an der verbesserten Sexualhygiene und zum anderen an der jährlichen frauenärztlichen Krebsvorsorge (Pap-Abstrich) ab einem Alter von 20 Jahren. Auch ist die Sterblichkeitsrate deutlich gesunken. Leider sank zugleich aber auch das mittlere Erkrankungsalter, das aktuell bei 53 Jahren liegt [1].

Risikofaktoren für das Zervixkarzinom

Hauptrisikofaktor für die Entwicklung eines Zervix-Karzinoms ist die Infektion mit humanen Papillomviren (HPV). Andere Infektionen, wie z.B. mit Herpesviren erhöhen vor allem in Kombination mit HPV das Risiko. Rauchen, Immunschwäche (z.B. durch immununterdrückende Medikamente), Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern, sexuelle Aktivität in jungen Jahren, Geschlechtsverkehr ohne Kondom, die langfristige Einnahme von oralen Kontrazeptiva (die Pille) und ein niedriger sozialer Status, können das Krebsrisiko noch verstärken.

In 7-8 von 10 Fällen geht der Krebs von der Haut und den Schleimhäuten aus (Plattenepithelkarzinome), aber der prozentuale Anteil der von den Drüsen ausgehenden Karzinomen (Adenokarzinome) steigt seit den letzten Jahren an.

Die Impfung gegen das Zervixkarzinom

Eine HPV-Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr ist die beste Prophylaxemaßnahme gegen das Zervixkarzinom. Inzwischen gibt es Impfseren gegen zwei, vier oder 9 HPV-Virustypen, die sehr effektiv vor der Krankheit schützen können [2]. Die prophylaktischen Impfungen können sogar Krebsvorstufen in ihrer Schwere wieder reduzieren und einen deutlich positiven Effekt auf den weiteren Krankheitsverlauf haben.

Diagnose und Therapie des Zervix-Karzinoms

Besteht bei Dir der Verdacht auf ein Zervixkarzinom, beispielsweise aufgrund eines auffälligen Pap-Abtrichs, wird durch eine Spiegelung der Scheide eine Gewebeprobe aus dem verdächtigen Areal entnommen und untersucht. Dies erfolgt indem eine gezielte Biopsie gemacht oder bei kleinen Tumoren am Gebärmutterhals ein Kegel ausgeschnitten wird (Konisation) [3]. Zusätzlich wird eine Ultraschalluntersuchung durch Deine Vagina und im Bereich der Niere und Blase durchgeführt. Eventuell wird, um Fernmetastasierungen, auszuschließen, eine CT von Brust, Bauch und Becken oder auch ergänzend eine MRT des Beckens durchgeführt. Eine PET-CT wird nur selten eingesetzt, kann aber bei einem Verdacht auf ein Rezidiv hilfreich sein. Außerdem können eine Zytoskopie (Blasenspiegelung) und Rektoskopie (Darmspiegelung), um einen Befall Deiner Harnblase und Deines Mastdarms auszuschließen. Dieses Staging ist wichtig für die weitere Diagnostik und Behandlung des Zervixkarzinoms. Ob Lymphknoten befallen sind, wird mittels Bildgebung und während einer Krebsoperation erfasst. So werden entweder auffällige Lymphknoten oder Wächterlymphknoten (Lymphknoten, die dem Tumor am nächsten sind) noch während der Operation untersucht.

Die Therapiemöglichkeiten des Zervixkarzinoms

Die Therapie wird nach dem Stadium Deines Tumors, Deinem Allgemeinzustand, eventuellen Begleiterkrankungen und anderen Risiken und der Frage, ob Du Dir noch Kinder wünschst, geplant. Ein Tumor kleiner als 2 cm kann unter bestimmten Voraussetzungen fruchtbarkeitserhaltend operiert werden. Möglich sind hierbei kegelförmiges Ausschneiden (Konisation), oder eine Operation mit Auslassen eines Teils des Gebärmutterhalses

[4] und des Gebärmutterkörpers (radikale Trachelektomie) [5] entfernt werden. Leider stehen den fertilitätserhaltenden Verfahren eine verringerte onkologische Sicherheit entgegen. Wenn Du bereits die Menopause hinter Dir hast oder ein Adenokarzinom (s.o.) diagnostiziert wurden, wird meist eine komplette Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) mit Entfernung der Eierstöcke durchgeführt. Schonende OP-Methoden (wie die Schlüssellochmethode/Laparoskopie) gelten hierbei als vergleichbar sicher wie offene Operationen [6].

Mit einer Radiochemotherapie kann als alleinige Behandlung, also anstelle der Operation oder als eine unterstützende (adjuvante) Therapie zur Rezidivprophylaxe durchgeführt werden. Meist wird der Tumor bzw. das ehemalige Tumorbett dabei durch die Haut und auch von Innen (Brachytherapie) bestrahlt. Dabei können die Eierstöcke am Beckenrand fixiert werden, um Deine Fruchtbarkeit zu erhalten bzw. Deinen normalen Hormonhaushalt. In der Nachsorge zeigen sich häufig anschließend entzündliche Veränderungen des bestrahlten Bereiches, die aber nicht automatisch gleichzusetzen sind mit Rezidiven. Die sogenannte neoadjuvante Chemotherapie wird vor der Operation angewendet, um den Tumor zu verkleinern und leichter operieren zu können und außerdem die Zahl der befallenen Lymphknoten zu verringern. Die Radiochemotherapie wird zudem zur Behandlung von wiederaufgetreten Tumoren (Rezidiven) eingesetzt.

Die Forscher hoffen, zukünftig das metastasierte Zervixkarzinom mit Immuncheckpoint-Inhibitoren behandeln zu können, also mit Antikörpern, die Abwehrzellen des Immunsystems zu dem Tumor bzw. den Metastasen locken, wodurch der Krebs nicht mehr so gut wachsen kann und im besten Fall sogar zerstört wird.

Als Vorsorgemaßnahme wäre es gut, wenn Du an den jährlichen Kontrolluntersuchungen beim Frauenarzt teilnähmest und Dich gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen würdest. Bitte erinnere ggf. auch Deine Töchter daran, wenn sie im geschlechtsreifen Alter sind. Damit kannst Du Dein Risiko für Gebärmutterhalskrebs und das Deiner Töchter deutlich senken.

 

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Quellenangaben
  1. Seifert, u. et. al. (2014). Early detection of cervical cancer in Germany: evidence and implementation. In Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2014 Mar; 57 (3), 294-301.
  2. Joura, E. A. et al. (2015). A 9-Valent HPV Vaccine against Infection and Intraepithelial Neoplasia in Women. In Engl J Med 2015; 372, 711-723.
  3. Krebsinformationsdienst. (2020). Gebärmutterhalskrebs. Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs. Abgerufen am 24.03.2021. Update vom 06.03.2020. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/gebaermutterhalskrebs/vorstufen.php
  4. Altgassen, C. (2007). Vaginale Zervixamputation als fertilitätserhaltende Methode beim frühen Zervixkarzinom. In Der Gynäkologe (1).Abgerufen am 24.03.2021. Verfügbar unter: https://www.springermedizin.de/vaginale-zervixamputation-als-fertilitaetserhaltende-methode-bei/8103492
  5. MD Bentivegna, E. et al. (2016). Oncological outcomes after fertility-sparing surgery for cervical cancer: a systematic review. In The Lancet Volume 17, Issue 6, PE240-E253. Abgerufen am 02.06.2019. Verfügbar unter: https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(16)30032-8/fulltext
  6. Mendivil, A. A. et al. (2016). Survival rate comparisons amongst cervical cancer patients treated with an open, robotic-assisted or laparoscopic radical hysterectomy: A five year experience. In Surgical Oncology Volume 25, Issue 1, March 2016, 66-71. Abgerufen am 02.08.2019. Verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960740415300268?via%3Dihub
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