Image

Cannabis zur Behandlung von Krebs

Autor: Dr. Simone Freitag • Fachliche Prüfung: Dr. Juliane Knust
Lesedauer ca. 7 Minuten

Ist Cannabis eine echte Alternative zur Standardbehandlung bei Krebs? Hier erfährst Du mehr zum Thema.

Immer wieder werden alternative Heilmethoden zur Behandlung von Krebserkrankungen in Erwägung gezogen.
In der schulmedizinischen Standardtherapie wird der Körper durch Operationen, Chemotherapie, Antihormontherapie oder Bestrahlung Immuntherapie oder zielgerichtete Therapien oft stark belastet.

Es sind Maßnahmen, die eine Krebserkrankung behandeln können und mit hohen Kosten für den Patienten und das Gesundheitssystem verbunden sind. Daher sehnen sich viele Patienten nach alternativen und natürlicheren Behandlungsmethoden, die weniger starke Beeinträchtigungen mit sich bringen.

Hierbei wird immer häufiger der Einsatz von Cannabis in Betracht gezogen und tritt so auch mehr in der gesundheitsbezogenen Berichterstattung auf. Besitz, Konsum und Handel von Cannabis und Cannabinoiden sind in Deutschland nur zu medizinischen Zwecken legal.
Der Anspruch auf eine medizinische Versorgung mit Cannabis wird durch das V. Sozialgesetzbuch geregelt. Die regulative Behörde ist die Cannabisagentur des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

Gleichzeitig muss in wissenschaftlichen Studien erst einmal belegt werden, dass die Wirkstoffe der Hanfpflanze positive Auswirkungen haben, von denen Du im Rahmen einer Krebsbehandlung auch tatsächlich profitieren kannst.

Stellt sich dies heraus und zeigt sich ein Nutzen für Dich als Patient, dann kann es eventuell als Arzneimittel eingesetzt werden.

Vielleicht hast auch Du Dir schon Gedanken darüber gemacht, welche Wirkung Cannabis bei Krebserkrankungen haben könnte?

Was ist Cannabis und wie wirkt es?

Cannabis ist eine Pflanzengattung, die zu der Familie der Hanfgewächse zählt (lat. Cannabaceae). Es handelt sich um eine Nutzpflanze mit vielerlei Anwendungen.
So werden aus den Fasern der Hanfpflanze Seile oder Kleidung hergestellt, aber auch Nahrungsmittel wie Speise- und ätherische Öle oder Hanfsamen, die problemlos gegessen werden können. Sehr bekannt ist Cannabis natürlich zur Herstellung von Marihuana oder Haschisch.
Cannabis ist aufgrund seiner berauschenden Wirkung sehr umstritten und wird als Droge eingeordnet, weshalb der Besitz in Deutschland illegal und damit strafbar ist.

Cannabis beinhaltet Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD).
Beides sind Substanzen, die neben Rauschzuständen auch heilende Eigenschaften ähnlich zu medizinischen Produkten haben. Cannabis wird noch nicht sehr lang hinsichtlich seiner medizinischen Wirkung untersucht.
Es gibt jedoch inzwischen einige Studien, die sich mit den Auswirkungen von Cannabis auf verschiedene Erkrankungen des Menschen beschäftigen.

Sowohl THC als auch CBD werden als Wirkstoffe von Cannabis gehäuft mit einer krebshemmenden Wirkung in Verbindung gebracht.
Im menschlichen Körper gibt es eine Vielzahl an Zellen, die mit Rezeptoren für THC oder CBD ausgestattet sind und bestimmte körperliche Abläufe regeln:

  • Modulation des Immunsystems. In welcher Weise genau, ist noch nicht bekannt. Cannabis scheint sich aber entzündungshemmend auszuwirken.
  • Die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen.
  • Die Regulation von Appetit, Schlaf und Emotionen.
  • Die Entstehung von Übelkeit und Erbrechen unter einer Chemotherapie.
  • Zellwachstum und natürlicher Zelltod.

Wird Cannabis bereits in der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt?

Obwohl THC oder CBD nicht zur Heilung von Krebserkrankungen eingesetzt werden, haben sie dennoch Eigenschaften, die nützlich sein können, um die Standardtherapie zu unterstützen. So kann die Einnahme von cannabinoid-haltigen Medikamenten helfen, um die Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen während der Chemo- oder Strahlentherapie zu lindern oder Appetitlosigkeit bzw. Gewichtsverlust zu verhindern.
Ebenso zeigen solche Medikamente gute Erfolge bei Tumorschmerzen, Nervenschmerzen, depressiver Verstimmung und Ängsten.
Es gibt mittlerweile auch Studien, die zeigen, dass therapeutische Erfolge erzielt werden können, wenn Cannabidiol als Ergänzung zur Radiotherapie bei der Krebsbehandlung verabreicht wird.

Ziel einer Behandlung mit Cannabinoiden ist es, die Nebenwirkungen zu lindern und die Lebensqualität von Patienten zu erhöhen.
Ob solche Medikamente auf Cannabinoid-Basis für Dich und Deinen Behandlungsplan in Frage kommen, solltest Du mit Deinem Arzt besprechen.

Kann Cannabis Krebs heilen oder sind das leere Versprechen?

Es gibt viele Anhänger der Cannabis-Therapie, die glauben, dass sie ihren Krebs mit Cannabis selbst geheilt haben. Dazu gehört auch Rick Simpson, der ein Öl extrahiert hat, um damit seinen Hautkrebs zu heilen.
Zu diesen Einzelberichten gibt es jedoch keinen zuverlässigen wissenschaftlichen Nachweis, der die Wirkung bestätigt.
Daher solltest Du mir solchen Heilversprechen erst mal sehr kritisch umgehen.

Einzelne Studien zur Krebstherapie mit Cannabinoiden im Labor sind allerdings vielversprechend. Diese konnten zeigen, dass Cannabinoide das Wachstum von Krebszellen hemmen oder diese auch abtöten können. Laborversuche zeigen, dass Cannabidiol das Wachstum von verschiedenen Krebszellen hemmen kann, insbesondere von Leukämie-Zellen, Gebärmutterhals-, Brust- und Prostatakrebszellen.

Weitere Wirkungen von Cannabidiol zeigen sich auch bei Krebszellen des Nervensystems, so kann das Wachstum von Glioblastomen gehemmt werden. Das bedeutet also, dass einzelne Zellen in kontrollierten Laboruntersuchungen auf Cannabinoide ansprechen.

Einige Studien mit Tierversuchen oder reinen Laborversuchen an Zellen konnte nachweisen, dass die Wirkstoffe von Cannabis krebshemmend wirken. Aber auch hier gibt es noch keine bestätigte Übertragung auf den Menschen und damit ist unklar, wie diese Wirkstoffe sich verhalten.

So lange nicht geklärt ist, wie diese Substanzen beim Menschen wirken, in welcher Dosis die Substanzen verabreicht werden müssen oder wie die Nebenwirkungen sind, kann also noch lange nicht von einer Cannabis-Therapie oder einer Krebsheilung gesprochen werden.

Insgesamt muss man sagen, dass es bis jetzt keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage für den Einsatz von Cannabinoiden in der direkten Therapie von Krebserkrankungen gibt.

Sobald es neuere Erkenntnisse bezüglich solcher alternativer Behandlungsansätze gibt, informieren wir Dich natürlich darüber.

Quellenangaben
  1. Deutsche Krebsgesellschaft. (2019). Cannabis bei Krebs. Berechtigter Einsatz in der Schmerztherapie? Abgerufen am 22.03.2021. Verfügbar unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/nebenwirkungen-der-therapie/cannabis-bei-krebs-ein-fester-platz-in-der-schmerzther.html
  2. McAllister, S. D., Soroceanu, L., & Desprez, P. Y. (2015). The antitumor activity of plant-derived non-psychoactive cannabinoids. Journal of neuroimmune pharmacology, 10(2), 255-267.
  3. Pisanti, S., Malfitano, A. M., Ciaglia, E., Lamberti, A., Ranieri, R., Cuomo, G., … & Laezza, C. (2017). Cannabidiol: State of the art and new challenges for therapeutic applications. Pharmacology & therapeutics, 175, 133-150.
  4. Alexander A, Smith PF, Rosengren RJ. Cannabinoids in the treatment of cancer. Cancer Lett. 2009;285:6–12.
  5. Massi, P., Solinas, M., Cinquina, V., & Parolaro, D. (2013). Cannabidiol as potential anticancer drug. British journal of clinical pharmacology, 75(2), 303-312.
  6. Yasmin-Karim, S., Moreau, M., Mueller, R., Sinha, N., Dabney, R., Herman, A., & Ngwa, W. (2018). Enhancing the Therapeutic Efficacy of Cancer Treatment With Cannabinoids. Frontiers in Oncology, 8, 114. http://doi.org/10.3389/fonc.2018.00114
  7. Sultan, A. S., Marie, M. A., & Sheweita, S. A. (2018). Novel mechanism of cannabidiol-induced apoptosis in breast cancer cell lines. The Breast.
  8. Lukhele, S. T., & Motadi, L. R. (2016). Cannabidiol rather than Cannabis sativa extracts inhibit cell growth and induce apoptosis in cervical cancer cells. BMC complementary and alternative medicine, 16(1), 335.
  9. Guindon, J. and Hohmann, A. G. (2011), The endocannabinoid system and cancer: therapeutic implication. British Journal of Pharmacology, 163: 1447-1463. doi:1111/j.1476-5381.2011.01327.x (18.09.2018)
Sicherheit
Wir arbeiten nach höchsten Datenschutz-Richtlinien
Medizinprodukt
Mika ist ein Medizinprodukt nach deutschem Medizinproduktegesetz
Entwickelt mit Expert:innen
Wir arbeiten nach höchsten Datenschutz-Richtlinien

Schweres leichter machen

Mach mit in deiner Mika-App!
Gezieltes Training
gegen Fatigue mit Video-Anleitung
Image

Image
Image