Brustamputation – trotzdem weiblich

Autor: Dipl. Biol. Esther Witte • Fachliche Prüfung: Dr. Christian Keinki
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Durch eine fehlende Brust kann nicht nur jeder Deine Krankheit sehen, vielleicht fühlst Du Dich sogar Deiner Weiblichkeit insgesamt beraubt. Doch es gibt viele Optionen, die Dir bei oder nach einer OP offenstehen.

In diesem Artikel erfährst Du:

  • welche Begleiterscheinungen eine OP an der Brust mit sich bringt
  • welche Möglichkeiten es zum Wiederaufbau der Brust gibt
  • Antworten zu häufigen Fragen zu Brust-OP und -Rekonstruktion

Dieser Artikel wurde am 03.03.2022 aktualisiert.

Beachte: Der Wiederaufbau der Brust beeinflusst den Krankheitsverlauf und Deine Heilungsaussichten nicht. Möglicherweise kann es aber schwieriger sein, in einer rekonstruierten Brust einen örtlichen Rückfall zu erkennen.

Aussehen nach der Brust-OP

Das OP-Team wird alles tun, um Dich möglichst brusterhaltend zu operieren, so es Dein Wunsch ist und es das Tumorstadium bzw. Größe und Lage des Tumors zulassen. Dennoch kann es sichtbare Veränderungen geben, beispielsweise:

  • Deine Brüste sind anschließend nicht mehr gleich groß.
  • Wenn die gesamte Brust samt überschüssiger Haut abgenommen werden musste, bleibt auf dieser Seite eine Narbe zurück.

Schmerzen nach der OP

Nach der Brust-OP wirst Du mit einigen Herausforderungen konfrontiert werden. Darunter können auch Schmerzen sein. Sie kommen durch Gewebe- und Nervenschäden durch die Operation oder die Wundheilung zustande.

Bitte versuche nicht, die Schmerzen auszuhalten. Sie können Deine Lebensqualität entscheidend beeinträchtigen, ohne dass sie einen therapeutischen Sinn erfüllen. Je nach ihrer Stärke gibt es wirksame Schmerzmittel, wie:

  • Nicht-Opioid-Analgetika, wie z.B. Paracetamol, Ibuprofen oder Metamizol
  • schwache Opioide, wie beispielsweise Codein, Tilidin oder Tramadol
  • starke Opioide, wie beispielsweise Morphin, Hydromorphon, Oxycodon oder Fentanyl

Brustaufbau: Ja oder Nein?

Möchtest Du keinen operativen Brustaufbau, so kannst Du mit Hilfsmitteln arbeiten, die die fehlende Brust kaschieren. Manche Frauen sind auch mit einer fehlenden Brust glücklich und können gut damit leben. Wichtig ist vor allem, dass Du Dich mit Deinem Körper wohlfühlst.

Wiederaufbau der Brust

Für den Brustaufbau gibt es verschiedene Möglichkeiten. Möglich sind beispielsweise:

  • Implantate
  • Eigengewebe
  • Kombinationen von Implantaten und Eigengewebe

In manchen Fällen muss zusätzlich die Brustwarze rekonstruiert werden.

Rekonstruktion der Brust mit Implantaten

Der Ersatz der Brust durch Silikon- oder Kochsalz-Kissen ist die häufigste Art der Rekonstruktion. Hier ist eine ausführliche Beratung im Vorfeld sehr wichtig und es lohnt sich meist auch, eine zweite Meinung einzuholen.

Die Vorteile künstlicher Implantate sind, dass die Operation gegenüber der mit Eigengewebe unkomplizierter ist. Doch es gibt auch Nachteile, wie zum Beispiel:

  • Begrenzte Lebensdauer der Implantate: Sie halten normalerweise 7 bis 10 Jahre. Neuere Modelle sollen laut den Herstellern sogar ein Leben lang halten. Wissenschaftlich belegt ist diese Angabe jedoch noch nicht.
  • Das kosmetische Ergebnis kann sich auf Dauer verändern, da sich die Kissen verschieben können.
  • Gleichzeitige Strahlentherapie ist problematisch, da dadurch Komplikationen gefördert werden – beispielsweise Kapselfibrose: Um das Implantat herum kann sich sich Bindegewebe bilden, so dass es zu Verhärtungen und Verformungen kommen kann.

Wie fühlen sich Implantate an?

Brustimplantate sollen sich im Körper und bei Berührung weich und natürlich anfühlen. Vielleicht brauchen Dein Körper und Deine Psyche etwas Zeit für Wundheilung und Gewöhnung. Nach ein paar Monaten sollte ein mögliches Fremdkörpergefühl abnehmen. Dann fühlt sich das Implantat idealerweise wie Deine eigene Brust an.

Ein paar spürbare Unterschiede können jedoch bleiben. Zum Beispiel kann die Temperatur der wiederaufgebauten Brust leicht unterschiedlich sein. Zudem kann sich die andere, natürliche Brust verändern – mit dem Alter oder wenn Du zu- oder abnimmst. So kann ein Unterschied zur Brust mit Implantat entstehen.

Können Brustimplantate Krebs auslösen?

Immer wieder hört man in den Medien, dass Implantate mit rauer Oberfläche Krebs auslösen können. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist äußerst gering, aber vorhanden. Hierbei handelt es sich um das sogenannte anaplastische großzellige Lymphom (ALCL).

Diese Implantate mit rauer Oberfläche werden gern verwendet, weil sie, im Gegensatz zu glatten Implantaten, weniger verrutschen. Aus diesem Grund wird Dich Deine Ärztin oder Dein Arzt vor einer Operation stets individuell aufklären, mit Dir Dein individuelles Risiko besprechen sowie die Vor- und Nachteile von Alternativen erläutern. Wenn Du bereits Implantate hast und unsicher bist, besprich diesen Punkt am besten mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

Hilfsmittel „Gewebe-Expander“

Der sogenannte Gewebeexpander wird eingesetzt, wenn nicht genügend Haut nach der OP übrig geblieben ist. Dabei wird Dir nach Deiner Brust-OP eine Prothese aus Silikon unter den Brustmuskel implantiert. Durch ein Ventil nach außen kann die Prothese dann schrittweise mit Kochsalzlösung gefüllt werden. So können sich Haut und Muskel langsam dehnen. In einer zweiten Operation wird der Expander dann durch die endgültige Prothese ersetzt.

Netzgestützter Wiederaufbau

Bei dieser Art der Rekonstruktion wird zusätzlich ein Netz am Brustmuskel befestigt, das mit der Zeit von dem Körper überwachsen wird. Es soll verhindern, dass das Implantat mit der Zeit absinkt. Dein Behandlungsteam wird mit Dir entscheiden, ob dies bei Dir notwendig ist.

Nicht immer übernimmt die Krankenkasse die Kosten dafür, sodass Du gegebenenfalls extra Anträge zur Kostenübernahme stellen musst. Alternativ können Implantate mit rauer Oberfläche eingesetzt werden. Sie haben den Vorteil, dass sie weniger schnell verrutschen.

Rekonstruktion der Brust mit Eigengewebe

Die neue Brust kann auch mit der Haut von Bauch, Rücken oder Gesäß aufgebaut werden. Dabei können Muskulatur und Blutgefäße mit verpflanzt werden. Es lässt sich eine kleine, neue Brust bilden. Die Vorteile dabei sind:

  • natürliches, dauerhaftes Ergebnis
  • spätere Korrekturen sind selten
  • Anpassung der Brust an Gewichtsveränderungen
  • Strahlentherapie ist unproblematischer im Vergleich zur Rekonstruktion mit Implantaten.

Die Nachteile dieser Rekonstruktionsart sind:

  • aufwändige Operation
  • häufigere Komplikationen im Vergleich zur Rekonstruktion mit Implantaten (beispielsweise Wundheilungsstörungen)
  • Narben an anderen Körperstellen, von denen die Haut entnommen wurde

Nachbildung der Brustwarze

Es kann sein, dass bei der Brust-OP auch Deine Brustwarze entfernt werden muss. Für eine neue Brust kann auch sie nachgebildet werden. Für die Nachbildung gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • aus einem Teil der anderen Brustwarze
  • aus dunkler gefärbter Haut, wie z.B. Oberschenkel- oder Schambereichsgewebe
  • durch ein Tattoo

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Es ist möglich, die Brust sofort, also bereits während der Operation des Tumors, wieder aufzubauen. Ein späterer Aufbau, noch Monate später, kann aber ebenso durchgeführt werden. Der richtige Zeitpunkt für den Wiederaufbau Deiner Brust hängt von Deiner persönlichen Situation und Deinen Wünschen ab.

Manche Frauen empfinden einen sofortigen Aufbau als psychisch entlastend. Wieder andere möchten sich in alle Ruhe mit allen Alternativen und Möglichkeiten zur Rekonstruktion auseinander setzen und brauchen einen zeitlichen Abstand. Dein Behandlungsteam kann Dich dazu ausführlich beraten.

Wer übernimmt die Kosten?

In der Regel übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Brustaufbau. In welchem Umfang der Brustaufbau bezahlt wird, hängt von der medizinischen Notwendigkeit ab und sollte im Vorfeld mit dem Behandlungsteam und der zuständigen Krankenkasse geklärt werden.

Welche zusätzlichen Leistungen übernommen werden, kann sich je nach Krankenkasse unterscheiden. Besonders Maßnahmen, die über den Wiederaufbau hinausgehen, werden eventuell nicht übernommen, wie etwa die Tätowierung der Brustwarze oder die Anpassung der anderen Brust.

Auch wenn Du privat krankenversichert bist, solltest Du zuvor die Kostenübernahme mit Deiner Versicherung abklären.

Alternativen zum Brustaufbau

Zur Überbrückung bis zum Wiederaufbau Deiner Brust oder auch dauerhaft kannst Du andere Möglichkeiten ausprobieren: Prothesen oder Einlagen in speziellen BHs gibt es aus Schaumstoff oder Silikon.

Du kannst sie auch in einen Badeanzug einlegen und sie lassen sich jederzeit wieder entfernen. Es gibt sie in vielen unterschiedlichen Größen und Formen. Sie vermitteln den Anschein, als hättest Du zwei gleiche Brüste. Die Krankenkassen übernehmen dafür grundsätzlich die Kosten bei entsprechender Verordnung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

Zusammengefasst

Du kannst eine amputierte Brust mit Silikon oder Eigengewebe rekonstruieren lassen. Alternativ gibt es auch Prothesen oder kaschierende BHs mit Einlage.

Das kannst du tun

  • Besprich mit Deinem Behandlungsteam die Möglichkeiten zum Brustaufbau ausführlich, sodass Du eine Entscheidung treffen kannst, die für Dich am besten passt.
  • Kläre die Übernahme der Kosten mit Deiner Krankenkasse.
  • Du kannst psychoonkologische Hilfe in Anspruch nehmen. Auch Selbsthilfegruppen können sehr helfen.
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Quellenangaben
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Operation bei Brustkrebs: Brustrekonstruktion: Wiederaufbau der Brust, 24.01.2022, abgerufen am 24.02.2022 von www.krebsinformationsdienst.de
  • Deutsche Krebsgesellschaft, Onko- Internetportal: Brustkrebs – Brustrekonstruktion, 23.02.2017, abgerufen am 16.07.2020 von www.krebsgesellschaft.de
  • Möglicher Zusammenhang zwischen Brustimplantaten und der Entstehung eines anaplastischen großzelligen Lymphoms (ALCL), 14.11.2019, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, abgerufen am 16.07.2020 von www.bfarm.de
  • Bildnachweis: lovelyday12 – stock.adobe.com
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