Anzahl an Neuerkrankungen von Vulvakrebs weiterhin stabil

Autor: Dipl. Biol. Esther Witte • Fachliche Prüfung: Dr. Henriette Quack
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Vulvakrebs tritt im internationalen Vergleich seltener auf und hat eine höhere 5-Jahresüberlebensrate

„Vulva“, also die weibliche Scham ist eine Bezeichnung, die man heute nur noch selten hört. Anfang des Jahrtausends ist sie immer mehr ins Gespräch gekommen, weil sich die ehemals eher seltene Krebserkrankung der weiblichen äußeren Geschlechtsorgane häuften. Nach diesem Anstieg flachte erfreulicherweise die Häufigkeit, zumindest bei uns in Deutschland, aber wieder ab. Der stärkste Anstieg war bei Frauen im Alter von 30 bis 49 Jahre zu verzeichnen, obwohl der Krebs eher bei Frauen in einem durchschnittlichen Alter um 70 Jahre zu finden ist. Die Hälfte der älteren Patientinnen haben Begleiterkrankungen (wie z.B. Bluthochdruck, Adipositas, Diabetes mellitus) und vermehrt einen Lichen sclerosus (also eine chronisch entzündliche Hauterkrankung im Bereich der Vulva). Im Vergleich zu anderen gynäkologischen Krebserkrankungen, wie Brust-, Eierstock- oder Gebärmutterkrebs, tritt der Vulvakrebs aber generell eher seltener auf.

Unter Vulvakrebs verbergen sich verschiedene Arten von Krebs, die entweder die großen Schamlippen, die kleinen Schamlippen oder die Klitoris betreffen. Grund für den Ausbruch der Krankheit und ebenso von Vaginalkrebs, ist in vielen Fällen eine Infektion mit Herpes, Syphilis oder vor allem mit dem Humanen Papilloma-Virus (HPV). Während der Krebs bisher meist bei älteren Frauen aufgetreten ist, sorgt das HPV dafür, dass er zunehmend bei Frauen unter dem 40. Lebensjahr entsteht. Man vermutet, dass Nikotingenuss und ein unterdrücktes Immunsystem, ungünstige Genitalhygiene und Infektionen (Herpes, Syphilis, HIV) durch genital übertragbare Erreger ebenfalls einen Anteil an der Entwicklung des Karzinoms haben können. In den HPV-Fällen tritt vielfach gleichzeitig ein Karzinom an Gebärmutterhals (Zervix) und After (Anus) auf. Heute ist es möglich, gegen das HPV zu impfen und damit einer Krebserkrankung vorzubeugen. Außerdem werden beim jährlichen Vorsorgetermin beim Frauenarzt vorsorglich die äußeren und inneren Genitalien untersucht.

Der größte Teil der Vulvatumoren (90%) entwickelt sich aus der obersten Hautschicht (Plattenepithelkarzinom) und ist mit bloßem Auge sichtbar. Therapiert werden die Tumore in der Regel mit Operationen, in Ausnahmefällen auch mit Strahlentherapie und Chemotherapie, je nach Krankheitsstadium [1].

Symptome von Vulvakrebs

Im Frühstadium ist häufig ein starker Juckreiz oder ein Brennen am äußeren Genitalbereich zu spüren. Zusätzlich können sich kleine, rötliche oder weiße, verhärtete Verdickungen bilden (sogenannte Leukoplakien) sowie nässende Wunden an der äußersten Hautschicht. In manchen Fällen treten Schmerzen oder Blutungen auf, die sich spontan, nach dem Harnlassen oder Geschlechtsverkehr entwickeln. Im fortgeschrittenen Stadium entsteht dann ein kontinuierlich wachsender, eventuell blutender Tumor. Zusätzlich kann unangenehm riechender Ausfluss durch absterbende Tumorzellen und bakterielle Infektionen entstehen und die Schmerzen können zunehmen. Liegt der Tumor an der Innenseite einer Schamlippe, kann an der gegenüberliegenden Seite eine Tochtergeschwulst (Metastase) entstehen, da die beiden Schamlippen im direkten Kontakt stehen. Auch kann sich das Vulvakarzinom auf die Nachbarregionen ausbreiten und Harnröhrenausgang, Scheide, den Damm oder Darmausgang mit einbeziehen. Dann hat die Patienten Schwierigkeiten, Schmerzen und eventuell Blutungen beim Harnlassen und/oder Koten. Schließlich kann sich der Tumor auch über die Lymphe im ganzen Körper verbreiten [2].

Die Häufigkeit von Vulvakrebs

In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Frauen mit der vierthäufigsten gynäkologischen Krebserkrankung (Vulvakrebs) verdoppelt. Die Krankheit tritt umso häufiger auf, je älter die Frauen sind. So sind im Schnitt die Hälfte der erkrankten Frauen 70 Jahre und älter. Es gibt aber auch Frauen, bei denen bereits mit 40 Jahren der Vulvakrebs ausbricht. 2014 lag die Anzahl der Neuerkrankten in Deutschland bei 4 Patientinnen von 100.000 Frauen (also 3.583 Frauen mit Vulvakrebs insgesamt) und war damit im internationalen Vergleich Spitzenreiter. Von 2004 bis 2010 stieg die Zahl der Neuerkrankungen jährlich um 8,2%. Seit 2010 aber bleibt die Anzahl der Neuerkrankten pro Jahr in etwa stabil.

Etwa 1.126 Frauen sterben jährlich an dem Vulva- oder Vaginalkrebs und deren Folgen. Dabei liegt die Wahrscheinlichkeit, mit Vulvakrebs mindestens 5 Jahre zu überleben, bei 68%. Zum Vergleich: Beim Vaginalkrebs liegt die relative 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit bei 43%. Nur eine von drei Patientinnen mit Vulvakrebs verstirbt innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Die Überlebensrate der Frauen mit Vulvakrebs liegt im internationalen Vergleich relativ hoch. Bisher weiß man aber noch nicht, woran das liegen könnte. Ob z.B. hierzulande der Krebs effektiver behandelt wird oder unsere Früherkennungsmaßnahmen besser greifen als in anderen Ländern, muss noch erst untersucht werden. Auf jeden Fall kann dieser Fakt nicht auf die in Deutschland 2007 eingeführte HPV-Impfung zurückgeführt werden, da zum Zeitpunkt der Datenerfassung die Mädchen noch zu jung für die Entwicklung eines Vulvakarzinoms waren.

Interessant ist, dass der Vulvakrebs vor allem ältere Frauen durchschnittlich im Alter von 73 Jahren betrifft. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt damit vier Jahre höher als beim Gebärmutterschleimhaut – und Eileiterkrebs, neun Jahre höher als beim Brustkrebs und 20 Jahre höher als beim Gebärmutterhalskrebs [3].

Therapie des Vulvakarzinoms

Die Behandlung hat zum Ziel, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen und dabei die Vulva weitestgehend zu erhalten. Das Vulvakarzinom wird in der Regel operativ entfernt, nur selten kommen Chemo- oder Strahlentherapie in Frage. Bei jüngeren Frauen müssen dabei die Familienplanung und Erhaltung der Sexualfunktion berücksichtigt werden. Je nach Tumorstadium wird entweder die eingeschränkte (bei kleinen Tumoren) oder die radikale Operation (bei ausgedehnten Tumoren) angewandt. Dabei kann sich das Aussehen der Geschlechtsorgane stark verändern. Daher sind eine gute Aufklärung und ggf. eine psychologische Betreuung der Patientinnen sehr wichtig. Da auch eine Einschränkung des Sexuallebens möglich ist, sollte der Partner in die psychologische Betreuung einbezogen werden.

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Quellenangaben
  1. von Kieseritzky, Katrin in Krebsgesellschaft.de, Vulvakrebs, Vulvakarzinom, abgerufen am 12.08.2019 von https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/vulvakrebs/definition-und-haeufigkeit.html
  2. Buttmann-Schweiger, Nina in Onkologe 2019 · 25:396–403, 08.04.2019, Epidemiologie der Krebserkrankungen von Vulva und Vagina in Deutschland, abgerufen am 12.08.2019 von https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/6081/Buttmann-Schweiger_PREPRINT%20v2019-03-12%20Epidemiologie%20der%20Vulva-%20und%20Vaginalkarzinome.pdf?sequence=1
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